ESC-2026 Boykott: Was sind die Alternativen zum Eurovision?

Spanien, Island, Irland und mehr fehlten beim ESC 2026. Was der Intervision Song Contest & Eurovision Song Contest Asia damit zu tun haben, erfahrt ihr hier.

Wer sich am Samstagabend, 16. Mai 2026, den ESC 2026 zu Gemüte geführt hat, dem ist womöglich etwas aufgefallen: Spanien fehlte. Denn neben Island, Irland, den Niederlanden und Slowenien boykottierte Spanien den Eurovision Song Contest 2026. Grund dafür ist erneut die Teilnahme Israels – und die offene Frage, ob ein Land, deren Regierung eine UN-Kommission Völkermord vorwirft, an einem Wettbewerb teilnehmen sollte, der offiziell für Werte wie Einheit und Würde einzustehen versucht. In diesem Zusammenhang wird häufig auch Russland genannt, das 2022 nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine ausgeschlossen wurde.

Zu viel oder zu wenig Haltung?

Der ESC scheint zunehmend ein Wettbewerb zu werden, der einen gemeinsamen Konsens mehrerer Staaten verfehlt. Was den einen zu wenig Haltung ist, ist den anderen bereits zu viel. So läuft es arabischen Nachrichtenagenturen kalt den Rücken herunter beim Gedanken an die ihnen viel zu queeren Darbietungen. Doch wie in einem gut sortierten Supermarkt ist für jede:n etwas dabei – auch queerfeindliche Länder können ihr Gesangstalent auf einem Songcontest darbieten. Darf ich vorstellen: der Intervision Song Contest.

Der Intervision Song Contest – die Alternative zum ESC

Ursprünglich während des Kalten Krieges von Russland ins Leben gerufen, ist der Intervision die Alternative zum ESC. 1980 eingestellt und seit 2025 wieder zurück. Während Eurovision dem europäischen Raum gewidmet ist, macht Intervision seinem Namen alle Ehre und vereint Staaten, denen der ESC zu queer ist oder deren Landmasse zu weit entfernt liegt. Wem die Länderauswahl beim ESC mitsamt Australien schon amüsant erscheint, wird großes Gefallen an folgender Teilnehmerliste finden: China, Indien, Brasilien, Russland, Serbien, Katar, Saudi-Arabien und Vietnam – nur eine kleine Auswahl der insgesamt 23 Länder.

Im Gegensatz zur europäischen Version entscheidet ausschließlich eine Fachjury über das Ergebnis, und es gibt laut Außenminister Sergej Lawrow „keine Perversionen oder Verstöße gegen die menschliche Natur“, wie „Watson“ dokumentierte. Ganz nach dem Motto: Panzertruppen in die Ukraine schicken – ja; Männer mit Glitzer – bloß nicht. So gewann Vietnam 2025 mit dem Song „Phu Dong, der himmlische König“ den Intervision Song Contest.

Eurovision Song Contest Asia

Auch die European Broadcasting Union (EBU), die den ESC ausrichtet, will Teil des asiatischen Marktes werden und veranstaltet seit diesem Jahr den Eurovision Song Contest Asia (ESCA). Teilnehmende Länder sind bisher unter anderem Bangladesh, Bhutan, Thailand und Vietnam.

Mit Europa haben diese zwar nichts per se zu tun – aber immerhin nimmt auch Australien beim ESC teil.