Linus Volkmanns Kolumne: „Kunst ohne Emotion“ – die Sache mit KI-Bildern
Ulkige KI-Bilder machen nicht nur Klicks auf Social Media, sondern auch was mit dem Beruf der Illustrator:innen. Linus stellt einer unguten Entwicklung diese Kolumne & 11 tolle Artists mit Zeichenstift entgegen.
Okay, um diesen Text in seiner ganzen Tragweite erfassbar zu machen, muss ich folgende Geschichte vorabschicken. Und los:
Wer würde nicht gern hinten auf dem purple Motorrad von Prince sitzen und mit jenem gemütlich in den lila Sonnenuntergang tuckern. Eine vollkommen nachvollziehbare Fantasie mit Popkulturgeschmack und einem gehörigen Anteil an Nostalgie und Sentiment.
Der vielbeschäftigte Musikjournalist André Boße fand diese Idee so schön, dass er sie einer KI zuführte und am Ende tatsächlich ein Bild stand, das genau diese Tagträumerei zeigte: André auf dem Sozius von Prince. In was für Zeiten wir doch leben!

In was für Zeiten eigentlich?
Nachdem er sie auf Facebook zur Schau gestellt hatte, erhält er überraschend Post. Sie stammt von dem Musiker Erobique. Der tadelt ihn liebevoll mit diesen Worten:
„Here my dear. Damit Du keine KI-Bilder mehr benutzen muss. Nicht nur, weil KI schrecklich armseligen Eindruck macht. Sondern auch, weil in Deinem Berufsumfeld jede Menge talentierter IllustratorInnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Aber vor allem, weil der ganze Kram so viel Energie und Wasser frisst, daß man davon jeden Tag mit dem Flugzeug zum Supermarkt fliegen könnte. Mach’s nicht und mach’s gut!“
Dem Posting angefügt ist ein gezeichnetes Bild mit dem ebengleichen Motiv. André hinten drauf bei Prince auf einem Kraftrad. Erobique hat schon manches seiner eigenen Cover oder Plakate selbst gemalt, das freundliche Multitalent („Urlaub in Italien“) kann nämlich auch noch zeichnen. Doch nicht nur deshalb sieht das KI-Werk am Ende genauso trostlos aus, wie es auch ist.

KI und auch diese funny (oder nicht so funny) Bilder, die sie uns malt, sind gekommen, um zu bleiben. Das sollte man sich ebenso vergegenwärtigen wie aber auch die Tatsache, dass die KI natürlich gar keine Bilder malt, sondern nur mit elaborierter Stochastik und auf der Basis der Werke echter Illustrator:innen etwas zusammenmorphen kann.
Für Menschen, die in dem gestalterischen Feld arbeiten, stellt der vermeintlich bunte Spaß vor allem einen ernsthaften Angriff auf ihre Existenz dar. Billiges, grelles Design auf Knopfdruck – warum nicht? Doch diese Praxis hat längst das lustige Postingtreiben mit Novelty-Charakter hinter sich gelassen und dringt konkret auch in die Alltags- und Popkultur vor.
Ich sehe Tour-Plakate, Insta-Kacheln, die mehr oder weniger geistvoll via KI zusammengepromptet wurden. Im aktuellen Plastic Bomb Magazin hat Chefredakteurin Ronja Schwikowski sich dem Thema gewidmet, dass immer mehr Plattencover sich gar nicht mehr von Illustrator:innen sondern von KIs gestaltet sehen. Selbst der Dönermann um die Ecke bedient sich dieser digitalen Dienstleistung und ihrem austauschbaren Look.

Vielleicht mag der ein oder die andere eine ästhetische Vision besitzen, die eben gerade der Umsetzung durch Künstliche Intelligenz bedarf – fair enough. Aber wer sich einfach bloß aus Bequemlichkeit oder um paar hundert Euro zu sparen, seine Platte von kleptomanischen Robotern anfertigen lässt, braucht sich nicht wundern, wenn das dann auch einen Schatten auf sein eigenes Werks wirft. Ein Schatten von Ignoranz und Ungeilheit.
Nun macht nicht jede:r Musik oder unterhält eine Gastro und benötigt dafür Artworks, aber auch wir einfachen Leute haben Berührungen mit Illustrationen. Ich wollte zum Beispiel für ein Geschenk ein Foto gezeichnet haben im Stile der Bilder, die man aus TKKG-Büchern kennt. Bei einem Freund sah ich, dass Originalzeichner Reiner Stolte trotz seiner 80 Jahre noch aktiv ist und ihm ein Bild erstellt hat. Da versuchte ich doch glatt auch mal mein Glück und siehe da: Ich wurde stolzer Besitzer einer Original-Stolte-Zeichnung. Wer es mir gleich tun will, wende sich an den Kult-Künstler – er hat mir das Okay gegeben, das hier so zu sagen (yupi@reiner-stolte-grafik-design.de). Vielleicht kann er nicht allen weiterhelfen, schränkte er ein, aber ein Versuch ist es wert, wenn ihr darauf Bock habt. Der Preis, den er mir genannt hatte, war übrigens sehr fair: „Zahl, wieviel es dir wert ist“.


