Catatonia


WELCH EINE PARTY! VIERTAUSEND VERLIEBTE IN EINER HALLE! UND alle – ob Boy oder Girl – sind in die gleiche Person verliebt. Die solchermaßen Angehimmelte heißt Cerys Matthews, kommt aus Wales und steht grinsend auf der Bühne. Die sehnsuchtsvoll funkelnden Augen im Auditorium quittiert die Frontfrau von Catatonia mit lockerem Charme. Cerys (sprich: „Ke-ris“) säubert die Kehle abwechselnd mit Bier direkt aus der Dose und mit Wein direkt aus der Flasche und schmunzelt dabei über das aufgeregte Getue zu ihren Füßen. („Wie könnt ihr nur Crowdsurfen zu einer akustischen Gitarre?! Hihihi!“). Niemand außer ihr bringt einen dicken Waliser Akzent dermaßen bezaubernd auf über die Lippen und singt dazu noch so brillant. Kein Zweifel.die britische Popszene hat endlich mal wieder einen echten Star-dazu einen, der garantiert auch noch in zehn Jahren ganz bodenständig auf ein Bier in den Local Pub geht, statt in zickigen Größenwahn abzudriften. Als Catatonia das letzte Mal auf Tour waren, hatten sie mit „Murder & Scully“ und dem sublimen „Road Rage“ gerade mal die ersten Hits verbucht. Damit konnte die Band kleinere Hallen zwar hinter sich lassen, war aber noch nicht reif für die ganz großen Stadien. Die Lösung: Catatonia tingelten im Vorprogramm ihrer walisischen Landsleute, den Manie Street Preachers, durch die Lande. Seither ist viel passiert. Catatonias letztes Album „International Velvet“ ging 800.000 Mal über britische Ladentische, und das kommende Album soll diesen Erfolg konsolidieren. Das dürfte kein Problem sein: Das Werk ist noch nicht draußen,da können die 4000 Kehlen schon inbrünstig mitheulen bei Ohrwürmern wie „She’s A Millionaire“ (Cerys Blockflötensolo erntet Sonderapplaus) und „Londinium“ oder wie sie alle heißen. Daß sich das Publikum mit den neuen Songs so rasch anfreundet, zeugt von begnadetem Songwriting. Zugegeben: Es gibt sie zwar auch,die Passagen, in denen das Zickzack zwischen schnörkelfreiem Clash-Rock und himmelhochjauchzenden,jedoch kitschfreien Balladen ins Triviale zu rutschen droht, aber selbst diese Klippen umschifft die fröhlich aufgelegte Band mit einer unverbrämten Freude an der Sache und einer Spontaneität, wie sie im berechnenden Popgeschäft unserer Tage leider selten geworden ist. In diesem Sinne: Auf Dein Wohl, Cerys!