Greil Marcus – Mystery Train

Dieses Buch müßte eigentlich ein skeptischer Amerikaner (wer lacht da…?!) rezensieren. Es verlangt m. E. selbstgelebte Erfahrungen eines Eingeborenen. Der Autor füllt seinen Text mit Fiktionen und Deutungen, die ich nicht alle nachvollziehen kann. Marcus unternimmt den Versuch, Rock’n’Roll .als amerikanische Kultur“ zu betrachten. An .Ahnen‘ und „Erben“, ihren Songs und Texten, ihrem way of life, sowie ihrer zeitgeschichtlichen Position und Wirkung will er seine These belegen.

Harmonica Frank, ein Steinzeit-Rock’n’Roller und Robert Johnson, legendärer Blues-Interpret, sind für Marcus Prototypen des Anti-Puritaners bzw. des sich über „das Schicksal“ Erhebenden. Als Erben führt er The Band („Geschichten von dem besorgten Mann“ /Und die Frau?) an, Sly Stone (Realität und Traum der Freiheit), Randy Newman (Figur wie Sezierer amerikanischer Vorstellungswelt) Lind Elvis Presley (universaler Ja-Sager) – ausgewählt, „weil sie ehrgeiziger sind und größere Risiken in Kauf nehmen als die meisten anderen“ – was auch immer das bedeuten mag.

Marcus, vor Jahren einmal Redakteur beim „Rolling Stone“, schürft nach „Visionen von Amerika“. Das Gefundene ist leider eine nicht immer klar zu unterscheidende Synthese aus sachlicher Interpretation und Kommentar. Zweifellos in der Gesamttendenz kritisch, wird doch mit Begriffen wie „großer Amerikaner“ und „Freiheit“ umgegangen, ohne daß im Original-Text Anführungsstriche zu finden sind. Diese (explizit als solche ausgewiesene) Fallstudie ist angenehm lesbar geschrieben, gehäufte Superlative und Schwelgereien allerdings bringen mich zu meinen ersten Sätzen zurück. Und wieder mal hat’s fünf Jahre gedauert (Elvis lebte damals noch), bis die vorliegende Übersetzung der amerikanischen Erstausgabe erschienen ist.

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