Fettes Brot, Hamburg, Markthalle

Ich habe nur noch acht Karten“, schreit die Kassiererin ins Funkgerät. Drin ist’s schon rappelvoll, draußen warten noch 400 Fans. Was ist los? Hat man nicht damit gerechnet, daß die Lokalmatadoren Fettes Brot mehr als 1300 Leute in die Hamburger Markthalle locken könnten? Dabei stehen die Elb-Rapper König Boris, Schiffmeister und Dr. Renz doch derzeit ganz oben in der Gunst der Freunde des deutsch gereimten Wortes. Wer’s nicht glaubt, braucht nur einen Blick in die Halle zu werfen. Dort geht es zu wie bei einer gigantischen Abiturfeier: Wer vormittags im Deutschunterricht noch Goethe disst, ist abends vom Reimfieber erfaßt. Dann Licht aus, Spot an: „Fett zu sein, bedarf es wenig, und wer fett ist, ist ein König“, kräht Boris in die Menge.

Was folgt, ist grandios. Satte, groovende Beats, sparsame Scratches und perfektes, mehrstimmiges Reimtheater: Wie Nut und Fuge verhaken sich die Rap-Beträge der Drei ineinander, und wer „Glottertal“ auf „Lottozahl“ reimen kann, sollte für die Wilhelm-Busch-Medaille vorgeschlagen werden. Fettes Brot haben eine Botschaft, die besonders bei Elf- bis Achtzehnjährigen ankommt: ‚Mal sehen‘ vertont den alten Kampf der Youngsters gegen Eltern, die wollen, daß ihre Zöglinge lernen und Geld auf die Seite legen. ‚In ist‘ ist eine Metapher für’s Erwachsenwerden nichts als Beats und Baß und betörende Keyboardsplitter, und vielleicht gerade deswegen einer der beeindruckendsten Songs des Abends. Nach anderthalb schweißtreibenden Stunden steht fest: Fettes Brot gebührt auch live die Goldmedaille in der Disziplin „Deutschrap“ – aber, was ist das: noch bevor das Saallicht wieder angeht, verlassen Hunderte schlagartig die Halle. War ihnen das Konzert zu abgefahren? Nein, aber beinahe die letzte U-Bahn. Andere sind besser dran: Im Foyer warten die Eltern. Übrigens auch die der drei Fetten Brote. Mit stolzgeschwellter Brust.

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