Globalisierung in gut

Oder ist die Worldbeat-Welle nur eine Soundsau, die durchs Dorf läuft?

Popmusikalisch hat Afrika seit diesem Jahr ein paar weiße Flecken weniger, und zwar ohne dass Bono oder Bob Geldof ihre Finger im Spiel gehabt hätten. 2008 interessierten sich Musiker so sehr wie lange nicht mehr für aktuelle Sounds vom Schwarzen Kontinent. Das portugiesische Kollektiv Buraka Som Sistema importierte den angolanischen Zappel-Techno-Stil Kuduro in die Playlists der Elektro-Clubs. Die Londoner Radioclit verkuppelten den malawischen Sänger Esau Mwamwaya und seine Muttersprache Chichewa mit der Soundweltenbummlerin M.I .A. Und „Township Funk“, ein Ghetto-House-Track des südafrikanischen DJ Mujava, wandelte sich vom Blogger-Hit zum Party-Smasher.

Vor allem Blogs und YouTube ist es zu verdanken, dass die Pop-Globalisierung nicht mehr nur von Nord nach Süd verläuft und dass Musik aus Afrika und Südamerika auch die Indieszene in Europa und USA aus der Kreativflaute reißen konnte. Vampire Weekend traten unpeinlich das Erbe des afrophilen Paul Simon an, Foals schüfen mit ihrem Debüt das Gegengift zum Retrorock der Lederjacken-Bands – inspiriert von westafrikanischen Genres wie Highlife und Afrobeat. Dämon Albarn stellte mit seinem Africa Exprez Rocker wie Hard-Fi und Franz Ferdinand mit afrikanischen Musikern auf eine Festivalbühne – bei der Gelegenheit kündigten die vier Schotten an, ihr nächstes Jahr erscheinendes Album solle sich irgendwie afrikanisch anfühlen. Bleibt die Frage, ob die demonstrative Weltoffenheit mehr ist als eine kurzfristige Koketterie mit dem Exotischen. Neue Sound-Säue werden ja in immer kürzeren Abständen durchs Global Village getrieben.

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