Wertvoll
Ohne in Pathos abzugleiten: Für mich haben Illustrationen, Bilder, Zeichnungen einen großen Wert. Ich erinnere mich daran, als Jugendlicher Airbrush-Metalcover von Helloween oder Kreator ewig angestarrt zu haben. Ich liebe genauso auch das Prittstift-Artwork von den Moldy Peaches und auch das Wachsmal-Cover von Shonen Knife. Diese Optik gehört für mich zu der Musik dazu, Bildlichkeit ist ein Verstärker. Was ich in Zukunft allerdings nie tun werde, ist, ein KI generiertes Cover länger als nötig anzuschauen. Das ist mir ganz einfach zu trostlos – sorry not sorry.
Was mir in der Diskussion fehlt dieser Tage, ist, dass endlich auch mal die Kunst und Perspektive von Zeichnenden sichtbar gemacht wird. Daher nehme ich Erobiques Impuls auf und stelle hier elf Illustrator:innen vor, deren Arbeit ich großartig finde. Ich habe sie jeweils um ein Bild gebeten (möglichst mit Musik-Bezug), damit ihr eine Vorstellung bekommt, wie das bei ihnen aussieht. Ihr könnt sie anschreiben, weiterempfehlen, im Hinterkopf behalten oder euch einfach nur an ihrem Strich und ihren Statements erfreuen. Viel Spaß!

„Ein dumpfes Gruseln“ / Julia Kubik
Julia Kubik zeichnet unter anderem für das österreichische Magazin Falter, kommt selbst aber aus St. Gallen in der Schweiz. Sie spielt zudem bei dem sehr guten Taschenmesser-Duo Hundefutter und verbringt ihr Frühjahr in der Redaktion des Titanic-Magazins.
„So lustig ich die ganzen Videos von Posaune spielenden Katzenscharen auf irgendwelchen Verandas mitten in der Nacht finde, so sehr möchte ich auch, dass es bald wieder aufhört. Ich hege den naiven Wunsch, dass KI-Bilder nur ein vorübergehender Trend sind, an dem bald alle die Lust und den Spaß verlieren. Eine tolle Zeichnung macht nicht aus, dass sie in wenigen Sekunden entstanden ist und fotorealistisch wirkt, sondern dass sich die menschlichen Ideen, Gefühle und Gedanken, die im besten Fall noch darin stecken, beim Betrachten übertragen. Das stiftet Wärme, Freude und Verbundenheit. Beim Betrachten von KI-Bilden spüre ich maximal ein dumpfes Gruseln oder einen hohlen Schmerz.“
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„Die KI soll uns blöde Aufgaben abnehmen“ / Karo Schrey
Karo Schrey lebt in Freiburg, ist seit den Nullerjahren Grafikerin, zeichnet unter anderem Plakate für den dortigen Slow Club sowie für die Badische Zeitung.
„Nichts bleibt, wie es war. Meine optimistische Hoffnung ist, dass KI mir einige blöde Aufgaben abnehmen wird und mir mehr Zeit für Konzept und Ausprobieren gibt. Urheberrechtsverletzungen und Plagiate sind allerdings super problematisch und ich hab keine Ahnung, wie das gelöst werden soll.“
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„Hoffentlich schmeckt’s auf Dauer langweilig“ / Rinah Lang
Ihre Referenzliste ist länger als ein Halbmarathon. Rinah Lang arbeitete schon für die IG Metall Jugend, die taz, Tim Mälzer und so viele andere. Heute lebt sie in Berlin.
„Die KI beeinflusst den Alltag von uns Illustrator:innen leider sehr stark, weil Kund:innen (die bereits mit uns gearbeitet haben), fertige Bilder hochaufgelöst verfüttern und damit sehr unkompliziert neue Briefings bestücken können. Mit einem künstlerischen Werdegang haben wir zwar in Kauf genommen, weniger abgesichert zu sein, jetzt aber kriegen wir vom Kuchen gar nichts mehr ab, obwohl unsere Zutaten drin stecken. Hoffentlich schmeckt’s auf Dauer langweilig, wenn nur reproduziert wird …“
Findet hier www.signorinah.de mehr zu Rinah Lang heraus // IG @signorinah

