Meditationen & Microchips


Hier sind sie wieder, die kosmischen Kuriere! Musiker verschiedener Couleur, die sich unter dem Banner der "New Age Music" zusammengefunden haben, liefern den neuen Soundtrack zur Verinnerlichung. Sphärische Klänge dienen dabei als akustischer Balsam für gestreßte Großstädter und sollen die verlorene Einheit mit der Natur wiederherstellen. Bezeichnend für das Harmoniebedürfnis des modernen Industriemenschen: Die Müsli-Musik kommt (meist)aus der Maschine.

Die Töne schwingen fast lautlos durch die Luft. Eine ätherische Klaviermelodie entsteht aus dem Nichts und verschwindet wieder. Ruhe. Entspannung, Einkehr. „Mit meditativen Klängen zur Ruhe“ lockt die Zweitausendeins-Ladenkette —- und der Playboy meldet verzückt: „Das völlig neue Glücksgefühl -— mit Tantra zum Orgasmus, „

„New Age Music“ (NAM) nennt sich die Musik zur Bewegung. Unter diesem Slogan verhökert die Plattenindustrie momentan so ziemlich alles, was nach Räucherstäbchen, Sphärenklängen und Verinnerlichung riecht.

Es kam, wie es kommen mußte. Seit kalifornische Hippies Blumen in die Gewehrläufe der Ordnungskräfte steckten, gab es immer wieder Versuche, Konventionen auch im Sinne von Hörgewohnheiten zu durchbrechen. Doch der Wunsch, mit Musik den Klängen der Natur zu folgen und — die verlorene Einheit wiederherzustellen, dürfte genauso alt sein wie die Musik selbst. Und genauso aussichtslos.

New Age Music hat viele Väter. Die meisten aber lehnen das skurrile Baby ab, zumindest ihre deutschen Vertreter. Zu augenscheinlich entpuppt sich NAM als Retortenprodukt, zu eindimensional klingt das, was der Wind von der kalifornischen Westküste herüberbläst.

Doch beginnen wir mit einer Begleiterscheinung. 1982 tauchte auch bei uns ein silbern glänzendes, 524 Seiten starkes Buch auf. Hauptsächlich in abgetakelten Spät-APO-Kneipen wurde der Schinken mit glänzenden Augen herumgereicht. Der Baseler Sphinx-Verlag hatte die Rechte eines amerikanischen Kultbuches erworben und Marilyn Fergusons „Die sanfte Verschwörung -— Persönliche und gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermannes“ auf den deutschsprachigen Buchmarkt geworfen.

Die Autorin begab sich auch eiligst auf Promotion-Wallfahrt und verkündete ihren Entwurf einer neuen Gesellschaft an Studenten-Treffs wie dem Hamburger Audimax. Marilyn Ferguson gehört dabei zu einer größeren Gruppe von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Journalisten, die alle einen „großen Paradigmenwechsel“ noch in diesem Jahrtausend voraussehen.

Die These des uns bald ereilenden „Paradigmenwechsels“ müßte eigentlich selbst die Freak-Brothers zum Lachkrampf treiben. Das Rezept ist denkbar einfach: Ein weltumspannender Wertewandel, vorangetrieben durch bereits bekehrte Jünger, die eine neue Innerlichkeit propagieren, führt in immer breiteren Bevölkerungsschichten, bis hinauf zu den Gipfeln der Macht, zur fundamentalen Kurskorrektur. Immer mehr Menschen streben einem „kosmologischen“ Bewußtsein entgegen, werfen Dogmen und Zwänge über Bord und erleben im Spannungsfeld zwischen Yin und Yang, wie sich eine „neue Ära, ein neues Zeitalter“ anbahnt. Und natürlich gipfelt die Versöhnung in einer großen Tafelrunde, an der sich Politiker aller Länder vereinen, um nur noch dem Wohle der Menschheit zu dienen.

New Age Music, die Musik zur Bewegung, hat ihre stärkste Bastion an der amerikanischen Westküste. Wo auch sonst? Hier beschwören zahllose Magazine und Bücher das neue Zeitalter, Schallplatten mit sanften Klängen werden in rauhen Mengen auf den Markt gebracht.

