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Die 700 besten Songs aller Zeiten: Plätze 100 bis 51

Am 13. März 2014 ist sie erschienen, die sage und schreibe 700. Ausgabe des Musikexpress. Und die hatte es in sich: Wir hatten eine prominente zigköpfige Jury aus Musikern wie etwa Lana Del Rey, Mark Lanegan, Danger Mouse, Marteria, Thees Uhlmann, Judith Holofernes, WhoMadeWho sowie aus Autoren, Journalisten und Fachleuten von anderen Magazinen, Tageszeitungen, Radiosendern und Plattenlabels nach ihren Lieblingssongs aller Zeiten gefragt. Herausgekommen war in mühevoller Kleinarbeit nicht weniger als eine Liste mit den 700 besten Songs aller Zeiten inklusive Texten zu jedem (!) dieser Songs, und diese Liste haben wir Euch nach und nach online auf Musikexpress.de/700 präsentiert.

Hier die Einzelteile unserer „700 besten Songs aller Zeiten“ in der Übersicht:

Und hier kommen nach unseren Plätzen 700 bis 651, 650 bis 601, 600 bis 551, 550 bis 501, 500 bis 451, 450 bis 401, 400 bis 351, 350 bis 301, 300 bis 251, 250 bis 201, 200 bis 151 und 150 bis 101 unsere Plätze 100 bis 51 im Detail:

100. Hot Chip – „Over And Over“

Vom zurückgelehnten Electro-Soul der Vorgängerplatte blieb wenig übrig. Es möge getanzt werden! Grund genug, in „Over And Over“ mit den Erwartungen zu spielen. „Laid back? / I’ll give you laid back!“, heißt es da, während ein repetitiver Groove, schrille Gitarren und ein sich ins Gehör verankernder Refrain dafür sorgen, dass im (hier den Namen deines Heimatclubs einsetzen) auch heute noch die DJs nach der Platte greifen. Und für den nächsten Buchstabierwettbewerb ist besonders das Ende ein gutes Training: k-i-s-s-i-n-g-s-e-x-i-n-g-c-a-s-i-o-p-o-k-e-y-o-u-m-e-i.

99. The Byrds – „Eight Miles High“

Tatsächlich handelt der Song vom Flug über den Atlantik und der Ankunft im verregneten London, doch US-Sender vermuteten Drogenpropaganda und boykottierten das Stück. Die stilprägende Gleichung lautet: Folkrock plus fernöstliches Flair plus solistische Jazz-Fragmente = „Eight Miles High“.

98. The Beatles – „Helter Skelter“

Die Musik der Beatles galt 1968 als poppig, kunstvoll und innovativ, für die härtere Gangart waren andere zuständig. Bis ausgerechnet McCartney, gerne als Balladenschreiber belächelt, mit diesem Stück Proto-Heavy-Rock um die Ecke bog. Klassischer Rock & Roll ist die Basis, doch Pauls Gesang an der Schreigrenze, die sägenden Gitarrenfragmente, druckvollen Läufe und der archaisch rollende Beat klingen wie eine Steilvorlage für Led Zeppelin.

97. The Supremes – „You Can’t ­Hurry Love“

Irgendwie beruhigend, dass die echte, die große, die erfüllende Liebe manchmal auch bei einem so zauberhaften Geschöpf auf sich warten lässt. Oder? Sehr viel runder jedenfalls ist die riesengroße Täuschungs- und Hoffnungmachmaschine Pop nicht mehr gelaufen. Das perfekt gespielte Seufzen der damals schon mit Berry Gordy verheirateten Diana Ross. Der markante Tamburin-Beat (siehe auch Iggy Pops „Lust For Life“) der Hit-Garanten Holland/Dozier/Holland. Diese unfassbar catchy Hook. Wer da nicht tröstend den Arm umlegen mag, tritt bestimmt auch Katzenbabys.

96. Simon & Garfunkel – „The Sound Of Silence“

Die ursprüngliche Albumversion – und für echte Fans zählt natürlich nur die ursprüngliche Albumversion – ist der Inbegriff von Paul Simons Kunst, große Themen mit kleiner Geste zu riesengroßen Songs zu verarbeiten. Die zarte Naivität in den Zeilen des damals kaum 20-Jährigen aus New Jersey, der versucht, ein weltgeschichtliches Ereignis wie die Ermordung John F. Kennedys in seinen Kosmos zu holen, um damit in den Folkclubs der großen Nachbarstadt zu bestehen, ist in ihrer Aufrichtigkeit eher rührend, als dass sie störte.

95. Sonic Youth – „Teenage Riot“

Die Geschichte des Alternative Rock lässt sich einteilen in eine Zeit vor „Teenage Riot“ und in eine Zeit danach. Der erste Song auf Daydream Nation markiert die Zäsur. Die New Yorker Noise-Terroristen lassen ihre Sperrigkeit hinter sich und gießen ihre Innovation und dröhnende Feedbacksalven in ihren ersten Popsong: Er öffnet Nirvana Tür und Tor, er ermöglicht 1991 –  the year that punk broke, er läutet die aufregendste Phase der Rockmusik seit den Siebzigern ein. Und er ist immer noch ein Wahnsinnssong, der sich null abgenutzt hat.

