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„Better Call Saul“: Deshalb war die 2. Staffel so gut

Die 2. Staffel „Better Call Saul“ ist Geschichte. Am 18. April 2016 (und in Deutschland einen Tag später) stellte Netflix die letzte von 10 neuen Folgen als Stream zur Verfügung, und selbst ohne Spoiler darf verraten werden: Jimmy McGill kommt dem skrupellosen Anwalt Saul Goodman, als den wir Schauspieler Bob Odenkirk bereits aus „Breaking Bad“ kennen, sehr viel näher. Abgeschlossen ist dieser Wandel aber auch nach insgesamt 20 Folgen des „Breaking Bad“-Spin-offs, das zeitlich weitestgehend vor den Geschehnissen um Walter White spielt, keineswegs.

Was passiert in der 2. Staffel „Better Call Saul“? Staffel 1 endete damit, dass der einstige Trickbetrüger und heutige Anwalt Jimmy McGill eine Entscheidung trifft. Er, der von seinem älteren Bruder, dem erfolgreichen Anwalt Chuck McGill (Michael McKean), nie ernst genommen wurde und es immer wieder auf die ehrliche Tour versuchte, sagte dem aus „Breaking Bad“ bekannten Parkplatzwächter und Auftragskriminellen Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks): „I know what stopped me. And you know what? It’s never stopping me again!“ So fuhr Jimmy McGill zu „Smoke On The Water“ und mit einem Lächeln im Gesicht in Richtung seines neuen Lebens. Man ahnte, welchen Parforce-Ritt er in Staffel 2 erleben würde, bevor er, irgendwann, seinen Namen in Saul Goodman ändern und auf Walter White treffen wird. Und dieser Parforce-Ritt, soviel wissen wir jetzt, ist nicht nur von beruflichen Höhen und Tiefen gekennzeichnet, sondern vor allen Dingen von familiären.

Die 2. Staffel „Better Call Saul“ könnte auch „Chuck vs. Jimmy“ heißen

– Die folgenden Absätze enthalten Spoiler –

Jimmy McGill überrascht die Zuschauer und sich selbst anfangs damit, dass er bei der renommierten Kanzlei Davis & Main anheuert. Versucht er es doch auf die saubere Tour? Man ahnt schnell, dass er sich zuliebe von Kim Wexler (Rhea Seehorn) am Riemen reißt, wenngleich auf unkonventionelle Art und Weise. Wexler ist nicht nur seine heimliche Freundin, sondern auch sein Maulwurf bei HHM, der noch renommierteren Kanzlei seines Bruders Chuck. Kim ist auf bestem Wege Karriere zu machen, lässt sich aber gleichzeitig von Jimmys gutgemeinten Schnacker- und Trickbetrügerqualitäten beeindrucken. Und Chuck? Gilt immer noch als die graue und abstinente Eminenz von HHM, die wegen einer Elektrosensibilität keine elektrischen Quellen erträgt. Wer ihn in seinem abgedunkelten Zuhause besucht, muss sich erden, sein Handy im Briefkasten ablegen und eine Toleranz für Alufolie haben. Jimmy pflegt ihn, noch immer, nach bestem Wissen und Gewissen.

Kooperation

Diese Beziehung zwischen Jimmy und Chuck, die schon seit Jahren auf Hassliebe beruht und in der 2. Staffel „Better Call Saul“ um einige Episoden erweitert wird, erfährt ihren Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt, als Kim sich neben Jimmy selbständig machen will und es fast geschafft hätte, HHMs großen Klienten Mesa Verde mitzunehmen. Chuck, der sich stets für den besseren Sohn der McGill-Familie hielt, will diese Denunziation nicht auf sich sitzen lassen. Er verlässt trotz Krankheit sein Haus und erkämpft sich mit Kanzleipartner Howard Hamlin (Patrick Fabian) Mesa Verde erfolgreich zurück.

Enter Jimmy at its best: Während des folgenden Rückfalls von Chuck fälscht er die bei ihm liegenden Papiere des Mandanten Mesa Verde derart, dass nicht nur das Gericht, sondern auch Chuck selbst glauben müssen, er hätte einen kleinen, aber folgenschweren Fehler gemacht. Chuck ahnt sofort, dass Jimmy ihn reingelegt hat, kann es aber nicht beweisen. Es kommt zu einem vorläufigen Showdown in einem Kopiergeschäft und schließlich zur finalen Staffelszene, in der Chuck Jimmy zu einem Geständnis bringt, das eigentlich keines ist, weil vor Gericht Aussage gegen Aussage stünde – wenn Chuck, von nichts als Rache- und Genugtuungsgelüsten getrieben, das Gespräch unter Brüdern nicht wider seiner Elektrosensibilität auf Tonband aufgenommen hätte.

Mike Ehrmanntraut hätte ein eigenes „Breaking Bad“-Spin-off verdient

Parallel zu der Geschichte von Jimmy McGill wird in der 2. Staffel „Better Call Saul“ übrigens die Geschichte von Mike Ehrmantraut weitererzählt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist Mike den meisten Verbrechern in Albuquerque körperlich und geistig überlegen. Er heuert beim Gangster Nacho (Michael Mando) an, nur um sich im späteren Verlauf der Staffel gegen ihn zu stellen. Allein Mikes Handlungsstränge hätten genug Stoff für ein eigenes Spin-off hergegeben, halten weitere Berührungspunkte mit aus „Breaking Bad“ bekannten Charakteren bereit und dürften in der Fortsetzung von „Better Call Caul“ nicht weniger spannend als Jimmys endgültiger Wandel zu Saul Goodman werden.

Eine dritte Staffel wurde bereits bestätigt und soll im Frühjahr 2017 ausgestrahlt werden.


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