Boy George


"Do You Really Want To Hurt Me?" fragte er einst als Sprachrohr des Culture Club. Und er tat es mit einer Unschuldsmiene, als könne er keinem Tierchen auch nur ein Härchen krümmen. Doch ganz so harmlos, wie er vorgibt, ist der inzwischen religiös Erleuchtete nun auch wieder nicht: Mit seinen Musikerkollegen geht er beim diesmaligen Hörtest mitunter hart ins Gericht.

Right Said Fred: „Love For All Seasons“

Ziemlich altmodisch, klingt nach Dance-Musie aus den Achtzigern. Das ist Right Said Fred, nicht wahr? Ihre Popularität ist mir ein Rätsel, ,,1’m Too Sexy“ war wenigstens noch originell, doch „Don’t Talk, Just Kiss“ ist die schlechteste Platte, die ich in meinem ganzen Leben gehört habe. Und das sage ich, obwohl ihr Produzent ein guter Freund von mir ist. Ihre Kahlköpfe sind offensichtlich wichtiger als die Musik.

Die Krupps: „Enter Sandman“

Garantiert eine deutsche Band: unterkühlt und unglaublich technisch. Jedenfalls ist es die Cover-Version einer Heavy Metal-Band … Metallica! Nicht ganz so überzeugend wie das Original, aber mir gefällt die Idee, einen Metal-Song mit Techno-Ambiente zu covern. Sowas bringen außer Deutschen nur noch durchgeknallte Amerikaner fertig.

Sinead O’Connor: „Don’t Cry…“

Sinead! Ein wunderschönes Lied, der beste Song ihres jüngsten Albums. Ungewöhnlich, aber nicht ganz so zickig wie das Original — mehr Ausdruck, mehr Sex. Ihre persönlichen Ängste kommen dabei zum Vorschein, was in ihren sonstigen Äußerungen oft zum Fiasko gerät. Sie sollte unbedingt weitersingen — und dafür ansonsten besser ihren Mund halten.

Duran Duran: „Too Much Information“

Tolles Intro, könnte Def Leppard sein. Oder gar eine deutsche Band? Vielleicht auch eine australische? Duran Duran? Wäre ich nie drauf gekommen. Ich mochte ihre frühen Hits wie „Save Your Prayer“ und „Please Teil Me Now“. Damals waren sie noch eine waschechte Pop-Band, jetzt versuchen sie sich offensichtlich im Rock-Lager. Mit neuen Sounds zu experimentieren ist völlig in Ordnung, doch das hier klingt verdächtig nach einem bemühten Image-Wandel. Guns N’Roses sind in diesem Metier einfach besser.

Elvis Costello: „For Other Eyes“

Die Stimme kommt mir bekannt vor… Elvis Costello! Ein brillanter Songwriter. aber dieses Stück ist absolut emotionslos. Wo ist die Melodie? Wer derartige Musik macht, nimmt sich selbst wohl ein bißchen zu wichtig. Das klingt doch wie diese schreckliche Kammermusik aus dem viktorianischen Zeitalter, als die Leute rausgeputzt herumliefen, gleichzeitig aber einfach in die Ecke schissen.

Lenny Kravitz: „Are You Gonna Go My Way“

Heiße Gitarre — echt und unverfälscht, dazu dieser packende Groove. Dieser Typ lebt also immer noch in der Vergangenheit — das kann nur Lenny Kravitz mit einer neuen, ,.selbstkomponierten“ Cover-Version sein. Rätselhaft bleibt allerdings, warum ein derartig talentierter Musiker gemeinsame Sache mit dieser französischen … äh Sängerin macht. Vanessa Paradis hat eine Stimme, die allenfalls Hunde wahrnehmen können; obendrein ist eine Peinlichkeit wie „Be My Baby“ Lennys Glaubwürdigkeit als hehrei Rockmusiker nicht gerade förderlich.

En Rage: «Run To You“

Oh nein … ich hasse diese Platte. Jeder kann so etwas aus seinem Keyboard kitzeln, sogar ich. Das Original von Bryan Adams geht in Ordnung, aber dieser Dance-Remix ist einfach fürchterlich.

The Levellers: „Liberty Song“

Dieser irische Folk-Einfluß läßt Erinnerungen an die frühen Thin Lizzy wach werden. Aber diese Stimme… ist es vielleicht Carter USM? Klingt frisch und unverbraucht, für irische Folk-Geigen habe ich ohnehin einen Faible. The Levellers? Eine meiner großen Hoffnuneen unter den britischen Newcomer-Bands.

lee Cube: „The Predator“

Mit Rap habe ich ausgesprochen wenig am Hut, frag mich also bitte nicht, wer das sein könnte, lee Cube? Oh. ich bin ein großer Fan von ihm flacht). Spaß beiseite: Ich habe nichts gegen Rap, doch gewalttätige, aggressive Texte aus dem Ghetto langweilen mich. Das klingt immer nach einem nervenden Lehrer, der dir seine neuesten Erkenntnisse ins Ohr brüllt. Im Gegensatz zu diesen „lough boys“ haben Gruppen wie De La Soul. House Of Pain oder Shinehead wenigstens Humor.