94. Love – „Alone Again Or“

Dieser Song ist einer von wenigen, die Arthur Lees Sidekick MacLean für Love schrieb, aber gehört als Opener ihres Meisterwerks FOREVER CHANGES heute zu ihren bekanntesten – und zu ihren schönsten obendrein. Die damals ungehörte Mischung aus barocker Melodik, Mariachi-Elementen, Streicher-Pomp, quasi-punkigem R’n’B und folky Psychedelia klingt noch immer wie aus einer anderen Wirklichkeit eingeflogen. Lee ließ seine Zweitstimme lauter, MacLeans Leadgesang hingegen kaum hörbar in den Hintergrund mischen und benannte das Stück um (ursprünglich hieß es „Alone Again“), um es sich und seiner Vision von Love zu unterwerfen. Mac­Lean verließ die Band 1968, frustriert von der Nicht-Karriere und heroinabhängig. In den 70ern von einem Erweckungserlebnis „errettet“ (von derselben Gruppierung, die auch Bob Dylan in die Arme des Chris­tentums trieb), veröffentlichte er Musik mit christlich-spiritueller Ausrichtung und betrieb sogar kurz einen christlichen Rockclub in Beverly Hills. Um das Drama zu erfassen, das Love letztlich zerriss und künstlerisch so aufregend machte, aber auch ihre Grandezza und ihre Wirkkraft auf Generationen von späteren Bands, ist dieser traumhafte Song perfekt.

93. Suicide – „Cheree“

Mit derselben Haltung wie zehn Jahre zuvor The Velvet Underground und ebenso in New York zwischen seedy back alleys und High Art, aber mit den der Zeit entsprechenden neuen Mitteln erfanden Suicide einen Sound, der weit mehr Einfluss als kommerziellen Erfolg haben würde. Geschult an der Melodik und Dramatik von frühem Rock & Roll, ist „Cheree“ unverstellt ein Rip-off von Serge Gainsbourgs und Jane Birkins „Je t’aime … moi non plus“ (  198), verpflanzt in die unheilvolle Kulisse von Minimal-Elektro und verzerrter Orgel. Bedrohlichster Lovesong der Welt.

92. The Smiths – „This Charming Man“

Seit 30 Jahren wird über die sexuellen Präferenzen von Steven Patrick Morrissey diskutiert. Dabei handelt „This Charming Man“ , die zweite Single der Smiths, von einem jungen, aber mittellosen Radfahrer, der nach einer Panne von einem älteren, reichen, charmanten Autofahrer aufgelesen wird – und in arge Versuchung gerät. Starke Gitarre, leidenschaftlicher Gesang und ein Text, der auf gehobenes Englisch setzt. Swell, my dear …

91. Public Enemy – „Fight The Power“

Keine Millionen können Public Enemy mehr aufhalten: Was Rosie Perez da abzieht, ihr Schattenboxen, am Anfang von Spike Lees Film „Do The Right Thing“, während sich das Beatgeschwader des Bomb Squad wie Schockwellen ausbreitet, ist ein Kriegstanz. Chuck D hält als Richard III des HipHop die Kampfrede dazu: Elvis war ein „straight up racist“! Heilige Kühe werden geschlachtet. Nimm das, White America! Malcolm X oder Martin Luther King? Das fragt Spike Lees Film. Public Enemy geben ihre Antwort, bevor er angefangen hat: Rebellion ohne Pause im Kampf gegen die, die an der Macht sind!

90. Peter Gabriel & Kate Bush – „Don’t Give Up“

Gabriels Plan klang spannend: Er wollte sein Duett, in dem ein verzweifelter Mann im Refrain Hoffnung von seiner Duettpartnerin zugesprochen bekommt, gemeinsam mit der Country-Nationalheiligen Dolly Parton singen – ganz bewusst in der Tradition amerikanischer Volksmusik. Die ersten Zeilen sprachen für sich: „In this proud land we grew up strong / We were wanted all along.“ Parton sagte ab. Aber wer wollte von einem Kompromiss sprechen, wenn Kate Bush den Trost singt: „Don’t give up / You still have us“?

89. Noir Désir – „Le vent nous portera“

Die Sprache ist gar nicht so wichtig: Man versteht auch ohne Französischkenntnisse, um was es in diesem Song geht: um das Sich-treiben-lassen, um die Liebe, um die Vergänglichkeit. Die Klarinette spielt ein wunderbares Solo, Manu Chao die Gitarre, und auch wenn man damit üble Klischees bedient: Das hier klingt nach zwei  Gläsern Rotwein, ein paar Zigaretten und einem warmen Sommerabend.