Ende der 70er Jahre gründete der Gitarrist William Ackermann das kalifornische Windham Hill-Label. Seine Platten und die von Mark Isham, Michael Hedges, Shadowfax und George Winston avancierten schnell zu respektablen Umsatzgrößen. Das kleine Label hat sich mittlerweile mit wirtschaftlichem Erfolg und „weichem Öko-Schall“ auch in Europa einen Namen gemacht. Als Zugpferd gilt der Pianist George Winston, dessen PIANOSOLOS bereits auf Millionen Platten verbreitet wurden. Bevor Winston im letzten Jahr auf Deutschland-Tournee kam, ließ das Plattenfirmen-Info schon Böses ahnen: „William Ackermann war zunächst etwas verärgert, als eine Hausfrau geschrieben hatte, sie könne zu dieser Musik wunderbar Geschirr spülen. Ackermann brauchte einige Zeit, um zu verstehen, daß seine Musik auch in diesem Bereich die allseits gelobte positive Wirkung hinterläßt. „

Wie auch immer — George Winston betrat die Bühne und machte dem Weichspüler-Ruf des Labels alle Ehre. Da glaubte man Augen und Ohren nicht zu trauen: Ein alternder Hippie klimperte — tief übers Piano gebeugt — nichtssagende Melodien, improvisierte Klänge ohne Anfang und Ende. Zu allem Überfluß mußte er auch noch einen akustischen Uralt-Blues klampfen und den Vortrag durch grausliche Mundharmonika-Soli unterbrechen.

Die Label-Politik von Windham Hill — das man getrost als das New Age-Label bezeichnen kann, obwohl sich Ackermann inzwischen von diesem Begriff lieber distanziert — ist geprägt durch drei stilistische Strömungen: das traditionell-akustische Lager wurde bereits erwähnt, wobei sich hier zumindest auf technischem Niveau Gitarrist Michael Hedges hervorhebt. Daneben existiert eine starke Jazz-Orientierung, die der Firma anfänglich eine entsprechende Etikettierung eintrug. Und natürlich gehört dazu auch das experimentelle Lager, das nach neuen Pfaden sucht — zumindest ein positiver Ansatz, der die gesamte New Age Szene verbindet.

Die Attribute, die momentan dem Windham Hill-Label vorweglaufen, sind gleichfalls symptomatisch für NAM. Einige Kostproben: „Zeitlos schöne Musik“, „Sphärenklänge“, „freiheitlich-modernes Klang-Design“, „Der Sound der Stille“, „Frühlingsgefühle“ und „Musik fürs Herz“.

William Ackermann formuliert sein Anliegen so: „Ich versuche immer mein Bestes, um eine bestimmte Gefühlsstimmung einzufangen. Immer suche ich den einen Akkord, der die ganze Atmosphäre widerspiegelt, die ich ausdrücken will.“ Ob man hier nicht Scharlatanen aufsitzt, wenn man etwa die „volksliedhaften, romantischen Melodien und sensiblen Improvisationen“ der Gruppe Shadowfax hört? Instrumentale Biedernis, sanftes Gezirpe von Violinen, Flöten und Glöckchen — das erinnert eher ans Rokoko als an das vielbeschworene New Age.

Zu Mark Isham sei noch gesagt, daß der Multi-Instrumentalist mit der starken Klassik-Orientierung nicht mal zu Unrecht als „neuer Mike Oldfield“ gefeiert wird. Hier zeigt sich das Label jedenfalls von semer innovativsten Seite.

Die Palette der als New Age-Musiker bezeichneten Künstler ist groß und nimmt derzeit noch ständig zu. Dazu gehört zum Beispiel Kitaro, in US-Blättern gern als „Underground-King of New Age“ apostrophiert. Der japanische Musiker malt mit Synthesizern, Gitarren und Percussion akustische Gemälde, deren Wert in der Fachwelt allerdings umstritten ist. In Kalifornien lebt der in Griechenland geborene Isaos. Er widmet sich Naturklängen wie Wind, Regen und Vogelgezwitscher und hat sich in neueren Werken mehr an Synthesizern und elektrischer Flöte versucht. Paul Winter gilt als „Großvater des New Age“. Seit den späten 60er Jahren kombiniert er Jazz und Rock. Esoterisch, und schon wegen der New Age-Geographie naheliegend, wandelt er bisweilen auch auf den Spuren indianischer Musik.

