Die Fantastischen Vier


HipHop mit serienmäßig eingebauter Showtreppe: Die Vier wissen auch im 14-Betriebsjahr, wie man eine Partylangstreckenrakete fachgerecht zündet.

Meine Damen, meine Herren, die Fantastischen Vier sind in der Stadt, und das bedeutet allerhand. Zum Beispiel wohlfeile Ironie, gebrochene Selbststilisierungen, schlaue Einschätzungen des eigenen Standorts. Und: keine blöde Attitüde, kein dämliches Realness-Geprotze, dafür jede Menge Haltung. „We are Mittelstand“ ist seit fahr und Tag der Schlachtruf von Smudo, Thomas D, Hausmarke und And.Ypsilon – und das ist im 14. Betriebsjahr der „Fantis“ noch längst nicht alles. Da tut sich noch viel mehr.

Ganz in Weiß entern die vieT die Bühne, sehen dabei ein bisschen aus wie männliche „Ariel“-Clernentinen, und schon nach demklug über den Popstar-Status reflektierenden Song „Bring It Back“ ist klipp und klar: Die Bühnengarderobe ist gut gewählt, Die Fantastischen Vier sind längst ein Markenprodukt mit hohem Wiedererkennungswert. Da ist zum einen die Art, wie Keyboarder Lillo Scrimali als musikalischer Direktor die Band wunderbar zusammenhält: lässig, locker, erfrischend leicht. Und da ist zum anderen das größte Verdienst von Smudo und Kollegen, das auch in der Kölnarena wieder zum Tragen kommt: Im Laufe der Jahre haben Die Fantastischen Vier deutschem Sprechgesang ein komfortables Pop-Bettchen gebaut, inklusive Kopfkissenburg und Wohlfühldecke, unter der allerlei Platz hat: Chöre, Streicher, Reggae, Funkiges und Soul, Rock – immer hübsch verpackt in ein Gebinde aus bestens austrainiertem Wortsport und kundigem Reimerütteln.

„Donnerwetter“, sagte Hausmarke irgendwann, als sich die Band enthusiastisch durch die Lieder des aktuellen Albums viel gespielt hatte – vorzüglich: das diskokugelige „Geboren“ und das melancholisierende „Sommerregen“ -, längst auch im Oberrang niemand mehr saß und sich schiere Begeisterung im weiten Rund der Arena Bahn brach. „Da bleibt einem ja die Spucke weg“, analysierte Thomas D, „ihr seht gut aus.“ Danke, gleichfalls. Was erst recht galt, als die Vier hernach stilsicher durch ihren Backkatalog surften: „Der Picknicker“, „Sie ist weg“, „Le Smou“, „Populär“, der feine Selbstironieläufer „Buenos Dias Messias“, das brachiale „Was geht“, das Abkürzungsmassaker „MfG“ — so ziemlich alles, wofür man die Fantas gern hat, kam dran. Und weil Traditionen nun mal dazu da sind, um bewahrt und gepflegt zu werden, durfte Thomas D bei „Krieger“ ritualisiert den Gelegenheits-Esoteriker geben, den Oberkörper blank ziehen und zum x-ten Male zeigen, was ihm sein Tätowierer so alles in die Haut gestochen hat. Doch bei aller Show- und Entertainment-Routine, die Die Fantastischen Vier aus dem Effeff beherrschen, war auch noch eine kleine Überraschung drin. Dass ordnungsgemäßes Stagediving normalerweise mit Popoklatsch und Anlauf vonstatten geht, war Smudo komplett wurscht: Wie ein Käfer mit Bandscheibenvorfall ließ er sich ins Publikum plumpsen, wurde eineinhalb Runden auf Händen getragen – und war bestimmt heilfroh, als er beim fabelhaften Drogen-Proviant-Stück „Ein Tag am Meer“ wieder auf einem Hocker sitzen konnte.

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