88. Bob Dylan – „Tangled Up In Blue“

Der Klang eines gebrochenen Herzens – nichts anderes ist BLOOD ON THE TRACKS, das schmerzlichste, zynischste, anrührendste und – ja – wundervollste Trennungsalbum überhaupt. Eine „Erzählung über den Krieg eines Abenteurers mit seiner Frau“, nannte der Kritiker Greil Marcus diesen Songreigen, der mit „Tangled Up In Blue“ beginnt, dessen geradezu labyrinthische Lyrics inklusive diverser Perspektivwechsel von einer hinreißenden, im lässigen Folkrock-Modus gespielten Melodie kontrastiert werden. Das häusliche Glück ist passé, der Drifter ist zurück auf der Straße, „headin’ for another joint“.

87. My Bloody Valentine – „Only Shallow“

Für My Bloody Valentine der Sündenfall, denn mit der Arbeit an „Only Shallow“ begann der Wahnsinn, der letztlich in LOVELESS mündete. Kevin Shields’ Tremolo-Gitarre ist stilprägend und unerreicht, die Vocals scheinen aus dem Nichts zu kommen – und so war das auch: Shields und Bilinda Butcher versteckten sich bei den Aufnahmen hinter dicken Vorhängen und tauchten so sehr in ihre Welt ein, dass sie nicht mehr mit den Tontechnikern sprachen. Ein komplizierter Prozess, eine geniale Aufnahme.

86. Blur – „Out Of Time“

Ein bescheiden wirkender Song, den man auf den ersten Blick fast übersieht. Mit der Zeit wächst er jedoch mehr ans Herz als jeder andere Blur-Song. Damon Albarns leicht brüchige Stimme eröffnet, unterstützt von Xylofon und einer reduzierten nahöstlichen Instrumentierung, Räume, eine flirrende Atmosphäre macht sich breit. Dann ein zartes Gitarrensolo, von dem man sich regelrecht an die Hand genommen fühlt. Das Stück war die erste Veröffentlichung nach dem suchtbedingten Ausstieg von Gitarrist Graham Coxon.

85. Lou Reed – „Walk On The Wild Side“

Die fünf kurzen, spärlich instrumentierten Strophen behandelten nur vordergründig das Thema Prostitution (der „walk on the wild side“). Vielmehr ging es in Lou Reeds leiser Erzählung um das verlorene Glück identitätssuchender Großstädter. Eine Ballade über jene Außenseiter und Exzentriker, die das New York der frühen 70er nur so ausspuckte. In unserer Liste landet diese Single-A-Seite übrigens hinter ihrer B-Seite „Perfect Day“.

84. The Beatles – „Penny Lane“

Längst ist die Penny Lane das Ziel von Bustouren auf den Spuren der Beatles in Liverpool, und auch wenn Orte wie der „shelter in the middle of the roundabout“ abgerissen sein werden – in diesem Kleinod von einem Song wird er ewig stehen. Sonnige Kindheitserinnerungen an das alte England, gegossen in das pophistorisch wohl einzigartige Piccolotrompetensolo, das sich erfolgreich gegen satte Bläsersätze durchsetzt. Ja, auch die Erfindung dessen, was heute „Hypnagogic Pop“ genannt wird, geht auf das Konto der Beatles.

83. Simon & Garfunkel – „America“

Der romantischste Protestsong aller Zeiten? Nichts hat unsere Vorstellung des echten Amerikas, unsere diffuse Sehnsucht nach den vermeintlich unendlichen Weiten des Dazwischen so geprägt wie diese Geschichte der beiden Verliebten, die per Anhalter und Bus das Wesen eines unergründlichen Landes zu ergründen suchen. Es macht einem Angst, dieses große Amerika, aber der Hauch von Orgel und Saxofon holt einen immer wieder zurück in diesen großen, warmen, letztlich doch hoffnungsvollen Song.

82. The Church – „Under The Milky Way“

Sie sind der ewige Geheimtipp: eine Band aus Sydney, die ihre Weggefährten von INXS bis Midnight Oil ebenso überlebt hat wie eine kurze Erfolgsphase Ende der Achtziger. Und das mit einem Song, der sich als Hommage an den „Melkweg“-Club in Amsterdam versteht, mit einem gefakten Dudelsacksolo glänzt und echte Ohrwurmqualitäten besitzt. Eben mystisch, sphärisch und geradezu suchterzeugend. Sprich: der perfekte Popsong, der es auch auf den Score zu „Donnie Darko“ (2001) und „Miami Vice“ (1989) geschafft hat.