„Ich nicht“ / Katharina „Kwittiseeds“ Schmidt
Full disclosure: Ich lebe mit diesem Illustrationstalent unter einem Dach. Ihre unzähligen Zeichnungen haben mehr Soul als mancher Kleinstaat, sie gestaltete Buchprojekte unter anderem für Margarete Stokowski und Ella Carina Werner.
„Wer braucht KI im Illustrationsbereich? Ich nicht. Bei mir sehen die Hände schon immer komisch aus.“
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„Das gab es auch vorher schon“ / Oma
Oma alias Mofabude alias Sabine macht Ausstellungen und Streetart mit Figuren, die oft Vampirzähne tragen. Banksy sieht daneben aus wie eine Kitschpostkarte. Die Künstlerin lebt in Köln, ich besitze mehrere Originalwerke von ihr – und baue auf konstante Wertsteigerung.
„KI ist für mich ein Räuber und ein Dieb. So wie der Kuckuck Vogeleier von anderen futtert und dann sein eigenes rein legt. Das gab es auch vorher schon – nur nicht sooo ultraradikal.“
IG @mofa_bude_

„Wenn das Kätzchenvideo nicht mehr echt ist“ / von Zubinski
Von Zubinski wurde Anfang der 2000er von den Designerinnen Zuni Fellehner und Kirsten Fabinski gegründet und ist Teil der Labor Ateliergemeinschaft in Frankfurt am Main.
„Was sagen wir zur KI-Bilderflut? Spiel nicht mit unseren Gefühlen! Was, wenn dieses süße Kätzchenvideo nicht echt ist? Dann fühlen wir uns manipuliert und betrogen. Wir verlieren Vertrauen. Beim Konsumieren von Kunst wollen wir uns doch mit Menschen verbinden, da geht es um Reibung, Gefühle, echte Erlebnisse, Entwicklung – Wunder spüren! Das geht doch nur, wenn es echt ist!“
Findet hier www.vonzubinski.de mehr zu Von Zubinski heraus // Insta: @vonzubinski

„Mit 240 km/h zum nächsten McDonald’s“ / Christopher Tauber
Christopher Tauber zeichnet neben vielem anderen verantwortlich für den Kultcomic „Motör Eder und sein Truemuckl“, kennen kann man den Frankfurter Künstler aber vor allem auch von seinen „Die Drei ???“-Comics.
„Eigentlich bin ich, was die Furcht vor KI-Konkurrenz auf meinem Berufsfeld, dem Zeichnen und Schreiben von Comics angeht, noch recht entspannt. Dafür ist die Arbeit für die KI-Agenten einfach zu komplex, und für die ganzen Tec-Bros und Hobby-Prompter steckt einfach viel zu wenig Geld im Comic-‚Business‘. Schlechter sieht es da für all meine Kolleg:innen aus, die auf Illustrations-Jobs angewiesen sind, der normale Brotjob für die zeichnende Zunft, der eben auch Comic Artists über Wasser halten kann. Das führt zu privaten und existentiellen Krisen, woraus natürlich wieder schöne Comics entstehen könnten, aber wer weiß, ob Künstler:innen dafür noch Zeit haben, wenn sie jetzt mit Ü40 das Kellnern lernen müssen. Der Beruf Illustrator:in ist ohnehin schon prekär. Mir erscheinen die ganzen Generative KI-Enthusiasten wie die Typen, die darauf beharren, mit 240 km/h über die Autobahn rasen zu müssen, um möglichst schnell zum nächsten McDonald’s zu kommen.“
Findet hier www.piwimonium.de mehr zu Christopher Tauber heraus // IG @piwi_e_neumann

