Hercules And Love Affair

Andy Butlers queere Disco-House-Schau gastiert im Berghain in Berlin. Ein rauschendes Fest im Tempel der Ekstase.

Berliner Taxifahrer zeigen sich immer sehr interessiert, wenn der Kunde ins Berghain will. Hat das heute überhaupt geöffnet? Ach so, ein Konzert? Wer spielt denn da? Das ist schon ’ne verrückte Disco, dieses Berghain. Die verrückte Disco ist prallgefüllt, die Queerness des Publikums korrespondiert mit der Queerness auf der Bühne. Kein anderer Auftrittsort auf der Welt passt besser zu Andy Butler und seiner Disco-House-Schau wie das Berghain. Wir erinnern uns an die frühen Auftritte von Hercules And Love Affair – noch mit Band und Sängerin Nomi. Wie zaghaft und schüchtern das damals gewirkt hat, trotz eindeutiger Queer- und Transgenderbotschaft. Heute gibt es eine atemlose Non-Stop-Travestie-Show voll auf die Zwölf. Im Mittelpunkt: die drei Sänger- und TänzerInnen Kim Ann Foxman, Shaun Wright und Aerea Negrot, die sich immer wieder bemüßigt fühlt, sich dem Publikum mit dem Satz „Berlin, du geile Sau“ anzubiedern. Im Hintergrund stehen Projektchef Andy Butler und Mark Pistel an einem Pult, drehen irgendwelche Knöpfe, drücken irgendwelche Tasten, sehen auf irgendwelche Monitore und kommentieren die Musik mit ungelenken Bewegungen. Und vorne verwandeln die subsonischen Beats und quiekenden und zirpenden Effekte das Berghain in einen Tempel der Ekstase – House, „My House“, Berghain. Butler lobt den Club und die Berliner Technoszene, die in der dunklen Zeit Anfang der Nuller die Tanzmusik am Leben gehalten habe. Berlin, du geile Sau, Berghain, du verrückte Disco.

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