81. The Velvet Underground – „Pale Blue Eyes“

Auf dem dritten Velvet-Underground-Album klingt Lou Reeds Stimme entrückter, aber auch verletzlicher (oder verletzter) als je zuvor. Seine Liebe für 50s-Rock-&-Roll lebte er offen in süßlichen Avant-Gospeln wie „Jesus“ oder diesem aus. Das Zwei-Akkord-Pattern, das laute Tamburin, die schwirrende Orgel und die fragilen, eleganten Gitarren von Reed und Sterling Morrison wurden Blaupause für große Teile von Jason Pierce’ Œuvre (Spacemen 3, Spiritualized) und eines der wunderlichsten, gespenstischsten Liebeslieder aller Zeiten. „Sometimes I feel so happy, sometimes I feel so sad, but mostly you just make me mad.“

80. Fehlfarben – „Paul ist tot“

Mit dem letzten Track auf ihrem ersten Album Monarchie und Alltag setzen Fehlfarben das Regelwerk des Punk endgültig außer Gefecht. Die Uhr tickt, während das Klagelied „Paul ist tot“ angestimmt wird, acht Minuten lang, nach denen die deutsche Popmusik eine andere sein wird. Schwermut gibt den Takt an, unheilvolle Synthesizerformationen umhüllen den Gesang von Peter Hein, der so direkt nie wieder formuliert, was eine ganze Generation fühlen mag: „Was ich haben will, das kriege ich nicht / Und was ich haben kann, das gefällt mir nicht.“

79. Neil Young – „Heart Of Gold“

Bob Dylan hat einmal gesagt, dass er „Heart Of Gold“ hasste. Damit war er sich einig mit allen Neil-Young-Fans damals, die ihren Helden plötzlich mit dem Mainstream teilen mussten. Tatsächlich aber war bloß passiert, was überfällig war: Der schon immer zum gepflegten Schmalz neigende Young hatte noch einmal tiefer in die Kitschkiste gegriffen – und war auf Gold gestoßen. Wie großartig der Song in seiner ganzen Simplizität ist, bewiesen 1978 Boney M., indem sie ihn nicht kaputtkriegen konnten.

78. Leonard Cohen – „Famous Blue Raincoat“

80 Verse soll Leonard Cohen, von Haus aus Poet, hierfür geschrieben haben, verfasst übrigens in einem schon in der Antike seltenen Versfuß namens Amphibrachys, der Cohens elegantem Sprechgesang sehr entgegenkam. Der Erzähler lebt in New York, wo es kalt ist, „but I like where I’m living“, während die Frau, die er ansingt, sich „a little house in the desert“ gebaut hat. Distanz wird fühlbar, räumlich wie zeitlich. Ihr berühmter blauer Regenmantel, er ist längst an der Schulter gerissen …

77. Prefab Sprout – „Bonny“

Paddy McAloons großes Talent ist es, mit seinen Songs Stimmungen auszudrücken, für die es keine ganzen Sätze gibt. Auch „Bonny“ ist keine Erzählung, sondern lebt von Fragmenten. Der Protagonist vermisst diesen Bonny, obwohl es Streit gab: „Shaded feelings, don’t believe you“. Nun ist er nicht mehr da, und das Einzige, was noch bleibt, sind die Blumen zur Beerdigung. Das Wunderbare: Man weiß bis zuletzt nicht, ob einen der Song munter oder traurig macht. Genial ist auch die Produktion von Thomas Dolby, Mitte der 80er-Jahre ein Genie in der Disziplin, Weißbroten eine Art synthetischen Funk beizubringen, ohne deren Gespür für Popmelodien zu verwässern.

76. The Kingsmen – „Louie Louie“

A-Dur, D-Dur und E-Moll – das können sich auch Nicht-Gitarristen an einem Nachmittag draufschaffen, sofern ihre Finger vollzählig sind. Was den Erfolg dieses Drei-Akkord-Wunders erklärt, das seit den 60er-Jahren zu den Standards zahlloser Amateurkapellen gehört. Der Song wurde 1955 geschrieben, es kursierten allerlei Rock- und Latin-Pop-Versionen, aber die herrlich holprige und vernuschelte Aufnahme der Kingsmen aus Portland/Oregon machte das Rennen und markiert die Geburtsstunde des Garagenrock.

75. Talking Heads – „This Must Be The Place (Naive Melody)“

Was zunächst wie ein nettes, kleines Lie­beslied wirkt, erweist sich bei genauem Hinhören als waschechter Wolf im Schafspelz. Denn hinter der naiv-verspielten World-Beat-Melodie verbirgt sich ein Nihilismus, der Joy Division in nichts nachsteht. Nur dass sich Byrne hinter Phrasen und Parolen der Marke „home is where I want it to be“ oder „never for the money, always for love“ versteckt, die an Ironie kaum zu überbieten sind. Intelligenter, kosmopolitischer Pop mit viel Groove und doppeltem Boden.

