Kelis stand nach ihrem Debüt im Ruf, eine Männerhasserin zu sein. Nun wird sie des Drogenmissbrauchs beschuldigt – und wieder verkannt


Als Kalis Rogers (21) aus Hartem, New York, vor zwei Jahren ihr „Kaleidoscope“ auf die Menschheit losließ, stockte ihrem Ex der Atem. „Caught Out There“ („I hate you so much right now!“) war die wohl direkteste Hassbotschaft, die jemals in der populären Musik formuliert wurde. Und noch bevor bekannt wurde, wem die persönliche Abrechnung galt, wurden Stimmen laut, die Lady sei eine Männerhasserin. „Was soll ich denn machen, wenn mich ein Typ verarscht? Ruhig dasitzen und alles brav akzeptieren?“, rechtfertigt Kelis sich heute. „Mit mir nicht. Aber das war nur ein Song. Ich hatte 28 Tracks für das erste Album geschrieben, und an einem einzigen ziehen sich die Leute hoch. Ist schon eigenartig.“

Nun, da ihr zweites Album „Wanderland“ auf dem Markt ist, gibt es neue Themen, an denen man sich hochziehen kann. So ist das Album stilistisch um einiges vielfältiger als der Vorgänger: Hart rockende Stücke, brasilianische Rhythmen, gefühlvolle Soulballaden und Hip-Hop wechseln einander ab. Und nachdem die HipHop-Queen Missy Elliott auf ihrem letzten Album die House-Musik für sich entdeckt hat (nach eigener Aussage inspiriert von der Party-Droge Ecstasy), experimentiert nun auch Kelis mit geraden, pumpenden Beats. „Pillenschluckerin!“ rufen sogleich alle, die Kelis 1999 als Männerhasserin abgestempelt hatten. „Ich kenne Ecstasy, aber ich kann es nicht empfehlen“, entkräftet Kelis die Anschuldigungen. „Freunde von mir sind deswegen im Krankenhaus gelandet und hatten seltsame Wahnvorstellungen. Und wenn du mit einem Mann schläfst, der regelmäßig E nimmt, läufst du Gefahr, dass der Sex nicht gerade ein Erlebnis ist. Also lieber die Finger weg.“

Klingt Kalis‘ neues Album wieder außergewöhnlich energetisch, dann liegt das nicht an Chemikalien, sondern an den musikalischen Vorbildern, an denen sich die an Theater und Konservatorium geschulte Sängerin orientiert: „Ich habe Jazzsänger erlebt, die auf dem Hocker lässig Seat-Gesang dargeboten haben. Und ich kenne die Gospelmusik wie meine eigene Westentasche. Da geht es um direkteste Emotionen, um Kraft und um Ehrlichkeit. Wenn man spürt, wie diese Leute an ihre musikalische Sache glauben, kann man nur beeindruckt sein. Und auch ich glaube an meine Musik.“ (

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