Fettes Brot


SCHRÖDERHAUSEN IST IM HAUS. AN DIE 800 VERTRETER der neuen deutschen HipHop-Mitte haben sich in Hannovers schickem und fast ausverkauftem „Altro Mondo“ eingefunden. Auf dem Programm; 90 Minuten launige Brot-Propaganda und eine perfekt choreographierte Show. Dr. Renz, Schiffmeister und König Boris, die Kandidaten aus dem hohen Norden, schwanken wie betrunkene 16jährige über die Bühne, rudern selbstverliebt mit den Armen und wackeln süüüß mit dem Arsch. Das und ein paar fette Beats reichen, um die handzahmen Hannoveraner bei Laune zu halten. Fettes Brot und die Fans man fordert sich gegenseitig nicht allzu viel ab. Die Stimmung im Auditorium – überwiegend Gerade-mal-Twens, die gemeinsam mit der Band zumindest ein bißchen älter geworden sind – ist freundlich. Und sie bleibt so, auch wenn die Show des Trios eher auf Sicherheit setzt denn auf gewaltige Innovationen. Eine Liveband will oder braucht man nicht, hinter den Turntables hat DJ Rabauke den DAT-Player so fest im Griff, daß er während eines Stückes schon mal die Bühne verlassen kann. Von gereiftem Geschmack zeugen die Zitate, die die Brote in die Songs einstreuen. „Spiderman & ich“ von der neuen Platte „Fettes Brot läßt grüßen“ wird mit „Lullaby“ von The Cure eingeläutet. Vor „Jein“, neben „Nordisch by Nature“ ein Höhepunkt des Abends, läuft die „Lindenstraßen“-Fanfare. Und mit der Feststellung „Aber am besten ist immer noch, saufen, saufen,saufen!“ wird dem alten Haudegen Funny Van Dannen Respekt gezollt. Die Show läuft gut, die Hüften wippen locker. Teenager-Herzen werden nicht gebrochen, aber der verbindende Grundkonsens mit dem Publikum ist hergestellt. Chartstauglicher HipHop-Mainstream als gemeinsame Basis. Ob soviel Sympathie kommen zumindest König Boris kurzzeitig Selbstzweifel. „Sind wir härter als Loona?“ will er vom Publikum wissen, um – durch ein ziemlich eindeutiges „Ja!“ angespornt-gemeinsam mit den Kollegen sogleich dicke Rockgitarren vom Band zu lassen. Die Bühne als Tollhaus: Das Trio mosht, hüpft im Stroboskop-Gewitter, setzt an zum großen Sprung- und fällt unsanft auf den Hosenboden. Abgestürzt! Trotz des Ausrutschers im Finale reicht es noch für eine Zoten-Zugabe, frei nach Ricky Martin: „Eins, zwei, drei, Maria/wir waren voll Sangria/und dann haben wir am Strand gebumst.“ Mei, wenn das der Kanzler wüßte.