74. Neil Young & Crazy Horse – „Like A Hurricane“

Während andernorts Punk passierte und die zur gockelig aufgeplusterten Männerpose mutierte zeitgenössische Rockmusik infrage stellte, blieb Neil Young unbeeinträchtigt von den Entwicklungen. Die ungestüme Energie von Punk und das Selbstverschwenderische eines solobeladenen Achtminüters beherrschte er ohnehin, allerdings gehört er (nach wie vor) zu den Einzigen, die beides zusammendachten, unter anderem daran zu sehen, wie fürchterlich sämtliche Coverversionen des Stücks sind. Die Metapher des Orkans für die große Liebe und das Auge des Sturms als den perfekten Moment, wenn sie passiert, ist so naiv wie berührend.

73. The Beatles – „Blackbird“

Was Simon & Garfunkel können, kann Sir Paul schon lange: Während eines Schottland-Urlaubs intoniert er ein nettes, kleines Akustik-Stück, das auf einer klassischen Flötenkomposition basiert, unterlegt es mit Vogelgezwitscher (unterschiedliche Vögel in der Stereo- beziehungsweise Mono-Ver­sion!), verkauft das Ganze zeitgemäß als Solidaritätserklärung mit der Black-Power-Bewegung und sorgt für einen von vielen skurrilen Momenten auf dem 68er-Doppelalbum der Fab Four. Was die Frage aufwirft: a) wie viel Pot die Beatles wirklich geraucht haben und b) ob sie eine weitere US-Tour überhaupt überlebt hätten.

72. Nine Inch Nails – „Hurt“

Fast 18 Monate verbringt Trent Reznor 1993/94 im berüchtigten Tate House in Beverly Hills, wo Mitglieder der Manson Family 1969 die hochschwangere Frau von Regisseur Roman Polanski ermordeten. Die Folge: ein von Bowies Low inspiriertes Konzeptalbum über den Absturz eines Individuums bis hin zum Selbstmord. Wobei „Hurt“ als Schlusspunkt, als Abschiedsbrief fungiert. Ein schaurig-schöner Song mit zischelnden Sequencern, verstimmtem Klavier und einem knallharten Gitarrenriff als Höhepunkt. Das Ganze verkauft sich über fünf Millionen Mal und begründet Reznors Ruf als Marktführer des Industrial Rock.

71. Depeche Mode – „Enjoy The Silence“

Mit dieser Verbindung von hymnischem Gefühl und flirrender Leichtigkeit gelang Depeche Mode endgültig der interna­tionale Durchbruch. Das epische Stück wurde so etwas wie ihr ultimativer Swan Song: Musik, die zugleich zerstört und aufbaut. Wenig überraschend, dass ein auf dem Dach des World Trade Centers fürs französische Fernsehen gefilmtes Video nach dem 11. September 2001 inoffiziell zur Ehrung der Opfer umgewidmet wurde. Im Originalvideo, bei dem Anton Corbijn Regie führte, wandert Dave Gahan als König verkleidet mit Klappstuhl durch schwarz-weiße ein­same Landschaften. Nie gingen Pathos und Pop so Hand in Hand.

70. Bob Dylan – „Girl From The North Country“

Dass dieses Lied auf dem zweiten Album Bob Dylans direkt vor „Masters Of War“ in der Tracklist steht, sagt so viel über den jungen Singer/Songwriter aus. Der wollte eben nicht nur linkes Gewissen und „Sprachrohr einer Generation“ sein, sondern vor allem ein Sänger extrem persönlicher Songs. Mühelos zwischen zärtlich-intim und schmerzhaft-agitatorisch changierend, konnten sich seine Lieder am Krieg abarbeiten, aber auch – wie in „Girl From The North Country“ an einer keineswegs bourgeoisen Liebe und der Sehnsucht nach seinem Girl. Und in Bob Dylans rechter Hand musste seinerzeit eine ganze Band gesteckt haben, so vollständig, reich und wundersam ist sein Fingerpicking auf der Gitarre.

69. Richard Harris – „MacArthur Park“

Ein Park, der im Dunkeln dahinschmilzt, okay, das ist noch vorstellbar. Aber dann: „Someone left the cake out in the rain / I don’t think that I can take it / ’cause it took so long to bake it / And I’ll never have that recipe again.“ Was will uns der Songwriter Jimmy Webb damit sagen? Er hat es einmal in einem Interview versucht zu erklären: Es sei eine Erinnerung an einen alten Disneyfilm, gezeigt werde ein Picknickgesellschaft im Park, die vor einem Regenschauer ins Haus flüchtet. Zurück bleibe ein Kuchen – und das habe ihn sehr traurig gemacht. Die Version des irischen Schauspielers Richard Harris ist der Tränenzieher, Donna Summer dagegen führte den Song auf den Dancefloor.