Michael Stearns ist ein weiterer Musiker aus Kalifornien. Stearns bezieht gern prähistorische Instrumente wie eine finnische Folklore-Harfe in sein vielschichtiges Komponieren mit ein.

Einer, der Jahre in Indien lebte, in Deutschland zur Welt kam, hat es heute in den Staaten zu respektabler Größe gebracht: Deuter, seines Zeichens auch Hausmusikant des Bhagwan Shree Rajneesh. Als die Rotröcke ihrem Guru nach Oregon folgten, um dort ein verschlafenes Nest zur Kultstätte für ihren zweifelhaften Führer ausbauten, war die Zeit für Deuter gekommen. Er sattelte eiligst die Pferde und ritt zur amerikanischen Westküste, jenem Mekka für neue Sounds und verspätete Acid-Visionen. Mit Synthesizern, Glocken, Zithern (Ethno-Wave from the Black Forest) und allem möglichen, was da klimpert und klirrt, schickte er sich an, in den Fußstapfen seines Gurus für die akustische Erleuchtung zu sorgen. Die Leichtgläubigkeit der egolosen Bhagwan-Jünger und der Heilslehren-Optimismus der New Age-Jünger stehen ohnehin im kausalen Zusammenhang. Ob rotgewandet oder schlipsdekoriert, ob Hippie oder Yuppie – gelobt sei, was alle nur denkbaren Probleme für lösbar erklärt und einen beruflich oder privat in eine schöne, neue Welt eintauchen läßt.

Die Minimal-Art-Experimente von Steve Reich und Philip Glass setzen im Vergleich dazu noch immer wahre Meilensteine. Auch Brian Eno setzte mit seiner „Ambient Music“ richtungweisende Orientierungspunkte. Nimmt man die verquasten New Age-lnhalte und vergleicht sie etwa mit dem optischakustischen Alptraum-Trip „Koyaanisqatsi“, einem atemberaubenden Bilderstreifen mit der Musik von Philip Glass, dann können einem erst recht Zweifel an der New Age-Bewegung kommen.

Der genannte Film, der immer noch in Programmkinos gefeiert wird, wandert in Ton und Bild hart am Abgrund. Bilder unwirklicher Schönheit, etwa von einem Sonnenuntergang hoch über den Wolken, lösen sich ab mit Katastrophen-Sequenzen, die — ohne ein Wort des Kommentars — gnadenlos die Zerstörung unseres Planeten durch die Zivilisation vorführen. Die elektronischen Sounds vollführen dabei wahre Wunderwerke an musikalischer Illustration und lassen jegliche Sprachmoderation vermissen. New Age Music? Philip Glass würde wahrscheinlich jeden erwürgen, der ihm dieses schwammige Etikett verpassen würde.

Der größte Teil der deutschsprachigen Elektroniker würde dabei wahrscheinlich mit Hand anlegen. Denn auch hier furchtet man NAM wie der Teufel das Weihwasser und setzt sich gegen diese Zwangsetikettierung der Tonträgerfirmen zur Wehr. Zwischen dem faden Geklimper eines George Winston und der letzten Tangerine Dream-LP LE PARC etwa liegen Welten. Edgar Froese, Gründer einer der ältesten deutschen Gruppen, bilanziert: „Viele Gedankengänge der Alternativ-Szene, so gut sie auch gemeint sein mögen, sind absolut daneben, was Neues nur vorspiegelt und längst uralt ist. „

Wer bei Tangenne Dream zu Gast ist, kommt aus dem Staunen nicht heraus. In Berlin-Spandau hat sich Christoph Franke in einem ehemaligen Ballhaus einen wahren Elektronik-Tempel errichtet. Marmorne Fassaden und eine Ballustrade umrunden einen Saal, der mit elektronischem Equipment, mit Manualen, Reglerpulten und Bildschirmen vollgestopft ist. Welche Anknüpfungspunkte lassen sich nun von diesem üppig ausgestatteten Elektronik-Headquarter zu den musikalischen Entwicklungen draußen in der Welt herstellen?

