Helmet


„SCHON, WIEDER IN HAMBURG ZU SEIN“, GRINST Page Hamilton, nachdem er und seine Kollegen von Helmet bereits zwanzig Minuten lang ihre Instrumente beackert haben und nun erstmals ihr Publikum zur Kenntnis zu nehmen scheinen. Ja ja, schön, daß ihr wieder da seid. Diskussionsfähig wäre hingegen die Frage, ob man Wiedersehensfreude wirklich dermaßen hörnervplättend äußern muß, oder ob es ein paar Dezibel weniger nicht auch getan hätten. Die Diskussion bleibt aus und der New Yorker Vierer setzt den Set mit brachialer Urgewalt fort. Hamilton röhrt und brüllt in Hochform ins Mikro, Drummer John Stanier wütet an seinen Toms wie ein Tier und navigiert die Band souverän durch die vertrackten, Helmet-typischen Rhythmuswechsel. Die tobenden Mosher vor der Bühne bleiben auch dann beinhart, wenn Hamilton fast jedes Stück in Rückkoppelungsorgien der allerfiesesten Sorte enden läßt und den kollektiven Hörsturz in unangenehm greifbare Nähe rückt. Helmet verrichten ihre Arbeit ohne großes Aufhebens. Demgemäß fallen auch die Ansagen selten und unspektakulär aus. Anstelle von langem Geseiere zwischen den Stücken tätschelt Hamilton lieber Fanköpfe in der ersten Reihe und gesellt sich während des Sets gelegentlich zu einem kleinen Plausch mit dem Publikum an den Bühnenrand. Erst nach beendeter Unterhaltung gibt es dann wieder ein paar Lieder. Und genauso ungerührt, wie sie auf die Bühne gelatscht waren, verlassen die vier dieselbe 45 Minuten später auch schon wieder. Einen Zugabenblock mit drei Stücken, unter anderem mit dem grandiosen „Milktoast“, dann geht das Saallicht an. Der Großteil der Meute strömt pflichtbewußt aus der Halle. Tja. Reingelegt. Denn schließlich werden die „Helmuuuut!“-Rufe der standhaft Übriggebliebenen doch noch erhört: Als wirklich allerletzten Leckerbissen gibt es Just Another Victim“(vom berühmten „Judgment Night‘-Soundtrack) auf die Ohren, ehe durch das dumpfe Fiepen im Kopf die lieblichen Klänge der Broadwaymusical-Pausenmusik dringen.