68. Nick Drake – „Pink Moon“

Joe Boyd, der die ersten beiden Alben des englischen Singer/Songwriters produziert hat, hat eine gute Theorie, warum die Musik des 1974 im Alter von nur 26 Jahren verstorbenen Drake so zeitlos ist: Gerade weil sie zu ihrer Zeit kaum Gehör fand, können folgende Generationen sie ganz unbelastet für sich entdecken und sich aneignen. Das erklärt aber noch nicht, warum Drakes drittes und leider letztes Album Pink Moon so viele Menschen bis ins Mark berührt. Hier ist es gerade das Fehlen eines cleveren Produzenten mit all seinen cleveren Arrangements, das uns direkt ins Herz eines wunden Künstlers blicken lässt, der seinem Hörer so nahe kommt, als ob er nur für ihn singt. Wen der Song „Pink Moon“ unberührt lässt, das kann man heute gefahrlos behaupten, der hat kein Herz.

67. Sly & The Family Stone- „Family Affair“

Zwei Jahre hatte man nichts mehr Neues gehört von Sly Stone, der das Hohelied auf die „Everyday People“ angestimmt hatte. Und dann „Family Affair“. Man erkennt ihn nicht wieder. Er, der uns immer noch höher mitnehmen wollte, war gecrasht: Wie mit Acid getränkt und von Säure zerfetzt klingt dieser Partisanenblues. Dann erhebt sich Slys entrückte Stimme hinter der schwindsüchtig galoppierenden Musik. Nie war Kaputtheit trauriger und zarter und liebevoller. Blut ist dicker als der Schlamm, in den Amerika auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs schlittert. Sagt Sly, der eine Revolte anzetteln will. Und verliert sich fortan im Dreck. Auf immer.

66. Talking Heads – „Once In A Lifetime“

Das Jahrzehnt hatte noch nicht ganz begonnen, da war es schon geschehen: Die Talking Heads hatten für „Once In A Lifetime“ ein Video inszeniert, das nicht mehr nach den Achtzigern hätte aussehen können – archaische Digitaleffekte verbunden mit bizarrer Ego-Show. Einen Chartserfolg landete die Band zwar nicht, sicherte sich aber später mit dem Video einen Ausstellungsplatz im New Yorker MoMA. Musikalisch waren die ungewöhnlichen, von Brian Eno produzierten Rhythmen ein Neuanfang für die Band. Textlich wiederum sah David Byrne den Aufbruch und zugleich die Verlorenheit der kommenden Jahre voraus – noch vor dem aufkeimenden Exzess jener Dekade stellte der Sänger die Frage: „Oh my God, what have I done?

65. Slayer – „Angel Of Death“

Nervös oszillieren die Gitarren, das Schlagzeug bereitet vor, und dann stößt Tom Araya, noch vor dem ersten gebrüllten Wort, in diesen berühmten Schrei, der alles Entsetzen, das folgen wird, schon in sich birgt. Slayer brauchten auf ihrem von Rick Rubin produzierten dritten Album nur wenige Takte, um den Thrash Metal zu definieren: „Auschwitz, the meaning of pain …“ Die Aggressivität der Musik geht hier Hand in Hand mit einem Text, der einen der dunkelsten Punkte der vielleicht dunkelsten Perio­de der Weltgeschichte ausleuchtet. So deutlich, dass es weh tut. Das sollte es, und das tut es noch heute.

64. Bob Dylan – „Visions Of Johanna“

Da bekamen die Dylan-Exegeten ganz schön was zu entschlüsseln: „In the empty lot where the ladies play blindman’s bluff with the key chain / And the all-night girls they whisper of escapes out on the ,D‘ train“ – so geht das wunderbare siebeneinhalb Minuten lang. Wortmächtig, bildgewaltig, rätselhaft. Und mögen die Harmonikas auch „the skeleton keys and the rain“ spielen – alles, was bleibt, sind „these visions of Johanna“. Geschrieben im pittoresk heruntergekommenen Chelsea Hotel in New York, vermutlich am 9. November 1965, als ein gigantischer Stromausfall weite Teile der US-Ostküste lahmlegte, und aufgenommen in Nashville, gilt dieser spukig dahingeklapperte Folkrock-Song als Dylans unheimlichstes Liebeslied.

63. The Cure – „Just Like Heaven“

„Just Like Heaven“ vom in Südfrankreich produzierten Doppelalbum Kiss me, kiss me, kiss me wurde der erste große Hit für The Cure in den USA und leitete ihre Entwicklung zu einer Band ein, die auf der ganzen Welt die Arenen füllte. Der rätselhaft-romantische Stream of Consciousness des Textes und die umarmende Melodie in der perfekten Hit-Länge von dreieinhalb Minuten sind noch immer unwiderstehlich, der linkisch und verwegen mit den Armen fuchtelnde Robert Smith aus dem dazugehörigen Video ebenfalls. Andererseits verwundert der Erfolg von „Just Like Heaven“, weil es doch ein gänzlich refrainfreies Stück ist, das die Titelzeile nur ein einziges Mal enthält – als Schlusssatz. Oder vielleicht ist es aber auch nur ein einziger großer Refrain?

