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„Logan Lucky“-Kritik: „Ocean’s Eleven“ mit Trumps Fanbase

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Der neue Film von Steven Soderbergh (sein erster Kinospielfilm seit vier Jahren, nachdem er sein Werk als Kinofilmemacher für abgeschlossen erklärt hatte) lässt sich in zwei Worten nicht schöner beschreiben: „Ocean’s 7/11“. Was auch dem Film selbst überaus bewusst ist. Genau diese Worte benutzt er in einem Fernsehbeitrag, der irgendwann im Hintergrund über einen Bildschirm flimmert, um den raffinierten Überfall auf die Tageskasse eines NASCAR- Rennens zu beschreiben. An Selbsterkenntnis mangelt es Soderbergh und seiner Drehbuchautorin Rebecca Blunt (hinter dem Pseudonym soll sich Soderberghs Gattin Jules Asner verbergen) nicht: „Logan Lucky“ ist wie Soderberghs „Ocean’s“-Filme, nur dass er nicht in der Welt der Reichen und Schönen spielt, sondern mittendrin im Korb der Bedauernswerten, in der Welt der Rednecks und Hillbillys, die Trump möglich gemacht haben und über die sich Soderbergh trotzdem nicht erhebt.

Daniel Craig wirkt wie Jean-Paul Gaultier bei den Village People

Sein Danny Ocean heißt hier Jimmy Logan (Channing Tatum). Er ist kein Meisterdieb in Armani, sondern ein geschiedener, leicht aus dem Leim gegangener Vater, der gerade seinen Job verloren hat und nun einen Weg finden will, seiner Tochter dennoch eine Zukunft zu bieten. Dafür muss er seinen einarmigen, als Barmann arbeitenden Bruder Clyde (Adam Driver) und den im Knast steckenden Sprengstoffexperten Joe Bang (Daniel Craig lässt ihn aussehen wie Jean-Paul Gaultier als Mitglied der Village People) gewinnen. Und dann gehen, wie es sich für ein Schelmenstück wie dieses gehört, die Probleme los. Kurzum schon mal: ein Riesenspaß, witzig, elegant, anspielungsreich und immer goldrichtig. Waren die „Ocean’s“-Filme noch beseelt von der sehr europäischen Erzählhaltung von Soderberghs Idol Richard Lester, so steht „Logan Lucky“ in der Tradition der Mittsiebziger- Meisterwerke von Michael Ritchie, „Smile“ oder „The Bad News Bears“.

Es ist eine mitten aus dem Leben einfacher Menschen gegriffene Komödie der Irrungen und Wirrungen, deren Herz für die Verlierer schlägt. Man kann den Unterschied auch gut an der Musik ablesen, die der brillante David Holmes beigesteuert hat: Dominierten in den „Ocean’s“-Filmen smarter Mod-Jazz und breitwandiger Chansonpop („L’appuntamento“ von Ornella Vanoni!!!), groovt „Logan Lucky“ auf geerdetem Swamp-Rock, teilweise direkt vom Erzeuger (Creedence Clearwater Revival), mehr noch über den Umweg nach Europa: Die Groundhogs und Screaming Lord Sutch („Flashing Lights“) halten ihre Spielart amerikanischer Rootsmusik bereit. Ironische Distanz und ehrliche Bewunderung halten sich hier die Waage. Und das gilt für den ganzen Film, der hiermit schwerstens empfohlen ist.

Ab dem 14. September im Kino


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