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Musikexpress-Radar: Joker

Liam McLean weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. „In letzter Zeit ist alles hektisch“, klagt er. „Ich hänge immer fest, im Studio, in einem Club, im Flugzeug. Ich weiß nicht mal, wann ich das letzte Mal zum BMX-Fahren gekommen bin.“ Der Stress ist dem Erfolg geschuldet: Als Joker zählt der Produzent aus Bristol zu den vielversprechendsten Newcomern der englischen Grime- und Dubstep-Szene. Nach mehreren Singles und EPs, die McLean auf seinem Label Kapsize veröffentlichte, erklärte ihn Pitchfork 2008 zum „Producer of the Year“. Ein Jahr später kürte das US-Elektro-Magazin „XLR8R“ Joker zum „King of Bass Music“. Es folgten Arbeiten für Künstler wie Basement Jaxx und Lady Gaga sowie ein DJ-Slot vor 3 000 Menschen beim Sonar-Festival in Barcelona.

Obwohl Joker erst 22 Jahre alt ist, steht er bereits seit fast zehn Jahren hinter den Turntables. Seine Karriere als DJ und Produzent begann er mit 14 als Mitglied des Grime-Kollektivs Kold Hearted Kru: „Für mich ließen viele der Stücke, die ich damals hörte, etwas vermissen. Ich wollte diesen fehlenden Teil dazufügen, die Musik machen, die ich hören wollte.“ Und die sollte mit Dubstep erst mal nichts zu tun haben: „I didn’t give a fuck about dubstep“, sagt Joker. „Ich wollte mir auch keine Ratschläge von Leuten aus der Szene holen, denn dann hätte ich irgendwann genau dasselbe gemacht wie die, anstatt ich selbst zu sein.“ Nach jahrelanger Studiofrickelei ist Jokers Debütalbum The Vision endlich fertig. Tatsächlich lässt sich die Platte mit ihren bratzigen Bässen und Computerspiel-Samples in keine Schublade stecken. Joker: „Die Musik klingt nach Dubstep meets HipHop meets R’n’B meets Grime meets Funk … falls das Sinn ergibt.“ Keine Sorge, das tut es.


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