62. David Bowie – „Station To Station“

Mit diesem nicht nur aufgrund seiner Länge untypischen und doch für den Künstler ultimativen Song stellte dieser ein neues Alter Ego vor, den Thin White Duke. Trotz der Soundreferenzen an eine beschleunigende Dampflokomotive zu Beginn bezieht sich der Songtitel David Bowie zufolge nicht auf bestimmte Lebensstationen oder eine Reise, sondern auf den Kreuzweg. Auch sonst steckt der Text voller Referenzen an Religion und Okkultes. Je nach Lesart lassen sich allerdings ebenso viele Anspielungen auf Kokain entdecken – die Droge, die David Bowie seinerzeit fast um den Verstand gebracht hat. Durch die faszinierende Synthese aus Soul und Krautrock bereitete „Station To Station“ den Boden für Bowies Berlin-Trilogie, die in den folgenden drei Jahren veröffentlicht werden sollte.

61. Grandmaster Flash & The Furious Five – „The Message“

Wann beginnt die HipHop-Neuzeit? 1986 mit Rakim? Schon in den Siebzigerjahren mit den Last Poets? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Sogar ziemlich genau dazwischen. Denn 1982 trat Melle Mel – der Einzige der fünf Flash-Freunde, der auf „The Message“ zu hören ist – die Kunstform Rap mit Schmackes und scharfem Blick für die ihn umgebenden Realitäten aus den wohligen Windeln seiner Hibbedy-Hop-Frühphase. Die detailreiche Beschreibung der Bronx, die Erzählungen von Glasscherben, vollgepissten Treppenhäusern und sich darin labenden Ratten, ist legendär und hat bis heute nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren.

60. The Jimi Hendrix Experience – „Little Wing“

Jimi Hendrix selbst fand dieses Image zwar reichlich albern, aber dank einschlägiger Presseberichte galt er Ende 1967 vor allem als zorniger, wilder Mann, der in brachialer Lautstärke den Blues dekonstruiert. Da spricht das lyrische „Little Wing“ eine ganz andere Sprache, und zwar vom melodischen Intro über die schlichte Glockenspielbegleitung bis hin zum regelrecht hymnischen Solo, mit dem das Stück nach nicht einmal zweieinhalb Minuten endet. Hendrix beherrschte also auch das Balladengenre. Der Text ist von indianischer Mythologie inspiriert, die Umsetzung geriet zu 100 Prozent unpeinlich.

59. Pixies – „Where Is My Mind?“

„Stop!“, befiehlt Black Francis antizyklisch gleich zu Beginn, doch dann beginnt der Irrsinn natürlich erst recht. Oberflächlich erzählt „Where Is My Mind?“ von einem Tauchtrip in der Karibik. Tatsächlich aber, während das Schlagzeug stumpf klopft, die Gitarren wie Sirenen heulen und Francis kreischt wie ein Verrückter, beschreibt der Song, wie es ist, den Boden unter den Füßen zu verlieren, am alltäglichen Wahnwitz zu verzweifeln – und war damit der perfekte Soundtrack für die ausgehenden Achtzigerjahre, in denen der Kalte Krieg zu Ende ging und bequeme Gewissheiten sich aufzulösen begannen.

58. LCD Soundsystem – „Losing My Edge“

Es ist schwer, sich einen Song vorzustellen, der den Geist seiner Zeit besser einfängt als die Debütsingle von LCD Soundsystem. Gleichzeitig gibt es wohl kein ähnlich erfolgreiches Label, dessen musikalische Identität so stark auf einem Song fußt wie das Großfamilienunternehmen von James Murphy und Co. In „Losing My Edge“ ist alles angelegt, was DFA auszeichnete: der trockene Drumsound (Trick 17: Fetzen von Mousepads auf die Toms kleben), die Synthies, das Disco-Punk-Indie-Dance-Ding, der Spaß und die fein selbstironische Distanz zu all den popkulturellen Referenzen, die in diesem Riesenschmelztiegel namens NYC 2002 zusammenliefen.

57. Kraftwerk – „Computerliebe“

Alles, worauf sie zehn Jahre zugearbeitet haben, findet sich in „Computerliebe“. Alles, was Kraftwerk als Band sagen wollen, sagen sie in „Computerliebe“. Alles, was man von elektronischer Musik erwarten könnte, bietet „Computerliebe“. Als Gegenentwurf zu dem besorgten „Computerwelt“ umarmt dieser „möglicherweise erste Computerblues“ (Pascal Bussy) mit seinem minimal-aufgeräumten Arrangement und der flirrenden Synthie-Melodie (Coldplay! „Talk“!) die Möglichkeiten der technologischen Innovation: Es ist der Soundtrack zu unserem Jetzt, zum Internet, 15 Jahre vor dem Internet, und zum sozialen Netzwerk, 25 Jahre vor Facebook.

