Im kommenden Musikexpress: Amy Winehouse und ihre Musik

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Amy Winehouse liegt mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen auf dem Boden. Im Kopf ein Einschussloch, die Ausläufer der schwarzen Turbanhaare umranden eine Blutlache. Die Plastik des italienischen Künstlers Marco Perego bezieht sich auf den amerikanischen Beatpoeten William S. Burroughs. Der hatte Anfang der Fünfziger Jahre seine Ehefrau Joan Vollmer versehentlich erschossen, als er volltrunken mit ihr die Apfelszene aus Schillers „Wilhelm Tell“ nachstellen wollte. Das Kunstwerk trägt den Titel „ The Only Good Rock Star Is A Dead Rock Star“. Vor dem Hintergrund des Todes von Amy Winehouse am 23. Juli wirkt die Plastik noch eine Spur makabrer, allerdings wird die Behauptung, die ihr Titel aufstellt, in den nächsten Wochen von der Realität bestätigt werden. Dann werden wir wieder einmal sehen, dass tote Rockstars vor allem für die Musikindustrie die besten Rockstars sind, wenn die Platten aus dem nicht sehr umfangreichen Backkatalog von Amy Winehouse wieder in die Charts kommen. Wahrscheinlich wird zurzeit auch schon fieberhaft daran gearbeitet, aus unveröffentlichten Aufnahmen und Demos ein drittes Studioalbum zu kompilieren, das rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in die Läden gestellt wird. „Wahrscheinlich hätte Amy es so gewollt“, wird die zuständige Plattenfirma dann verkünden müssen.

Der Mainstream-Erfolg von Amy Winehouse – allein von ihrem zweiten und letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Album Back To Black – wurden weltweit mehr als elf Millionen Exemplare verkauft – kann nicht mit einer plötzlichen Besinnung der Massen auf den guten Geschmack erklärt werden. Freilich hat das skandalträchtige Gossip-Girl Winehouse seinen Beitrag dazu geleistet, damit sich die Platten der Musikerin Winehouse verkauft haben. Was aber letztlich einer Logik folgt: Es gab keine Trennung zwischen ihrer Musik und ihrem Leben, wieso sollte ihr Leben nicht ihre Musik verkaufen? Amy Winehouse war Musikerin durch und durch. Sie konnte nicht anders. Ihre Weigerung sich mit aktueller Musik zu beschäftigen, entsprang ihrer Überzeugung nicht dem Wunsch nach popkulturellem Dissidententum. Wie zur Bestätigung coverte sie auf The Ska EP Songs von Toots & The Maytals, The Specials, The Skatalites und Sam Cooke.



Amy Winehouse (1983 - 2011): Die Stimme des Jahrzehnts
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