BAP


DER BAP-CHEF IST UNTROSTLICH:“AUSGERECHNET ZUM Tourstart raucht das Ding ab.“ Diaprojektor kaputt. Dumm gelaufen, aber nicht wirklich schlimm. Die Band wollte die einzelnen Songs des“Tonfilm“-Tourprogramms mit einer aufwendigen Dia-Show untermalen – aber die Tücke des Objekts macht den Kölnern in Essen einen Strich durch die Rechnung. Nun also sitzt Wolfgang Niedecken backstage und sinniert mit Gattin Tina, wie er dem Publikum das Fehlen der Diashow erklären soll. Seine Sorge ist unbegründet, die 1.500 zeigen Verständnis – BAP-Fans gehören eh zu den verständigen und friedfertigen Menschen im Lande. Und sie bekommen auch so eine Menge geboten. Zum Beispiel die wohl beste BAP-Besetzung der nunmehr 20jährigen Bandgeschichte. Die Neuzugänge Helmut Krumminga (git.) und Michael Naas (keys) erledigen ihren Job so versiert wie mannschaftsdienlich. Krumminga verdient sich mit effizienter und geschmackssicherer Saitenarbeit gar ein Extralob, hier und da setzt er eigene Akzente – des Majors Soloarien sind ein für allemal abgehakt. Und die Rest-Baptisten mit dem Rhythmusgespann Jürgen Zöller (Orums), Werner Kopal (Bass) und Sheryl Hackett (Perc) sowie Multiinstrumentalist Jens Streifling stehen dem nicht nach, unauffällig und einfühlsam vertonen sie Niedeckens Südstadt-Geschichten. Die indes sind diesmal andere, abgefeiert werden mal nicht die sattsam bekannten Hits und Highlights. Statt dessen widmet sich die „Tonfilm“-Tour – wie schon das Album, das hier das Gros des Programms stellt – den weniger bekannten Songs, stellt unter der thematischen Klammer des Unterwegsseins fast Vergessenes („Et letzte Leed“) und lange Verschollenes („Leechterkette Locke“) in den Mittelpunkt. Nicht das große „Affrocke“ ist heute gefragt, zuhören sollen die Leute. Und in der bestuhlten Halle tun sie das erstaunlich aufmerksam. Wenn’s doch mal Standing ovations setzt, schalten BAP sofort wieder einen Gang zurück-und die Leute setzen sich prompt wieder hin. Ungewöhnlich genug für ein Rock-Konzert. Aber die gut 150 Minuten entwickeln so ihre ganz eigene gemütliche Atmosphäre: ein bisschen Lagerfeuer, ein bisschen Oldieabend. Wirklich vermisst hat den Dia-Projektor niemand.