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First Hate, Sløtface und Co.: Die besten Bands auf dem SPOT Festival

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Sløtface

Sløtface aus Norwegen kommen im September auf Deutschlandtour (Foto: Verstärker)

What a waster! Diese Band hätte einen Headliner-Slot verdient gehabt! Es war aber leider erst 18.45 Uhr, als Sløtface auf dem SPOT Festival spielten, dementsprechend locker gefüllt die Voxhall, das Venue, in dem sie auftraten. Die Norweger, deren Debütalbum TRY NOT TO FREAK OUT im Spätsommer erscheinen soll, ließen sich davon kaum beeindrucken und jagte in 45 Minuten ein gutes Dutzend Songs raus, die eine Energie gemein hatten, die sich aus dreierlei speiste: der wirklich, wirklich guten Stimme von Sängerin Hayley Shea, dem präzisen Punkrock ihrer Bandkollegen und nicht zuletzt den ganz hervorragenden Songs. Wie all das ineinander greift, kann man in der aktuellen Single „Magazine“ nachhören: Pixies treffen Blondie treffen, naja, irgendwie schon auch Paramore. Oder so. Sløtface sind die Band, die Funpunk wieder great macht.

Lød

Erfrischend war, dass beim Auftritt von Lød wenige der üblichen Bändchenträger aus der Branche zu sehen waren, sondern eher wirkliche Fans: Ihr Auftritt fand am ersten Abend des Festivals statt, an dem das noch schmale Programm von den meisten beruflich Anwesenden eher wegignoriert wird – und sie spielten im Tape, einem Club, der zwar im hübschen Latin Quarter von Aarhus liegt, aber damit eben auch abseits der sonstigen Spielstätten. Irgendwie war das aber auch schade, denn die Musik des Quintetts ist sehr interessant: Lød verbinden Kraut- und Postrock-Strukturen mit dänischen, mal gesungenen, mal eher Spoken-Word-Texten, was vor allem live Spaß macht: Der Sänger bewegt sich wie ein junger Robert Görl, der Keyboarder spielt seine Tasten auch mal mit dem Handrücken und kann nebenbei auf einen hübschen Moog zurückgreifen, angetrieben wird das alles von einem minutiös klöppelnden Rhythmusduo, das den anderen auch Freiräume für Ausbrüche lässt. Auf Soundcloud klingt das ganze etwas stringenter als live, aber nicht weniger anheimelnd, die Single „Folder“ ist dieser Tage auf Tough Love Records erschienen.

Marching Church

Die nächsten Dänen: Elias Bender Rønnenfelt kennt man von Iceage und ihrem urgewaltigen Resignationsrock. Bei Marching Church geht er die Dinge etwas anders an, steht sowohl live als auch auf Platte eher im Vordergrund, was sehr gut zu den Songstrukturen seiner neuen Band passt. Wo Iceage in ihrem Besteckkasten kühlen Wave der Joy-Division-Schule und/oder amerikanischem Ostküsten-Punk lagerten, sind Marching Church breiter aufgestellt. Ihre Musik ist transparent, oft halbakustisch grundiert, man hört den Besen auf dem Schlagzeug, den Twang des Bottlenecks. Einzelne Klaviertöne, die einzelnen Basstöne. All das klingt aber letztendlich doch wieder so bedrohlich, als käme es aus dem Maschinenraum eines Kriegsschiffes, in dem es rattert und rumpelt, manchmal muss man an die Bad Seeds denken. Mit THIS WORLD IS NOT ENOUGH und TELLING IT LIKE IT IS erschienen bisher zwei Alben, wir empfehlen sie uneingeschränkt.

Elias Segujja

Die Ambitionen sind bei Elias Segujja offenbar vorhanden: Das eigene Backdrop, ein Dreieck, bestückt mit einem Elefanten und einem allsehenden Auge, hat er sich auch auf die Brust tätowiert, zumindest legen das Bilder im Internet nahe. Und sein Auftritt auf dem Spot Festival wurde in Gänze mitgefilmt. Ob das die sehr hohe Anzahl blutjunger, gutaussehender Dänen beiderlei Geschlechts im Publikum erklärte? All das wäre natürlich komplett egal, wenn es von der tatsächlichen Musik nicht getragen würde. Doch was der Produzent da veranstaltete, war durchaus mitreißend. Mit einem sehr guten Gespür für den Drop und stets passgenauen Dramatik verband er samplereichen Future-R’n’B der Flume-Schule mit Broken Beats und fast tranceartigen Strukturen.

First Hate

In Dänemark sind First Hate schon eine Nummer: Sie spielten in Aarhus im Saal des Kongresszentrums, dem größten aller Konzertvenues beim Spot Festival – und es war voller als bei Alma, die dort kurz zuvor auftrat. Man kann schon verstehen, woran das lag. Anton Falck Gansted and Joakim Norgaard aus Kopenhagen schaffen es, Anker in die Vergangenheit zu werfen, gehen dabei aber so eklektisch vor, dass ein ganz eigener Sound entsteht, dessen Bestandteile Dark Wave, verschiedenste Spielarten von Eighties-Pop, aber eben auch moderne Dance-Strukturen sind und der in den Videos von einer slicken Ästhetik irgendwo zwischen Camp und Goth begleitet wird. Manchmal denkt man sich: Wären Hurts nicht seinerzeit Richtung Öd-Pop abgebogen, würden die vielleicht so klingen. Dass das Duo zuletzt mit Trentemoller und Iceage tourte bzw. spielte, passt schon auch ganz gut. Dieser Tage erscheint ihr Debütalbum A PRAYER FOR THE UNEMPLOYED, und wenn es die Qualität in den letzten Monaten veröffentlichter Tracks wie „Copenhagen“ und „The One“ hält, können wir uns sehr darauf freuen.

Verstärker
Magnus Bach
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