Judith Holofernes: Wie kann Meningitis die Stimme stören?
Judith Holofernes, einst Frontfrau von Wir sind Helden, kann nicht mehr auf der Bühne stehen und singen.
Judith Holfernes gab ihr letztes Konzert Ende 2018. Seitdem ist es musikalisch ruhig um die einstige Sängerin von Wir sind Helden geworden, die nach der Karriere mit ihrer Band solo weitermachte. In einem ausführlichen Interview in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ erzählte sie nun, dass sie seit acht Jahren nicht mehr professionell singen könne. Grund dafür ist eine neurologische Störung, die möglicherweise eine Folge einer durchgemachten Meningitis (Hirnhautentzündung) sein könnten.
„Ich musste meine Solokarriere, die ich auch sehr geliebt habe, sozusagen abbrechen“, sagte die 49-Jährige. Verschiedene Behandlungen folgten, die aber nicht den gewünschten Erfolg brachten. Die Musikerin erklärte, dass sie zwar frustriert darüber sei. Sie versuche aber „nicht zu krampfen“ und arbeitet seitdem als Autorin und Kreative.
Bereits seit 2017 kämpfte Holofernes massiv mit ihrer Stimme, weshalb sie sich nach der Tour zu ihrem Album „Ich bin das Chaos“ weitgehend aus dem Live-Geschäft zurückzog.
Die Folgen einer Meningitis
Aber wie ist es überhaupt möglich, dass die Folgen einer Meningitis die Stimme angreifen? Wichtig: Die Hirnhautentzündung selbst schädigt normalerweise nicht direkt die Stimmbänder. Aber sie kann Strukturen betreffen, die für das Singen entscheidend sind, also Nerven und Atemkontrolle.
Eine Meningitis ist eine Entzündung der Meningen, also der Schutzmembranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben.
Sie kann durch Viren, Bakterien und sogar Pilze ausgelöst werden. Holofernes beschrieb monatelange extreme Schmerzen und Bettlägerigkeit, bevor die Diagnose gestellt wurde. Symptome sind unter anderem extreme Kopfschmerzen, Nackensteife, Lichtempfindlichkeit, Fieber und mehrere neurologische Störungen.
Die Entzündung betrifft zwar die Hirnhäute, kann aber auch das Gehirn und die Hirnnerven beeinträchtigen. Hier beginnt möglicherweise das Problem. Der wichtigste Nerv für die Stimme ist der Nervus vagus.Von ihm zweigen wiederum Nerven ab, die den Kehlkopf steuern. Sie kontrollieren die winzigen Muskeln der Stimmlippen. Diese sind extrem fein abgestimmt – bei jemandem, der häufig und intensiv singt sogar auf Bruchteile von Millimetern.
Wenn Hirnnerven nun entzündet oder geschädigt werden, kann es zu Stimmbandlähmung, eingeschränkter Beweglichkeit des Körpers und asymmetrischem Schließen der Stimmlippen kommen. Folge sind oft Heiserkeit, brüchiger Stimme und
fehlende Tonkontrolle.
Holofernes hat in diesem Zusammenhang nicht konkret erklärt, welche Probleme sie mit ihrer Stimme hat. Es sei ihr zwar möglich, etwa unter der Dusche zu singen, wie wir das alle tun, aber eben nicht mehr in der Intensität live auf einer Bühne.
Das Gehirn steuert nicht mehr zuverlässig
Da die Sängerin selbst von einer neurologischen Stimmstörung spricht, ist noch wahrscheinlicher, dass das Problem nicht im Kehlkopf, sondern im Gehirn liegt. Weil die Stimme bricht und die Kehlkopfmusklen fehlgesteuert sind, wäre hier Singen fast unmöglich. Auch unkontrollierte Muskelkontraktionen oder unvorhergesehene Tonhöhenprobleme können dazukommen. Nicht zu vergessen: Eine Störung der Atemkoordination, die man beim Sprechen vielleicht gar nicht bemerkt, kann das Singen fast unmöglich machen.
Während zwar mit Medikamenten gestützte Therapiemöglichkeiten bestehen berichten Ärzte davon, dass für Sängerinnen schon eine kleine Reststörung die Karriere beenden können, weil die Stimme ihr Hochleistungssportinstrument ist und nicht auf einem niedrigeren Niveau einsatzfähig ist. Zu sehr hängt das perfekte Zusammenspiel zwischen Luftdruck, milimeterdünnen Muskeln und Nervenimpulsen im Millisekundenbereich zusammen. Viele Sängerinnen und Sänger verlieren ihre Stimme eher durch neurologische Störungen als durch Folgen des Alters.
Neues Glück für Judith Holofernes
Judith Holofernes hat mit dem Schreiben eine neue Tätigkeit gefunden, die sie erfüllt, wie sie in dem Gespräch bei „Volle Kanne“ bestätigte. Ihr Buch „Hummelhirn“ ist eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und dem Weg, den sie zur Musikerin zurücklegte. Zuvor erschienen „Die Träume anderer Leute“ (2022) und bereits 2015 der Gedichtband „Du bellst vor dem falschen Baum“.






