Boom Tschak: Scheissesturm

Die britische Girl-Band Neon Jungle – so was wie die Spice Girls 20 Jahre nach den Spice Girls, nur nicht so gut – hatte Ende Juli ihr Debütalbum, WELCOME TO THE JUNGLE, veröffentlicht. Auf der Tracklist:
 eine Coverversion von „Waiting Game“, der letztjährigen Single von Banks. Woraufhin von den Banks-Bewunderern ein kleiner Shitstorm losgetreten wurde, weil – rechtlich okay, aber moralisch bedenklich – Neon Jungle Banks nicht gefragt hatten und vor allem weil das Album mit der Coverversion Wochen vor Banks’ eigenem Debütalbum veröffentlicht wurde.

Jillian Banks selber ließ verlauten, sie fühle sich sehr unwohl dabei, dass einer ihrer persönlichsten Songs auf einem Album einer anderen Band veröffentlicht wurde. Dabei müssen wir und Banks und ihre Fangemeinde dankbar sein für die Coverversion von Neon Jungle: Weil sie doch auf wunderbare Weise zeigt, was der Unterscheid zwischen Pop und Pop ist und zwischen Kunst-Musik und industrieller Massenproduktion, was Banks alles richtig macht und warum der Dance-Charts-Pop 30 Jahre nach seiner Erfindung immer noch scheiße ist.

Da wäre zuerst das Banks-Arrangement: Vom Piano-Intro über das subsonische Grummeln des Basses bis hin zum Flattern der Synthesizer ist das perfektes Sounddesign, bei dem nichts dem Zufall überlassen ist. Das Neon-Jungle-Arrangement dagegen dient einem einzigen Zweck: die penetrant in den Vordergrund gemischten Stimmen überhaupt mit Musik zu begleiten. Dann der Gesang: Jillian Banks ist eine hervorragende Sängerin, sie könnte auch so wie Mariah Carey zwitschern – tut’s aber nicht, sondern bleibt immer angenehm unter ihren stimmlichen Möglichkeiten.

Neon Jungle dagegen zeigen diesen sauemotional gemeinten, überdrehten, haarsträubend hysterischen „modernen“ R’n’B -Gesang, wie er in diversen Fernsehshows verwirrten jungen Menschen mit auf den Weg gegeben wird als Garantie für eine Karriere als Superstar, die mindestens ein halbes Jahr anhält.

Neon Jungles Cover-Version…

…und das Original von Banks:

Diese und weitere Kolumnen sind in der Oktober-Ausgabe des Musikexpress erschienen – seit 11. September am Kiosk und im App-Store erhältlich.

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