Da lacht der Zensor


Europa hat einen neuen Bürgerschreck. Nicht mehr Alice Coopers Blut-Orgien, nicht die Crebo-Schmuddeleien sind es, die den braven TV-Glotzer auf die Palme treiben. Ungekrönte Schocker-Königin ist jetzt die Französin Cuesch Patti mit ihren tabulosen Video-Exzessen. Und der Zensor hat alle Hände voll zu tun.

Spanner, Christen. Moralapostel und brave Ehemänner – bei Guesch Pattis Video-Clips bekommen alle ihr Fett ab. In dem Schwarz-Weiß-Streifen „Etienne“ versorgte sie im durchsichtigen Netz-Dress die schlüpfrigen Strip-Phantasien, jetzt rechnet sie mit der prüden Bigotterie ab. Mit dem astronomischen Budget von knapp 450000 Mark produzierte die Pariserin für ihre neue Single „Lei Be Must The Queen“ einen der opulentesten, aber auch umstrittensten Clips in der Geschichte der kleinen Filmchen. Und sie provoziert mit voller Absicht:.. Wem wäre gehalfen, wenn ich ein kleines neues Video mache, das aber jeden kah läßt. Da sind mir Empörung oder Begeisterung schon wichtiger. „

Der neue Streifen würde auch Fellini gefallen: Eine scheinbar sinn- und ziellose Orgie, dutzende von Freaks tanzen den Totentanz in barocken oder maroden Kostümen, Mutter Maria läßt das Jesuskind in die Pfütze fallen, Transvestiten beißen sich in die Brustwarzen und über allem schweift Guesch Patti als Heiland in weißem Kleid mit der Dornen-Krone obenauf. Verkauft sie sich mit Tod und Sex“ „Erotik und Tod haben viel gemeinsam. Vor allem will ich provozieren, denn alle Hart an der Grenze: Diese Szene durfte bleiben Kunst ist erotischen Ursprungs, eine Mischung aus Erotik und Todesangst. Und außerdem – warum sollte es Vorrecht der Männer sein, eine Dornenkrone auf dem Kopf zu tragen‘.'“

Die Balett-Tänzcrin mit klassischer Ausbildung, in deren Pariser Studio ein riesiges Poster von einem Penis hängt („ein wichtiger Körperteil. ..“/ hat für das aktuelle Video mit einer Reihe anerkannter französischer Künstler zusammengearbeitet: Lydie Callier sorgte für die Choreografie, die Kostüme sind von Christian Lacroix. die Tänzer wurden aus den Cabarets Alcazar und Michou ausgeliehen. Trotz aller Kunst war den Deutschen „Formel Eins“-Machern der Streifen zu heiß – etliche „strittige“ Szenen wurden mit Rücksicht auf die Kirche herausgeschnitten.

Da lacht der Zensor und Guesch Patti ärgert sich: „Ich finde das iraurig, engstirnig und vor allem dumm. Wir haben doch ohnehin schon viel iu viele brave, neue und adretie Pop-Stars. Es gibt in der Politik und auch im Leben Dinge, die wesentlich provokanter sind als meine Songs und meine Videos. Man sollte den Spieß umdrehen und die moralische Engstirnigkeil der Fernsehleute auf den Index setzen.“