Kajagoogoo


Schnulzen- und Schmuse-Pop hat zur Zeit Hochkonjunktur, jüngstes Beispiel des herzerwärmenden Software-Booms: Kajagoogoo. Mit ihrem Griff in die musikalische Bonboniere, dem sanften Pop-Ohrwurm „Too Shy“, schmalzten sich die fünf Milchbubis (Limahl (v), Nick Beggs (b), Steve Askew (g), Jez Strode (d) und der klassisch geschulte Pianist Stuart Croxford Neale) binnen kurzem an die englische Chart-Spitze. Nicht übel, wie sie mit Sieben-Meilen-Stiefeln all jene Hürden überwinden, an denen Duran Duran seit Jahren ohne Nummer eins scheitert.

Ist aber auch kein Wunder, denn bei der Band mit dem Ktnder-Brabbel-Namen stimmte alles der Überraschungseffekt, das Timing, das Image, die Hintermänner und vor allem der Single-Titel, wahrhaft ein Gehörgang-Guerilla der hartnäckigen Art. Ein Rhythmus, wo jeder mitmuß, und eine Melodie, die klebt wie Kaugummi.

Die Vorgeschichte: Limahl, ex-Barkeeper im Londoner Embassy Club, Jung-Schauspieler mit Banderfahrung, stößt per Suchanzeige auf Art Noveau, em Eno-inspiriertes Expenmentier-Ensemble ohne ]ede Fortune, Auftritte im Camden Palace, Steve Stranges „In“-Disco, bleiben ohne das gewünschte Resultat.

Erst an Limahls früherer Wirkungsstätte, dem Embassy, greift die EMI zu, „Es ging um alles oder nichts“, erinnert sich Limahl. wie die übrigen Kajagoogoos in lässig-bunter Phantasie-Montur und mit blondschwarzem Färbhaar, „wuhatten uns über tausend Pfund leihen müssen, um den Gig überhaupt über die Bühne zu bringen. Zum Glück bekamen wir einen Vertrag von der EMI und dann kannte ich auch noch die Freundin von Simon Le Bon (Duran Duran)“ Der gab die ganze Sache an seinen Keyboarder Nick Rhodes weiter. Nick wiederum nahm sich zusammen mit Erfolgsproduzent Colin Thurston (Talk Talk, Classix Noveaux) des Jung-Quintetts an.

Ein bißchen hier und da gefeilt, mit Schmiergelpapier an die Ecken und Kanten, und fertig war der Hit. Beobachtern erschien der nun folgende Kajagoogoo-Hype wie eine abgekartete PR-Sache- EMI, Duran Duran und Thurston – die cleveren Hitschmiede. Das Produzenten-Team Thurston/Rhodes wollte sich deshalb ursprünglich hinter dem Pseudonym „Bill and Ben The Producermen“ verbergen.

Aber wen interessiert das noch nach diesem klassischen One-Hit-Wonder 5O 000 Singles pro Tag sind das beste Argument gegen jede Anfeindung. Und die kuscheligen Kajagoogoo-Beaus, noch echt scheu und publicity-ungeübt, freuen sich über den Erfolg.