Elton John: Goodbye Yellow Brick Road

Im Jahre 1973, als Elton John mit „Goodbye Yellow Brick Road“ zu seinem bis dato ehrgeizigsten Schlag ausholte, dämmerte der Glam-Rock herauf, doch der Piano Player aus Middlesex sprang nicht auf den Zug. Allein wie es ihm gelang, mit seinen bald folgenden schrillen Bühnen-Outfits, Brillen und Live-Brimborium der gefälligen Glitzer-Schublade zu entkommen, kann nur seinen monumental eigenständigen Kompositionen angerechnet werden. Zwar hatten Elton John und sein kongenialer Text-Partner Bernie Taupin zuvor mit „Your Song“ oder „Rocket Man“ ein paar Alben lang schon beachtliche Gesellenstücke abgeliefert, doch ein Doppelalbum wie „Goodbye Yellow Brick Road“ war damals ein eitles Wagnis, das die Kritik meist wütend verbellte. John und Taupin aber ging es um alles. Schließlich wußten sie, wie weit sie gehen konnten. „Saturday Night’s Alright For Fighting“ war ein Hit, aber nichtmal das beste Stück. „Candle In The Wind“ ist bis heute mit seinem ehrlichen, offensiven Kitsch, die gelungenste Marilyn-Monroe-Hymne, „Funeral For A Friend“ und „Bennie And The Jets“ verknüpfen handwerkliches Songwriter-Können mit emotionaler Verve. Der Titelsong des Werkes schließlich beschwört mit opulenten Harmonien und komplizierten melodischen Wendungen den Geist der größten amerikanischen Songschreiber von Rodgers/Hammerstein bis Cole Porter. Elton Johns Musik klang noch in ihrer exzentrischsten Ausformung unmißverständlich: Hinter all dem Spektakel steckte nichts weniger als ein brillanter Könner und ein hervorragender Performer, der obendrein unendlich viele Song-Ideen in Herz und Hirn hatte. Mit diesem Album hatte er es sich selbst zum ersten Mal wirklich bewiesen.

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