Highlight: Die 50 besten Alben des Jahres 2016

David Bowie: Der Stern über seiner Schulter

Emily Haines und James Shaw bummeln 2011 durch New York. Weil sie gerade in der Nähe sind, machen die Sängerin und der Gitarrist der kanadischen Band Metric einen kleinen Abstecher zu dem Studio, in dem sie ihr letztes Album aufgenommen haben. „The Magic Shop“ liegt in der 49 Crosby Street in Soho, gegenüber einem Friseur und neben einem Fitnessstudio. Bevor sie auf den Klingelknopf drücken können, tritt zufällig Kabir Hermon vor die unscheinbare Tür. Hermon ist der Manager des Studios, ein guter Freund der Band. Jetzt wirkt er seltsam fahrig, er hat keinen Besuch erwartet. Später wird Hermon sich gegenüber dem „NME“ an diese Situation erinnern: „Ich musste die Tür hinter mir schließen und ihnen erklären, dass ich sie nicht hineinlassen darf. Und ich konnte ihnen nicht erklären, warum.“


Der Grund war, dass hinter der verschlossenen Tür an diesem Tag ein paar Musiker an einem Album arbeiteten, die ein bestimmter Mann um sich versammelt hatte – David Bowie. Mit ein paar Sessions unter der Aufsicht seines langjährigen Produzenten Tony Visconti hatte Bowie soeben zum zweiten Mal mit der Arbeit an THE NEXT DAY begonnen. Zuvor hatte das Team aus einem anderen Studio fliehen müssen, als Gerüchte die Runde zu machen begannen, Bowie würde dort aufnehmen. Damit dergleichen im „Magic Shop“ nicht wieder passierte, bekam das Hauspersonal während der Aufnahmen frei. Wer blieb, unter anderem Kabir Hermon, musste eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen. Das galt auch für die Musiker. Gitarrist Earl Slick weihte nicht einmal seinen Roadie ein. Und Hermon streute seinerseits in die Irre führende Gerüchte, wer da gerade Geheimnisvolles arbeitete. Die Rolling Stones vielleicht? Die Smiths gar? Bowie hatte zu diesem Zeitpunkt ohnehin niemand mehr so richtig auf dem Schirm.

David Bowie – THE NEXT DAY

Es sollte das Ende der längsten Sendepause in Bowies Karriere sein. 2003 hatte er REALITY veröffentlicht und sich danach rar gemacht. Es gab noch eine Tournee, auf der er einen Herzinfarkt erlitt, einen von sechs, wie es hieß. Immerhin war der Mann in seinen Sechzigern, hat ganze Skigebiete weggekokst und geraucht wie das Ruhrgebiet in den 50er-Jahren.



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