Das liegt im Blut


„Die Songs, die unser Vater sang, umfaßten das ganze Leben“ , sagt Damien Marley über den Mann, mit dem er als kleiner Junge auf dem Cover seines Debüts Mr. Marley zu sehen war und von dem er nicht nur sein Lächeln geerbt hat. „Unser Korb ist vollmit allen Früchten aller Sorten: Songs über Liebe und Politik, ernste Songs und fröhliche Songs. „Daß man dem 26jährigen die familiäre Herkunft anhört, ist nicht zu vermeiden, sollte jedoch nicht überbewertet werden: „Kinder stehen immer unter dem Einfluß ihres Vaters, aber Bob Marley hat alle Reggaemusilcer der Welt geprägt. Da hat er recht, und musikalisch ist Damian weitaus mehr als nur der nächste Marley-Sohn. Für Halfway Tree von 2001 (benannt nach der Straße, die den reichen Teil Kingstons von den Ghettos trennt) erntete er einen Reggae-Grammy, diesen Herbst stand er als U2-Support auf den Stadionbühnen, und sein neues Album Welcome To Jamrock (mit Gastauftritten von Black Thought, Nas, Bounty Killer u. a.) war schon vor Veröffentlichung ein Hit, dank der gleichnamigen Single, die rund um ein prägnantes Ini-Kamoze-Sample ( „Out in the streets, they call it murder“) eine so gnadenlose (und für Nicht-Patois-Sprecher kaum zugängliche) Beschreibung der jamaikanischen Realität lieferte, daß sich ein Kritiker zum Vergleich mit einer Handgranate hinreißen ließ. Lauert da nicht ein Glaubwürdigkeitskonflikt, wo Damian doch als Sohn einer (weißen!) Ex-Miss-World und Stiefsohn eines prominenten Politikers in privilegierten Verhältnissen aufwuchs? Vorwürfe dieser Art gibt es. Aber man muß Damian alias Jr. Gong zugute halten, daß ihm der Seiltanz zwischen behütetem Leben und Engagement, zwischen seinem Auftreten als „Prinz der Bettler“, der mit Bodyguards durchs Ghetto flaniert, und den Botschaften in seinen Texten auf Welcome To Jamrock überzeugend gelingt. Und der Konflikt ist ihm bewußt: „Ich kenne beide Seiten und gehöre keiner an. Mein Stiefvater war Politiker, deshalb weißich, daß Politiker auch nicht einfach Dämonen sind, sondern gute Seiten haben und Menschen sind. Worum es geht, ist, daß wir die Augen öffnen und die Wirklichkeitsehen.“ Auf Damians Schultern ruhen auch die Hoffnungen auf eine Umorientierung der Szene – zurück zu den Wurzeln: „Dancehall steht in den USA kommerziell im Mittelpunkt, und ich respektiere die Leute. Aber die Roots, der One-Drop-Rhythmus, ist in Jamaika wieder ganz groß. Das ist die ursprüngliche Kultur, das ursprüngliche Feeling der jamaikanischen Musik.“

www.damianmarleymusic.com