Huey Lewis


Blind Date zum Frühstück! Der sportive Herr aus San Francisco sitzt in der Hotelhalle des Münchener Sheratons, brühend heißen Kaffee vor sich und einen Blick im Gesicht, der den gestrigen Abend als noch heißere Party ausweist. Doch Kater hin, Frühstück her – sobald der gute Mann über seine große Passion Rock’n’Roll zu reden beginnt, ist die Müdigkeit wie weggeblasen …

Los Lobos: „Don t worry Baby „Tolle Band! Los Lobos! Sie spielten als Vorgruppe bei ein paar Gigs unserer letzten US-Tour. Ich weiß nicht, wie populär sie hier bei euch sind, aber in den Staaten sind Los Lobos leider nur ein Insider-Thema. Und das ist verdammt schade! ,Dont Worry Baby‘ ist nicht unbedingt mein Lieblings-Song – da gefällt mir,Will The Wolf Survive‘ um einiges besser – aber die Band ist ehrlich und echt, und was mir so richtig zusagt: Der Sänger reißt sich wirklich den Arsch auf!“

Marvin Gaye: „Masochistic Beauty“

„Ich habe überhaupt keine Ahnung, wer das sein könnte… hmm, muß ein Engländer sein. Aber ich weiß, woher die Inspiration für diesen Song kam, nämlich von Marvin Gaye…Was? Das ist Marvin Gaye? Oh nein…eine herbe Enttäuschung, das ist ja ein ekelhaftes Ding. Wenn man bedenkt, was Marvin für ein Innovator war-seine Art zu singen, diese .uuhhs‘ und .aahhs‘, und dann das! Was sagte er da gerade,… bitch, are you coming?‘ Schrecklich! Man tut Marvin keinen Gefallen, sowas posthum zu veröffentlichen.“

Scorpions: „No One Like You“ (live) (Nach zwei Takten) „Oh, Rock You Like A Hurricane‘! Nein? Aber das sind doch die Scorpions, oder? Mann, das sind aber exakt die gleichen Harmonien…

Ich sollte vielleicht vorausschicken, daß das nicht unbedingt meine Band ist. Und daß dieser Song nicht unbedingt das originellste, neueste Stück Musik ist, das ich je gehört habe. Aber es ist gut gemacht, keine Frage; wer auf diese Art Musik steht, wird von den Scorpions bestens bedient. Sein Akzent ist lustig…obwohl, wenn ich ehrlich sein soll – als ich sie zum erstenmal hörte, fiel mir gar nicht auf, daß das gar keine Amerikaner sind…“

Pnnce: „Pop Life“

„Das ist doch Princes Neue, oder? Uh-… geht aber gut ab! Manchmal ist er ja ein dummer Junge; spielt sich auf wie ein kleiner Motherfucker und ist im wirklichen Leben doch ein bißchen vom anderen Ufer. Live ist er einfach großartig, solange er nicht diese blöden Tonbänder einspielt. Bei seiner neuen LP bewundere ich absolut seinen Mut, so experimentelle Arrangements zu bringen – oh ja, eigentlich mag ich ihn sehr…“

Bruce Springsteen: „Glory Days“

„Ist das ’ne alte Nummer? Nee? Komisch, ich kann mich gar nicht erinnern, daß dieser Song auf BORN IN THE USA ist. Grundsätzlich betrachtet ist Bruce ja ein Folk-Sänger, vielleicht sogar ein Country-Sänger. Und das sind genau die Sachen, die ich an ihm am meisten liebe. NEBRAS-KA zum Beispiel: ganz ruhig, nur er und seine Gitarre. Da kommt für mich ungeheuer viel rüber. Bei den schnellen Sachen verliert seine Stimme ein bißchen ihren Reiz.“

Eurythmics: „Would I Lie To You“

„Die neue Eurythmics-Single! Wow! Die wollen wohl jetzt eine Soul-Band werden. Ist es nicht witzig zu beobachten, wie sich eine Band wie die Eurythmics von all dem Synthesizer-Gedudel wegbewegt, hin zu den wahren Wurzeln? Aber das kannst du ja in ganz England beobachten: .back to the guttat oder so ähnlich lautet die Parole. Daß mir das sehr sympathisch ist, muß ich ja nicht betonen…“

Rick Springfield: „State Of The Heart“

„Das klingt wie Springfield! Rick hat eigentlich nur ein Problem: Er sieht zu gut aus! Rick hat tolle Sachen produziert und bekommt einfach nicht den Respekt, den er verdient. Er macht den klitzekleinen Fehler, daß er mit seiner Schönheit spielt, sie bewußt einsetzt, um Erfolg zu haben. Es ist wie mit Robert Redford: Niemand gesteht ihm zu, ein guter Schauspieler zu sein, weil er einfach zu gut aussieht!“

Mink de Ville: „Italian Shoes“

„Ist das Willy de Ville? Ja – der ist großartig. Und diese Scheibe ist verdammt gut produziert. Irgendwie hat er aber seine Chance in den Staaten verpaßt. Frag mich nicht warum, ich weiß es nicht. Vielleicht war er einfach nicht zur rechten Zeit am rechten Ort. Früher liebten ihn die Kritikeraber seine Platten waren alles andere als weltbewegend; und jetzt macht er gute Platten – und es haut immer noch nicht hin. Aber wer weiß, vielleicht platzt jetzt der Knoten…“

Mick Jagger: „Lucky In Love“

„Er macht blöde Videos! Klar, die Musik ist perfekt. Das Schlagzeug ist in time, die Gitarren sind richtig gestimmt, alles ist sorgfältig ausgearbeitet. Doch genau das ist es, was Jagger nicht braucht! Wenn er über dieses überperfekte Grund-Playback seine berühmt ungeschliffenen vocals legt, dann stimmt’s einfach nicht mehr. Er braucht die Stones, die drauflosdreschen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob das nun sorgfältig genug war…“

Paul Young: „l’m Gonna Tear Your Playhouse Down“

„Paul ist ein fantastischer Sänger. Nur nimmt er sich für meinen Geschmack immer Songs vor, die im Original schon so gut sind, daß sie kaum noch besser gesungen werden können. Warum holt er sich nicht all die tollen Nummern, die in Vergessenheit geraten sind? Außerdem will die Produktion oft zuviel des Guten. Versteht mich richtig: Ich habe nichts gegen guten Sound, aber das hier ist slightly overproduced. Aber der Mann ist schon gut, keine Frage…“

Talking Heads: „The Lady Don’t Mind“

„Klingt wie Bryan Ferry! Egal wer das ist er hat Roxy Music sehr eingehend studiert. Oh, Scheiße, das sind ja die Talking Heads! Habe ich mich jetzt blamiert? Egal – dieser Song ist bei weitem nicht der Hammer wie „Burning Down The House“, einer meiner all time favourites. Trotzdem, ganz passabel.“