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Kritik

Mediensatire „Labaule & Erben“ auf Netflix: Print ist tot! (Kritik)

Das unweigerliche Zeitungssterben beginnt mit einem leibhaftigen und herrlich komischem Tod: In der Anfangszene von „Labaule & Erben“, der sechsteiligen Miniserie, die 2018 erstmals im SWR und der ARD ausgestrahlt wurde und seit Januar 2020 auf Netflix im Stream zu sehen ist, rollt der angesehene Verleger Christian Labaule mit seinem ältesten Sohn auf Segways über eine grüne Wiese. Beide sind so in ihr Geplänkel vertieft, dass sie den buchstäblichen Abgrund vor ihrer Nase nicht kommen sehen. Sie rasen ihm entgegen, stürzen hinab, sterben – und plötzlich muss der zweitgeborene Patriarchensohn Wolfram (Uwe Ochsenknecht) als Interims-Verleger ran.

Nicht nur wegen der Beerdigung reist auch seine ausgewanderte, die meisten Anteile am Verlag haltende, von ihrem nun toten Ex-Mann seit Jahren geschiedene Mutter zurück nach Freiburg. Sie will, ganz Geschäftsfrau, fix verkaufen: „Der Journalismus ist so tot wie dein Vater und dein Bruder. Wenn man noch irgendwas für dieses sinkende Schiff bekommen will, sollte man tunlichst schnell verkaufen.“ Dafür müsste sie vorerst selbst Verlegerin werden. Konkurrenz sieht sie in ihrem Sohn Wolfram nicht, der sonnenbadende Feingeist und Tunichtgut habe noch nie Verantwortung übernommen oder irgendwas gerissen. Zum Trotz stellt der sich deshalb eben doch auf und die Verlagsgeschäfte gehen weiter bergab.

Der neue Chef meint es gut: Ganz der naive Kulturschaffende, der er bislang war, schreibt er etwa eine Kolumne über E-Autos. Die Leser feiern sie, die millionenschweren Werbekunden aus der Autoindustrie springen blöderweise ab. Kriegsfotos aus Syrien druckt er trotz Zweifel an ihrer Echtheit ab, weil sie von einer Reporterlegende stammen – und gewinnt prompt einen Preis dafür. Wer hier Parallelen zu echten Vorbildern wie dem Relotiusskandal erkennt, dem sei gesagt: Es gibt in „Labaule & Erben“ noch etliche weitere zur hiesigen Zeitungs- und Kulturbranche.

„Labaule & Erben“: Lustiger als jede Lokalzeitung

Da wäre etwa die Heuschrecke, ein arabischer Investor, der vorgibt, guten Journalismus und gute Zeitungen zu lieben und zu fördern. Da ist das Heiner-Müller-Frank-Castorf-Mashup Heiner Castro, der vor Egozentrismus, Cholerik und Kunstblasen-Dasein kaum einen glaubhaften Satz mit Bodenhaftung rausbringen kann. Da ist der konkurrierende Verlagschef Arne Gaius Prescher, dessen Memoiren „Under Prescher“ heißen und dessen Boulevard-Zeitung „Blick“ als Axel-Springer-Referenz verstanden werden darf, während Labaule mit Sitz in Freiburg dem aus Offenburg stammenden Burda-Verlag oder der Kölner DuMont-Dynastie ähnelt.



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