Christoph Franke: „Wir waren stilistisch schon immer in einer ganz eigenen Ecke, unabhängig von Modeerscheinungen und Trends — daran hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert.“

Der musikalische Streifzug wurde zu einer Hommage an die Landschaftsgärten dieser Welt. Froese: „Diese Platte ist gespickt mit neuen Klängen, mit Natursounds und Instrumenten-Klängen, die gar nicht mehr als Elektronik wahrgenommen werden.“

Damit wären formal alle Kriterien zur Aufnahme in die New Age-Szene erfüllt. Doch Froese, der introvertierte Esoteriker der Band, bellt es geradezu wütend heraus, wenn er auf die Meditations-Lehre der Ferguson angesprochen wird:

„Das ist doch ein Riesenbluff. Das weiß man doch zum Beispiel von den Asiaten, daß die heute im geschäftlichen Alltag ihre über Jahrhunderte erworbenen Kenntnisse der menschlichen Psyche dafür verwenden, um dort anreisende, europäische Kaufleute über den Tisch zu ziehen.

Nur deshalb stöbern heute plötzlich die Manager in der Alternativ-Szene hemm. Die wollen doch bloß herausfinden, ob es da nicht irgendwelche fernöstlichen Geistestechniken gibt, mit denen sich die ewig gleichen Ziele des Big Business noch leichter durchsetzen lassen.“

Ein paar Stadtteile weiter, am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer, entsteht derzeit die neue LP von Tri Atma. Seit 1978 existiert diese Formation des Erdenklang-Labels — mit einer Vergangenheit, die vermuten läßt, daß Tri Atma heute eigentlich ein typischer Vertreter zur NAM sein müßte. Weit gefehlt. Die neuen Kompositionen, die irgendwann im Laufe des Jahres veröffentlicht werden sollen, weisen in eine ganz andere Richtung. Da peitschen Drums den Disco-Beat und interessant ineinander verflochtene Harmonien dokumentieren musikalische Intelligenz. Musik für Geist und Körper. New Age Music?

Achim Giseler, Keyboards und Synthesizer: „Die Menschen fragen sich heute inmitten von Mikroelektronik und vollkommen durchorganisierten Lebensformen danach, wo sie selbst stehen. Die Leute wollen wissen, was überhaupt noch an individuellen und sozialen Perspektiven für sie übrig bleibt.

Diese Phasen der Relativienmg beeinflußt natürlich Entwicklungen – wie auch die der NAM. Mich berühren aber nur elementare Entwicklungen, diese Relativierungen, wie auch alle anderen Moden und Trends, ziehen an mir spurlos vorüber. „

Die neuen Songs von Tri Atma beweisen das: Im Gegensatz zur New Age-Szene haben Giseler, Jens Fischer und der Inder Asim Saha altmodisches Brimborium über Bord geworfen und sich auf zeitgemäße musikalische Aussagen konzentriert.

Auch Jens Fischer definiert eine eher eigenständige Entwicklung:

„Ich möchte dieser New Age-Szenerie einmal den Begriff,Phantasie‘ gegenüberstellen. Zu einem Zeitpunkt, wo du mit stereotypen Sounds zugeballert wirst, stellt sich vielmehr die Frage, wie einfallsreich du als Künstler bist, was du diesem Kartenhaus an Oberflächlichkeit eigentlich entgegenzusetzen hast.“

Die Auffassungen seiner Schützlinge kommentiert der Hamburger Musikverleger Ullrich Rützel konsequent. Schon seit 1979 hat er der gängigen Musikproduktion den Rücken gekehrt. Auf seinem Erdenklang-Label erscheinen elektronische Sounds wie „computerakustische Klangsinfonien“ alle geprägt durch eine Label-Philosophie, die mit großen Worten wie „unbegrenzte Kreativität“ und „Musik mit allen Klängen des Universums durch Technologie“ nicht geizt.

