Jamie N Commons


Von scheiternden Genre-Stereotypen, mordenden Predigern und tieflagigen Stimmimitationen

Jamie N Commons klingt als hätte er seine Stimmbänder jahrelang mit Whisky und Zigaretten bearbeitet und wenn man sich seine Texte anhört, die von Bigotterie, dem Freitod und unerfüllter Liebe handeln, malt man sich schnell isolierte Lebensgeschichten à la Bukowski oder Kerouac aus. Damit hätte man alle Klischees, die man im Folk-Blues erwartet, schon mal auf den Tisch gelegt. „Ich möchte keine seichte Musik machen, das ist alles“, sagt der 22-jährige Londoner. Ohne jegliche Oberflächlichkeit geht es auch in seiner aktuellen Single „The Preacher“ zu, die von einem Prediger erzählt, der in der einen Hand das Kruzifix und in der anderen die Waffe hält, mit der er infolge einer göttlichen Eingebung seine Familie ermordet. Ein Tribut an die Traditionen des Folk-Genres mit seiner bizarren Erzählkunst.

Geboren wurde Commons in der TripHop-Hochburg Bristol, aufgewachsen ist er in der Jazz-Metropole Chicago. Dass er sich am Ende entschloss, Americana zu spielen, verdankt er seinem USA-versessenen Vater und dessen umfangreicher Swamp- Rock- und Blues-Sammlung. Bei der Frage, ob er deshalb früher dieses eine seltsame Kind war, das komische Musik hörte und irgendwie anders war, lacht Jamie auf: „Oh ja. Ich werde dieses Kind wohl auch bleiben.“

Commons‘ jetzt erschienene Debüt-EP „The Baron“ enthält neben der erwähnten, herausragenden Single das Elvis-Costello-Cover „15 Petals“, auf dem er seine unverwechselbare Bassstimme vorführt. Die hat er sich beim Imitieren seiner Vorbilder Tom Waits und Ray Charles angeeignet: „Beim Musikmachen geht es darum, seine Idole zu kopieren, dabei gnadenlos zu versagen und am Ende sein eigenes Ding zu machen.“

* Jamie machte seinen Abschluss am Londoner Goldsmiths College für bildende Kunst. Alles, was man ihm dort beibrachte, macht er heute laut eigener Aussage genau anders.

* Für das Musikprojekt ließ er sich gemeinsam mit seinem Label Hunderte Nennvorschläge einfallen. Am Ende wurde es sein eigener Name. Das N steht für Nick.

* Er liest zurzeit Bob Dylans Memoiren „Chronicles. Volume 1“.