Festivalbericht

Der Samstag beim Hurricane Festival 2026: Mehr Frauen in den Pit!

Der Samstag beim Hurricane bringt Moshpits mit Female Energy und ein Überraschungskonzert.

Hurricane Festival 2026 – es geht weiter! Wer am Samstag zum Startschuss gleich zu Mittag vor der Forest Stage steht, zeigt wirklich Ausdauer. Scene Queen freut sich jedenfalls sichtbar über die vielen Frühaufsteher, die sich trotz kurzer Nacht und schnell steigender Temperaturen um 13 Uhr vor der Hauptbühne versammelt haben. Zur Belohnung eröffnet sie den „Twerkle Pit“: einen Circle Pit, in dem Twerken ausdrücklich erwünscht ist. Und hier zeigt sich: Wenn die T-Shirt-losen Menners noch komatös in den Zelten liegen, regieren die Frauen den Platz vor der Bühne. Auch die Ansagen von Scene Queen machen unmissverständlich klar, dass toxische Männlichkeit hier fehl am Platz ist.

Holt die Super Soakers raus

Die Sonne brennt inzwischen bei rund 34 Grad auf den Eichenring, aber Ritter Lean lässt keine Feierpause zu. Mit entfesselter ADHS-Energie zettelt er eine kurzweilige Party auf der River Stage an und er ist sich auch nicht zu schade, sein Publikum mit Merch zu „bestechen“, wenn sie dafür besonders abgehen. Etwas Abkühlung verschafft die Crew, die mit Super Soakers in die Menge schießt.

20.06.2026, Eichenring, Scheessel, GER, Hurricane-Festival, im BildNATASHA BEDINGFIELD Foto © Rojahn
Natasha Bedingfield

Wenig später profitiert auch Natasha Bedingfield von der bombastischen Laune der Hurricane-Besucher. Ihr 2004 veröffentlichter Hit „Unwritten“ erlebt seit der Verwendung in der Rom-Com „Anyone But You“ und dem darauffolgenden TikTok-Hype ein erstaunliches Revival. Bedingfield beschränkt sich aber nicht auf die nostalgischen Momente. Die Sängerin covert „Politik“ von Coldplay und „Zombie“ von The Cranberries, stellt einen neuen Song vor und wirkt dabei so offen begeistert, dass sie die Crowd mit ihrer guten Laune ansteckt. Selbst der schwere, langärmelige Zweiteiler, in dem sie steckt, kann diesen federleichten Midsommer-Moment nicht ausbremsen.

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Leoniden sorgen für eine Überraschung

20.06.2026, Eichenring, Scheessel, GER, Hurricane-Festival, im BildLEONIEDEN Foto © Rojahn
Leoniden

Um 18.45 Uhr folgt das kurz vorher angekündigte Secret Set der Leoniden. Der Andrang im Zelt der Wild Coast Stage ist entsprechend enorm. Wer noch einen Platz mit halbwegs freier Sicht ergattern will, muss früh kommen oder sich mit einem Platz an den Bildschirmen vor dem Zelt begnügen. Eine Stunde später hat es Orville Peck an gleicher Stelle entsprechend schwerer. Seine maskierte Cowboy-Romantik verliert sich ein wenig im starken Line-up des Tages. Vor allem, weil es an der Forest Stage schon heißt: „Viva la Cucaracha!“ Papa Roach starten dort ihre große Nu-Metal-Zeitreise.

Jacoby Shaddix hat auf der Europatour seine Kinder dabei: Sohn Jagger singt bei „See You in Hell“, der jüngere Brixton rappt bei „Braindead“ mit. Ihr Papa singt seit mehr als 25 Jahren davon, kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen. Wenn man dem angeknipsten Gute-Laune-Bär heute zuschaut, scheinen die von Alkohol- und Drogenmissbrauch gezeichneten Jahre jedoch definitiv hinter ihm zu liegen. Für die „Nu-Metal Time Machine“ spielen Papa Roach Korn, Deftones, Limp Bizkit und System Of A Down an, bevor sie mit „Last Resort“ bei sich selbst landen. Der Rückblick auf ein Genre, das gerade eine neue Generation anzündet, funktioniert auch beim Hurricane zuverlässig.

Florence Welch übernimmt das Feld

Headliner-Vibes anschließend auf der River Stage: Florence Welch schwebt barfuß und in roter Spitzenrobe über die Bühne, dirigiert ihre Band sowie die vier in weißen Wallekleidern gekleideten Tänzerinnen mit kleinen Gesten und sucht immer wieder den direkten Kontakt zur ersten Reihe. Wo eben noch gebrüllt und gesprungen wurde, eröffnen Florence + the Machine einen sphärischen Raum zum Tanzen, Schwärmen und Innehalten. Für „Dog Days Are Over“ bittet Welch darum, die Handys für ihr besonderes Community-Ritual wegzustecken. Das Publikum soll den Song nicht nur für die Nachwelt dokumentieren, sondern ihn in Gemeinschaft erleben. Für einen kurzen Moment vergessen selbst die schwarz-rot-golden gekleideten Zuschauer das laufende Deutschlandspiel.

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Laseraugen und Konfettischlangen aus dem Schritt

Thematischer Shift zurück in die vom Patriarchat dominierte Rap-Landschaft: Der Bonner Rapper SSIO hat auf der Mountain Stage eine riesige, muskelbepackte Actionfigur seiner selbst aufbauen lassen. Er selbst habe zwar durchs viele Chips essen mittlerweile einen „auberginenförmigen Körper“ und lasse sein Tanktop daher gern an, dafür kann sein übermenschliches Abbild Laser aus den Augen, Flammen aus dem Mund und – warum nicht – auch Konfettischlangen aus dem Schritt schießen. Tänzerinnen schütteln zum amüsant bis selbstironischen Rap des Artists ihre Hintern. Genau der richtige Act zum Ausklang des Tages, findet ein riesiger Teil der Zuschauer – wer’s ein bisschen klassischer braucht, kann ja woanders feiern gehen.

20.06.2026, Eichenring, Scheessel, GER, Hurricane-Festival, im BildTWENTY ONE PILOTS Foto © Rojahn
Twenty One Pilots

Zum Beispiel auf der Forest Stage, da beenden Twenty One Pilots den Abend massenkompatibler, aber nicht weniger aufwendig. Besonders spektakulär: Tyler Josephs Sprint zur B-Stage mitten im Publikum und sein gewagter Crowdsurfing-Moment.

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Zum Abschluss gibt es ein großes Feuerwerk. Zahlreiche Acts sprechen ihre Glückwünsche für das Hurricane aus, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert. So unterhaltsam und unbeschwert darf es gern die nächsten Jahrzehnte weitergehen.

Rojahn Rojahn, Guenther
Rojahn Rojahn, Guenther
Rojahn Rojahn, Guenther

Kristina Baum schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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