Citizen Zuck


Weil Hollywood zeigt, dass der Kopf hinter Facebook böse ist.

7. Oktober

Sergey Brin und Larry Page hatten sich solche Mühe gegeben. Hatten es irgendwie geschaft, den Nerd cool zu machen. Trotz Bill Gates, trotz ihrer Brillen, trotz der vielen Lego-Klötze im Googleplex. Das Fachmagzin Wired feierte den Nerd bereits als Blaupause für den smarten, gut erzogenen, altruistisch-umsichtigen Entrepreneur des jungen Jahrtausends, ein Gegenentwurf zum Alpha-Kapitalisten, der stets rücksichtslos, egoistisch und menschenverachtend daherkam. Allesamt Attribute, die im Quellcode des guten Nerds nicht vorgesehen sind. Doch dann tauchte auf einmal Mark Zuckerberg auf, der jüngste Milliardär aller Zeiten in der Forbes-Liste, und stellte die schöne Gleichung auf den Kopf: Während immer mehr Menschen seinen Dienst Facebook schätzen lernten, mittlerweile sind es mehr als 500 Millionen, wurden die Beschwerden über den Studienabbrecher lauter und lauter: Facebook verletze die Rechte der Jünger, äh, User, Zuckerberg mobbe Mitarbeiter, Zuckerberg verkaufe Daten, Zuckerberg dies, Zuckerberg das. Und überhaupt: Zuckerberg habe gar die Idee zu Facebook skrupellos geklaut. Irgendwann wurden selbst Hollywood und Regisseur David Fincher auf den Über-Nerd aufmerksam und setzten ihm diesen Herbst ein ziemlich düsteres Denkmal: The Social Network heißt die shakespearehafte Tragödie über den Rachefeldzug des bösen Nerds, eine Geschichte voller Neid, Verrat und Gier, eben die Geschichte über die Anfangsjahre von Facebook und den skrupellos-genialen Mark Zuckerberg, der als Citizen Kane des Digitalen vor nichts und niemandem zurückschreckt. jr