„Mit analogem Aktivismus kontern“ / Amelie Persson
Amelie Persson ist seit den Zehner-Jahren selbständig als Künstlerin. Sie erzählt Geschichten mit Worten und Bildern in unterschiedlichsten Formaten – von der Postkarte bis zur Litfaßsäule. Amelie besitzt schwedische Wurzeln und arbeitet auch unter anderem für das Missy Magazin.
„Donnerstagabend 20:10 Uhr bin ich noch im Atelier und soll ein zeichnerisches Statement zum Thema KI-Bilderflut einreichen. Okay, Schublade auf, Tusche raus, einen Pinsel und einen Wachsstift greifen, Wasserbehälter und dickes Papier.
Ein Portrait in einem Take, noch schnell mit Wasser leicht schattieren, was wegtupfen, fertig. Menschliche Unperfektion ist das Ergebnis. Eine subjektive Wiedergabe eines Bildes, einer Geschichte, eines Geschehnisses. Das ist interessant.
Da die KI kein Mensch ist, sondern ein Recycler gestohlener Bilder, die ihr gefüttert werden, ist sie nicht kreativ. Wer synthetisches Essen mag, findet vielleicht Gefallen an der Ästhetik. Für mich hat sie keinen Mehrwert. Sie basiert auf Datenklau und ist ethisch und ökologisch absolut untragbar.
Ich habe weniger Angst um meinen Job, als vor der Verdummung durch die sich bis ins Unendliche selbst sampelnden Maschine.
Fake-News und Propaganda sind eine Sache. Brain Rot eine andere. Also dem stumpfen Kapitalismus mit analogem Aktivismus kontern: Schallplatte auflegen, zum Buch greifen, mit Kuli Einkaufszettel schreiben und auf dem Balkon Radieschen anbauen. Genauso wichtig: Neben dem Oldschool-Dasein diskutieren, warum die allgemein gehypte KI zur Bildergenerierung problematisch ist.“
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„Augen zu und rauf!“ / Moni Port
Moni Port ist Illustratorin und Autorin, sie gestaltet (Kinder-)Bücher, Siebdrucke, Objekte. In Frankfurt unterhält sie in der Koselstraße 7 das „Studio Soundso“, in diesem Atelier kann man (nicht nur) ihre Kunst kaufen, zudem gibt es immer wieder Lesungen in den Räumlichkeiten.
„Auf Amazon überschwemmen KI generierte Bilderbücher den Markt und führen die Bestsellerlisten an. Oder du kannst dir (wie von Jule Lobo auf Instagram empfohlen!) eine Geschichte mit deinem eigenen Kind als Protagonist erstellen lassen und dann auch noch deine ‚Issues‘ einbauen lassen: ‚Hey, er isst gerade nicht so gut wie früher‘ oder ‚Heut ist er aufs linke Knie gefallen‘. Das Allermeiste ist so grottig und hässlich – und verdrängt trotzdem alles. Aber KI wird immer besser, ich bin auch schon auf einen Buchumschlag hereingefallen (‚Russische Spezialitäten‘ von Dimitrij Kapitelman). Das Frustrierende, KI Illus generieren sich aus unseren Sachen, das ist Diebstahl und Urheberrechtsverletzung.
Da Aufträge wegbrechen und viel weniger Bücher gekauft werden, muss ich mich auch verändern, heißt, ich zwinge mich seit ein paar Monaten auch auf die (Lese-)Bühne. Ich hasse es. Ich möchte eigentlich nur Texte schreiben und illustrieren, Sache ausdenken, aber wie in der Musikbranche ist es eben auch in der Buchbranche: Mit Lesungen ist ein bisschen Geld zu verdienen, also Augen zu und rauf. Heute braucht es überall Performer, dabei ist Malen, Zeichnen oder Schreiben ein ganz anderer Beruf. Kürzlich schrieb jemand einen guten Artikel darüber fürs Börsenblatt ‚Ich bin heiser vom Schreien!‘ hieß es da. So fühle ich mich manchmal auch. Es gibt Stimmen in der Illustrationsszene, die sagen, dass wir ohne Sichtbarkeit (mit uns als Personen) untergehen und verschwinden werden. Aber was, wenn das nicht der eigenen Persönlichkeit entspricht?“
Findet hier www.portschau.de mehr zu Moni Port heraus // IG @portschau // IG @studio_soundso

