Glasvegas


Die Schotten stellen im Münchner Atomic Café ihr Zweitwerk EUPHORIC /// HEARTBREAK \ vor, bieten aber vor allem dem selbstgefälligen Gehabe ihres Sängers eine Bühne.

Wenn man sich im Vorfeld ihres Münchner Auftritts um ein Mitglied von Glasvegas hätte sorgen müssen, dann um die neue Schlagzeugerin Jonna Löfgren. Direkt von ihrer schwedischen Universität haben die Glasgower die bisweilen etwas unbedarft wirkende 22-Jährige wegrekrutiert. Doch Löfgren hat im wohl anglophilsten Club Deutschlands überhaupt keine Probleme, drischt sich eindrucksvoll, unaufgeregt und stehend durch das Set. Glasvegas-Chef James Allan ist ebenfalls eine Ausgeburt an Souveränität. Leider scheint ihm die Ehrerbietung, die seiner Formation vor allem aus dem Vereinigten Königreich entgegenschlägt, ein wenig zu Kopf gestiegen sein. Dem neuen Bandlook folgend tragen Gitarrist Rab Allan, Bassist Paul Donoghue und Löfgren schwarz, wovon sich der Frontmann mit seinem weißen Muskelshirt deutlich absetzt. Der 31-Jährige inszeniert sich als entrückte Lichtgestalt mit „Léon – der Profi“-Sonnenbrille, die er während der gesamten Show kein einziges Mal abnimmt. Betont unterkühlt posiert Allan während den Songs und umklammert das Mikro fest mit seinen kräftigen Armen, die dank dem knappem Oberteil bis zu den Schultern aufblitzen. „Den kann man ja total leicht kitzeln“, kommentiert dies eine Konzertbesucherin, die es auch nicht weiter stört, dass es von der neuen Platte nur „The World Is Yours“, „Whatever Hurts You Through the Night“ und „Euphoria, Take My Hand“ zu hören gibt. Wie die meisten Zuschauer ist auch sie vornehmlich erschienen, um bekannte Crowd-Pleaser wie „Geraldine“, „Flowers & Football Tops“ und „It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“ abzufeiern. Zwischen den Songs plaudern Glasvegas des Öfteren und sogar durchaus ausgelassen mit dem Publikum. Dies, Allans Bad in der Menge bei „Go Square Go“ und seine nach dem finalen „Daddy’s Gone“ ins Publikum geworfenen Küsse zeigen schließlich: Er kann auch anders. Zu wünschen bleibt, dass er die Verhältnisse der beiden Hälften seiner Bühnenperson beim nächsten Mal umkehrt.

Story ME 4/11