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Her live in Berlin: Von Königinnen und Liebe

Auftritte beim Reeperbahn Festival, in der Berghain-Kantine oder im Vorprogramm der gehypten AnnenMayKantereit reichen offenbar vollkommen, um in Deutschland Fuß zu fassen. Das französische Duo Her schafft es so, das zweite Berlin-Konzert ihrer Karriere auszuverkaufen. Während im vergangenen Herbst die Neugierde das Publikum in die Kantine getrieben hatte, scheint sich inzwischen eine Berliner Fangemeinde um die Band gebildet zu haben.

Fast unbemerkt betreten die Musiker an diesem Abend die Bühne im Prince Charles und starten wortlos in ihre Performance. Die zieht schließlich auch all diejenigen, die sich an der abseits gelegenen Bar noch um Drinks bemühen, vor die kleine Bühne.

Victor Solf erzählt erneut von seiner deutschen Herkunft und wie sehr ihm die Zustimmung des hiesigen Publikums – und das ist für Berliner Verhältnisse übermäßig euphorisch – am Herzen liegt. Eigentlich kaum zu glauben, sind doch in dieser Stadt Zurückhaltung und unterkühlte Arroganz gängige Accessoires im Nachtleben. Aber es wird textsicher mitgesungen, die Handys werden gezückt als hätten wir Superstars vor uns.

Her bedanken sich artig bei den Gästen und spielen mit großen Gesten und bordeauxroten Anzügen Songs ihrer zwei bisher erschienenen EPs, die sinnvollerweise einfach „Her Tape #1“ und „Her Tape #2“ heißen. Die neu gewonnenen Fans müssen zunächst vor allem Geduld beweisen. Die Band plant eine weitere EP, bevor kommendes Jahr eventuell das Debütalbum erscheinen soll. Den Sound, der wahrscheinlich auch diese erste Platte prägen wird, haben sie bereits gefunden. Soulpop voller Wehmut und Leidenschaft. Mit Simon Carpentier an seiner Seite singt Victor Solf von Liebe und reißt dabei seine Hände in die Höhe. Erstaunlich, wie laut und energetisch es werden kann, wenn Franzosen Liebe, Leidenschaft und Sex zu Themen ihrer Musik machen.

Das euphorisierte Publikum klatscht und ruft die Band für eine kleine Zugabe, die den knapp einstündigen Auftritt beendet, zurück auf die Bühne. Vielleicht ist es die Evolution einer kleinen Band zum großen Act, die die Berliner an diesem Abend so entzückt. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die wundervolle Popmusik dieser beiden Männer, die sich glücklich grinsend bei jedem anwesenden Fan persönlich bedanken würden.



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