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Die 50 besten Platten des Jahres

von

3. The Good, The Bad And The Queen
THE GOOD, THE BAD AND THE QUEEN
Parlophone/EMI„Und: Sollte man Damon Albarn nicht ein Denkmal setzen?“, schreibt ME-Autor Thomas Weiland in seine Vorschlagsliste für den Rückblick 2007. Na klar! Blur – die beste Band des Britpop. Gorillaz – das Gesamtkunstwerk mit eingebauter Ohrwurmgarantie. Und jetzt auch noch THE GOOD, THE BAD AND THE QUEEN. Sollte eigentlich Albarns Solodebüt werden, doch dann warb er Paul Simonon und Tony Allen an. Da verbot es ihm wohl der Respekt, die Platte unter eigenem Namen anzumelden. Obendrein haben die beiden zu deutliche Spuren hinterlassen (und spätestens live wuchs daraus eine richtige Band). Auf der anderen Seite ist THE GOOD, THE BAD AND THE QUEEN eine geradezu klassische Albarn-Platte geworden. Selbst wenn sich Noten im Dub verlieren, Allens Afrobeat bei „Three Changes“ Fieberschübe bekommt, und all die kosmischen Signale und die ganze Sound(track)inszenierung den Produzenten Danger Mouse einmal mehr als fabelhaften Kulissenmaler auszeichnen: Damons leise Lieder bleiben am Ofen, Küchentisch, Fenster, den Blick gerichtet hinaus in die Nacht. Und seine sehnsuchtsvolle Stimme schwebt über die Dächer wie warmer Wind. Pop errichten wie ein Baumeister und doch Melodien ersinnen, die gesummt werden wollen von allen Bienen: Das hat Damon Albarn mit den Beatles gemein! (Ist das Denkmal genug, Thomas?)Oliver Götz

2. Tocotronic
KAPITULATION
Vertigo/UniversalIrgendein Slogan rutscht ihnen immer raus. „Verschwör dich gegen dich“ zum Beispiel. Werft die T-Shirt-Druckmaschine an! Die gebirgsbachklare Forderung gehört auf die Brust gebannt. Großbuchstaben. Neonfarben. Zack! … Aber wie soll das eigentlich gehen?! Sich gegen sich selbst verschwören? Tocotronic mochten nach PURE VERNUNFT… (2005) einmal mehr unumwunden und lamettafrei rocken, mit zünftigstem, meist mittelschnellem (Ausnahme: „Sag alles ab“) Bumm-Klatsch aus Arne Zanks Bude, förderlichem Vierviertelbass, zornigem oder eben erst aufgewachtem Geschrammel aus Dirks Rhythmusholz. Und sie mochten aus einem geradezu martialischen Vokabular – „Kapitulation“, „Festung“, „Strategie“, „Explosion“ – Reime bauen (die allerdings bald schon durchwirkt werden von Vögeln, Morgentau, Luft). Das ist aber nur die eine Wahrheit von KAPITULATION – jene von der Band live mit gereckten Fäusten zelebrierte, auf Rock und auf Pop reduzierte. Doch es gibt auch die sich verflüchtende, sich umso sanfter ergebende Seite dieser Platte. Auf der es keine Frage gibt, und Antworten schon gar nicht. Ein Sein, ein Fall, das schönste Nichts. Dafür stehen von Lowtzows Texte und Rick McPhails unwirkliches Gitarrenspiel, in dem sich mondphasenlange Noten und wie am güldenen Spinnrad gezwirbelte Feedbacks umgarnen wie „nichts als Quatsch und Wucherung – in uns, um uns, um uns herum“.Oliver Götz



Willkommen in den Neunzigern: „Never Forget – der 90er-Podcast“ ist da!
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