O-Ton Rützel: „Wenn man NAM in ihrer Bedeutung wirklich ernst nehmen will, dann gehören die Trophäen nach Deutschland und nicht an die Westküste. Seit Pink Floyd mit UMMAGUMMA die Hörgewohnheiten der internationalen Rockszene revolutionierten, haben gerade hier bei uns Musiker diese Inspirationen aufgegriffen und bis heute kontinuierlich weiterentwickelt. Wenn man da mal an Can, Kraftwerk, Cluster und einige andere erinnern darf… “ Recht hat er.

Rützels Zugpferd, sofern man das in diesen Größenordnungen so nennen kann, sind zwei Soundbastler aus dem österreichischen Linz: Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader.

Und da wird’s rustikal. Pfeiferauchend empfängt einen der Bognermayr vor seinem „elektronischen Försterhaus“, das abgelegen hoch über Linz liegt. Ein Haus mit Tradition. Zwei Generationen Förster bewachten hier Wald und Wild und pirschten sich an Rebhühner und Hirsche heran.

Ganz anders da Bognermayr junior. Der machte schon im frühesten Alter Jagd auf neue Klänge und wurde 1979 auch fündig: Als ein ausgeflippter Typ aus Australien bei der Ars Electronica den ersten Prototyp eines Fairlight CMI der staunenden Fachwelt präsentierte, griff er zu und stellte sich das Wunderding ins traute Heim zwischen Geweihe und Bierhumpen.

Auf dem Album ERDEN-KLANG-SINFONIE demonstrierten Bognermayr und Zuschrader die ungeahnten Möglichkeiten. Die gewonnenen Kenntnisse sprachen sich schnell herum. Trotzdem wunderten sich viele, als eines Abends Mike Oldfield bei Bognermayr an die Tür klopfte und um computertechnische Zusammenarbeit bat.

Und heute? Der Herr Elektronik-Förster verbittet es sich energisch, mit NAM in Verbindung gebracht zu werden: „NAM zeichnet sich eigentlich durch eine harmonische Minimalsltruktur aus. Diese meditative Klangfläche bringt weder einen Fortschritt noch irgend etwas Neues. Bezüge zum Meditativ-Esoterischen gibt es beispielsweise schon beim alten Wagner und seinem ausgeprägten Sinn für Mystik. Diese Einflüsse der Klassik sind aber hauptsächlich im deutschsprachigen Raum in die elektronische Musik eingeflossen. „

Bognermayrs Pläne sind denn auch ungleich phantasievoller als so vieles, was da gegenwärtig als NAM verhökert wird. So plant er verschiedene Workshops: Unter dem Motto „singende Geysire und klingende Eiszapfen“ etwa die Übertragung von akustischen Impulsen, die von einer Himalaya-Expedition via Funk übermittelt werden sollen. Tibetanische Chöre und Sounds von gefrorenen Seelen sollen dann per Computer „interpretiert“ und zu Melodien umgeformt werden.

Doch während sich hier und anderswo durchaus Interessantes ereignet, wird von der Industrie bereits alter Wein in neuen Schläuchen verkauft: Das „IC“-Label des Elektronikers Klaus Schulze veröffentlicht neue Alben nur noch mit einem „New Age MusiC‘-Aufdruck; die Deutsche Grammophon schickt ihr Repertoire von Johann Sebastian Bach bis zu Jean-Michel Jarre ins Rennen: „Music for Meditation“ nennt sich eine 12teilige LP-Serie mit Motto wie „Stille“ oder „Erwachen“ -— der Hörer vermißt darauf eigentlich nur noch Richard Clayderman.

Und während bei uns die ersten alternativen Massagesalons mit NAM ihre Dienste feilbieten, platzte dem Publizisten Hans A. Pestalozzi in seinem Pamphlet „Die sanfte Verblödung“ denn auch der Kragen:

„Liebe New Age-Leute: Kommt von Eurem elitären Roß herunter! Das Neue ist nicht der kosmische Bewußtseinssprung. Das Neue ist die Auseinandersetzung mit den Leuten, die an der Macht sind. Wie diese Auseinandersetzung aussehen wird? Gehen Sie einmal in die sterbenden Wälder -— es ist ein Vorgeschmack…“