56. Iggy Pop – „The Passenger“

Zu einer Berlin-Trilogie wie bei seinem Freund David Bowie, mit dem er Ende der Siebziger in der damals noch geteilten Stadt lebte, langte es nicht ganz. Aber dort in den berühmten Hansa Studios entstanden unter Bowies Mithilfe mit THE IDIOT und LUST FOR LIFE Iggy Pops beste Solo-Alben. Auf der einen Seite lebte in Iggy noch der Proto-Punk, auf der anderen machte er seinem Namen alle Ehre und eroberte die Diskotheken. Nicht mit dem rhythmischen Song „Lust For Life“, sondern mit „The Passenger“. Das Stück ist fast unverschämt simpel, der Beat von rastloser Energie und selten klang ein „La-la-la-la“ so unpeinlich. Iggy goes Pop!

55. The Velvet Underground – „Venus In Furs“

Aus dem loopartigen, rudimentären Beat (lediglich Standtom und Tambourin), Lou Reeds experimenteller Gitarrenstimmung und den Viola-Drones von John Cale entsteht ein hypnotischer Minimal-Klangteppich, der fast etwas Meditatives hätte, wäre da nicht die Stimme, die tonlos von Erschöpfung und den masochistischen Sexpraktiken des Severin von Kusiemski und seiner Herrin, der „Venus im Pelz“, erzählt. Ein düsterer Bastard aus britischem Folk (siehe Wicker Man-Soundtrack) und Neue-Musik-Künstlern und Cale-Weggefährten wie LaMonte Young, Terry Riley, Steve Reich. Fast 50 Jahre nach Release noch immer eine entschleunigte Heimsuchung, die alle Normalos extremer schockt und garantiert mehr anwidert als sämtliche Punk-, Metal- und Emobands zusammen.

54. The Beach Boys – „Surfʼs Up“

Man kann der nie geschehenen Vollendung des immer als verlorenes Opus Magnum der Beach Boys angesehenen SMILE auf ewig hinterher trauern – oder man kann sich an dem Song „Surf’s Up“ ergötzen, der alles einlöst, was Smile hätte sein können: eine dreiteilige Suite, die Schritt für Schritt ins Unterbewusste, Träumende einzutauchen scheint. Von ins Unwirkliche abdriftender Rationalität – „Are you sleeping, Brother John?“ – durchs Purgatorium der Erkenntnis – „Surf’s up / aboard a tidal wave“ – zur Katharsis in kindlicher Naivität: „A child is the father of the man.“ Wie ab 3:09 muss es in Brian Wilsons Kopf geklungen haben all die Jahre. In diesem Song können wir wenigstens einmal daran teilhaben.

53. Nick Cave & The Bad Seeds – „Into My Arms“

In Wien hielt Nick Cave 1998 eine Vorlesung über „Das Liebeslied und wie man es schreibt“, in der er vor allem die dunklen Elemente dafür verantwortlich machte, ob das Lied glückt oder nicht. THE BOATMAN’S CALL war Trauerarbeit nach der gescheiterten Beziehung mit PJ Harvey, und „Into My Arms“ war einer der Höhepunkte der Platte. Er glaube nicht an einen „interventionistischen“ Gott, singt er am Anfang zum Piano, aber wenn, dann würde er niederknien und ihn anflehen, „not to intervene when it came to you“. Es gibt viele gute Liebeslieder. Dieses hier ist so gut, dass man es kaum anhören kann.

52. Kate Bush – „Running Up That Hill“

Die Leadsingle aus Kate Bushs gleichzeitig kommerziellstem wie experimentellstem Album – die erste Hälfte von HOUNDS OF LOVE ist reiner 80s-Pop, die zweite betörende wie verstörende Avantgarde – behandelt die Unmöglichkeit einer kontinuierlich gelungenen Kommunikation zwischen Frau und Mann. Daher wünscht sich Bush einen Pakt mit dem Teufel, oder eben: Gott, um für einige Zeit in die Haut ihres Geliebten schlüpfen zu können – und umgekehrt, um einander danach besser verstehen zu können. Eine universell nachvollziehbare Thematik, die die Welt dann auch zu Bushs erfolgreichstem Hit machte.

51. David Bowie – „Space Oddity“

Es hätte so gut gepasst: Bowie veröffentlichte die Single pünktlich zur Mondlandung der Apollo-11-Mission, doch damals wollte von Major Tom, dem tragischen Helden, der in den Weiten des Alls verlustig geht, niemand etwas wissen. Erst die 73er-Neuausgabe schlug ein. Major Tom führt seitdem ein Eigenleben, wurde in weiteren Songs von Bowie zitiert, aber auch von The Mars Volta, The Tea Party und natürlich dem NDW-Popper Peter Schilling. Das Original mit seiner spröden Akustikgitarre, Rick Wakemans (Yes) Mellotron-Begleitung und Bowies Dialog zwischen „ground control“ und „Major Tom“ bleibt aber unübertroffen.



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