„Und bei jeder Gelegenheit: Ausdruckstanz“ / Leowald
Über die Comics von dem Kölner Leowald alias Zwarwald habe ich einst schon in der Jungle World gelacht. Dann wurde er mit eigenen Büchern ziemlich berühmt und unterrichtet heute auch bei Ecosign.
„Illustration ist ja immer schon ein Nischenberuf gewesen, jetzt sollen aber 80 % der Designjobs wegfallen (Quelle: irgendwo gelesen), und bei Illustration betrifft das den ganzen Kleinkram, der einen bis vor einem Jahr halbwegs über Wasser halten konnte. Auf dem Cover des katholischen Pfarrbriefs liefen im Dezember 2025 ein paar KI-generierte bunte Hirten in Rückenansicht Richtung Stall, das Kindlein anbeten.
Strategien dagegen könnten sein:
– anspruchsvoller und ‚deeper‘ recherchieren und Inspirationen für das eigene Werk nicht bei TikTok und Pinterest sammeln, sondern an den verrücktesten Ecken: in Bibliotheken, in Museen, auf der Straße, in Omas begehbarem Kleiderschrank. Bei TikTok und Pinterest bedient sich bereits KI und ist bei der Umsetzung um ein Vielfaches geschwinder und billiger.
– unter Leute! Eh gut! Sein Gesicht zeigen, nicht nur auf Social Media. Sich nicht einlullen lassen vom Chatbot-Schmeichelsound sondern sich harsche Kritik von echten Menschen mitten ins Gesicht spucken lassen und dabei nachdenklich schmunzeln: die wollen nur helfen! Und bei jeder Gelegenheit Ausdruckstanz!
– konzeptionelles Denken üben, die KI kann ja in Wirklichkeit gar nix und Meinung hat sie zwar manchmal, aber wessen?
– Haltung zeigen. Also nicht den ganzen Tag weinen, sondern das MENSCHLICHE, Fehlerbehaftete, Beschämende, Nichtperfekte ins Rampenlicht stellen. Niemand liebt den Scheiß-Streber, den Otto Normalverbraucher:innen in der Patsche gehört unsere Liebe. Trendet tatsächlich auch schon: Hingerotztes, analoge Spuren, Gekritzel.
In Zahlen: Meine Aufträge als freiberuflicher Illustrator sind im letzten Jahr auf ein Fünftel geschrumpft. Die verbliebenen Jobs waren sämtlich recht komplex und nur mit enger Absprache in meist kleinen Teams zu stemmen (Spiele, Buchprojekte, CI-Mitentwicklung). Das sind andererseits die Jobs, die den meisten Spaß machen und bei denen ich auch sehr gezielt gebucht wurde, mit meinem ganz persönlichen Stil (d.h. ‚kafkaeske Ulks‘). Weihnachtskarten bestellt niemand mehr.“
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„KI-generierte Bumsschlager sind auserzählt“ / Egon Forever
André Lux alias Egon Forever zeichnet seit frühester Jugend Strichmännchen. Seine Buchbände erschienen unter anderem im Ventil Verlag, dazu unterhält er mit That Lux Good Records noch ein nerdiges Label, er ist Podcaster („Auftrag Kartoffelfilm“) und veröffentlicht regelmäßig Fanzines.
„Das Thema KI beschäftigt mich mehr, als ich eigentlich möchte. Merkwürdig glänzende Kitschbilder im WWW, dem Whatsapp-Status oder auf Plastikkissen bei Tedi besitzen nicht einmal mehr den Charme von trashigem Airbrush an Kirmesfahrgeschäften. Ulkig generierte KI-Bumsschlager sind komplett auserzählt. Auch KI-Texte wirken wie das, was sie sind: Seelenlose Nacherzählungen, kantenlos, gefällig, unangenehm. All das macht mich endgültig zum völlig abgehängten Boomer: Weil mir alles zu unübersichtlich und eklig geworden ist, konsumiere ich nur noch Medien aus den 90ern und 2000ern wie beispielsweise meine alten Skatepunk-CDs und Bücher von Linus Volkmann – und das kann doch niemand ernsthaft wollen!
Und um Armin Hofmann (R.I.P.) von X-Mist zu zitieren: ‚Kunst die ohne Emotionen erschaffen wurde, hat in meinem Leben nichts verloren.‘“

Findet hier www.etsy.com/shop/egonforever mehr zu Egon Forever heraus // IG @egonforever
To be continued …
Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Aber eines muss klar sein: Wir bestimmen ihren Ausgang mit. Unterstützt, teilt oder feiert einfach Illustrator:innen, deren Kunst euch berührt. Ich möchte diese Kolumne immer wieder mal nutzen, um zeichnende Artists – wie hier jetzt geschehen – zu highlighten. Also wenn ihr jemand Tolles mit Stift oder whatever kennt (oder gar seid), schreibt mir kurz via Instagram. Hoch die Farben!








