Fler ist jetzt Journalist – die wichtigsten Tipps zum Karrierestart

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Willkommen Fler,

Du bist jetzt einer von uns, ein Journalist. Vielleicht sogar der nächste Günter Wallraff. Immerhin hast Du Dich über lange Zeit in eine Szene eingeschlichen, um ihr dann mit einem investigativen Format die Maske zu entreißen. Die erste Episode „Felix Exposed Pt.1“ ist ein voller Erfolg, über 250.000 Views auf YouTube und danach gleich wegzensiert. Schön, dass Du jetzt Teil unserer Branche bist. Und dabei dachten wir immer, Du magst keine Journalisten.

Um Deine ersten Schritte im neuen Leben als wahrhaftiger Journalist zu begleiten, beginnen wir mit wichtigen Punkten aus dem deutschen Pressekodex, dem moralischen Rüstzeug für Deine neue Karriere:

1. Sei sorgfältiger

Der Pressekodex sagt: „Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.“

Die kaputte Uhr am Roten Rathaus. Merkste selber, ne? Dein kleines Missgeschick mit der kaputten Uhr hätte man leicht vermeiden können. Im Fachjargon sprechen wir hier von „Recherche“. Hättest Du bei Google zum Beispiel nach „Uhr Rathaus Berlin“ gesucht oder direkt im Rathaus angerufen, man hätte Dir schnell Auskunft gegeben. Und Deine ansonsten ja sehr von Fleiß und Detailversessenheit geprägte Berichterstattung hätte nicht unter der falschen Theorie mit der Uhrzeit gelitten.

2. Gestehe Fehler ein

„Behauptungen, die sich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.“

Aber dieser Fauxpas mit der Rathausuhr kann zu einer guten Übung für den nächsten Punkt im Pressekodex werden: Fehler in angemessener Weise eingestehen, über seinen Schatten springen und eine Richtigstellung veröffentlichen, nicht nur so einen Halbsatz in Dein Bärtchen murmeln, und die Schuld auf andere schieben.

3. Bleib sauber

„Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.“

Also auf Deutsch: Du darfst Interviewpartner nicht dafür bezahlen, damit sie sagen, was Du hören willst.

https://youtu.be/eQOO_Xeg5VQ?t=6m37s

4. Werbung und Redaktionelles musst du leider trennen

„Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden.“

Fler, hier musst Du ganz dringend nacharbeiten! Vor Deinem Reportage-Video werden die Fans mit einer Werbeeinblendung zu Deinem neuen Album belästigt und während des Clips streust Du immer wieder ein, dass es bald vielleicht auch einen Diss-Track von Dir gibt. Gerade in Zeiten von Native Advertising und Advertorials ist es unabdingbar, dass Du das Publikum Deines Mediums ernst nimmst. Das wäre sonst sozusagen Fake. Ändere das, sonst gibt’s einen öffentlichen Diss vom Presserat, die finden sowas nämlich gar nicht credibil.


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5. Bleib ein Ehrenmann

„Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.“

Wenn man aus Recherchegründen in ein Milieu (hier: Gangster-Rap) eingedrungen ist, fällt es schwer, den Ehrenkompass wieder einzunorden. Versuche in einem ersten Schritt, andere Rapper, deren Mütter und Fans nicht zu grob zu beleidigen und grundsätzlich nicht zu drohen.

6. Vermeide Gewaltdarstellungen

„Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid.“

Bei diesem Punkt nimmst Du bereits jetzt eine Vorbildfunktion für die gesamte Medienlandschaft ein. Den Verzicht auf Gewalt und Brutalität hast Du einfach drauf. Toll, dass Du nicht in der Alex-Oase erschienen bist, um für die schnelle Sensation zu sorgen und diese dann zu dokumentieren. Deine Fans, Leser und Zuschauer hätten die brutalen Bilder wahrscheinlich nicht verkraftet.

7. Diskriminiere niemanden

„Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.“

Kollegah hat einfach dickere Oberarme als Du – und das macht Dich wütend. Wir verstehen das. Aber nur weil Kolle ein Pumper ist, hast Du nicht das Recht, ihn für seine Disko-Muskeln zu diskriminieren. Mit großer Reichweite kommt auch große Verantwortung – und mit einer großen Salat-Allergie eben ein großer Bizeps. Dafür kann niemand was.

Kodex und Moral sind wichtig, aber noch lange kein Garant für spannende Beiträge. Deshalb haben wir auch noch einige praktische Tipps für die professionelle Aufbereitung Deiner exklusiven Informationen:

 

8. Komm auf den Punkt

Komm schneller auf den Punkt! Wer Sätze wie „Ich will gar nicht lange quatschen“ benutzt, sollte sich auch daran halten – tut es aber oft nicht. Und wer eine „direkte Ansage an dich, Kollegah“ machen will, der sollte sich vor allem vorab darüber im Klaren werden, was eigentlich die Kernaussage seines Appells sein soll. In „Felix Exposed Pt.1“ könnte sich das, was Du vermutlich die ganze Zeit sagen willst, in Minute Nummer 16 verstecken. Dort heißt es: „Digga, Du bist Fake.“ Und eine Minute später: „Schreib mir doch jetzt bei Twitter, wo und wann ich sein soll.“ Da wird es schon fast philosophisch, denn wer sich nach „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ auch die Frage „Wann soll ich sein?“ stellt… der beweist, dass ein echter Feingeist hinter der harten Fassade steckt.

9. Videos müssen gut aussehen

Ja, okay: YouTube und Facebook – da sind die Erwartungen an Videos vielleicht nicht ganz so hoch wie im klassischen Fernsehen. Aber nur weil Du im Internet publizierst, solltest Du nicht sämtliche Ansprüche an Qualität über Bord werfen. Hochkant gehaltenes Handy, Shaky-Cam, hallender Ton: Fler, das ist so nicht sendefähig.

10. Und tja… beachte die Rechtschreibung

Vorab ein Kompliment: Seit Deinem letzten Versuch als Schreiberling hast Du Dich hier deutlich verbessert. Aber es gibt immer noch ein paar kleine Schwachstellen, derer Du Dich annehmen solltest: Kommasetzung ist und bleibt Dein Kryptonit. In der Beschreibung Deines „Felix Exposed“-Videos schreibst Du zum Beispiel: „Um nichts zu verpassen abonniert hier kostenlos den Fler Channel“ – das ist so leider nicht ganz richtig, Fler. Verwendest Du eine finale Infinitivkonstruktion, musst Du sie mit einem Komma abtrennen. Außerdem: Komposita immer koppeln! Richtig würde es also heißen: „Um nichts zu verpassen, abonniert hier kostenlos den Fler-Channel“.

Üben, üben, üben – dann klappt es auch mit dem neuen Beruf

Lieber Patrick, Fler, Carlo, Frank White – wie auch immer wir Dich nun unter uns Journalisten rufen dürfen. Falls Du das liest, nimm es nicht zu schwer. Es ist noch kein Autoren-Boss vom Himmel gefallen. Schick uns gerne eine Nachricht mit Textproben und Lebenslauf, unsere Tür steht Dir offen, Kollege.

tuer

 


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