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Neu im Kino: „Die Wolken von Sils Maria“, das Urkilo und Tommy Lee Jones’ Regiearbeit „The Homesman“

von

„DIE WOLKEN VON SILS MARIA“

Drama – Norwegen, Regie: Olivier Assayas, Darsteller: Juliette Binoche, Kristen Stewart, Lars Eidinger

 

Olivier Assayas’ Reflexion über Kunst und Vergänglichkeit

 

Es zeugt von einer gehörigen Portion Mut, die als „Twilight“-Bella oft geschmähte (in Wirklichkeit aber großartige) Schauspielerin Kristen Stewart in einem ausgewiesenen Arthouse-Drama gegen die große Juliette Binoche anspielen zu lassen. Und fast ebenso viel Chuzpe wird in „Die Wolken von Sils Maria“ von der Französin verlangt, wenn sie als verblassender Schauspielstern der Vergänglichkeit des eigenen Erfolges ins Auge blicken muss. Als Maria Enders hat sie den Weltruhm vor allem ihrer zweifachen Performance in den Theater- bzw. Filmversionen von Wilhelm Melchiors „Maloja Snake“ zu verdanken. Das Stück handelt von dem aufwühlenden Verhältnis zwischen einer älteren und einer jüngeren Frau, das letztlich im Selbstmord der Älteren mündet. Maria ist in Begleitung ihrer sehr viel jüngeren Assistentin Valentine (Kristen Stewart) auf dem Weg in die Schweiz, um im Namen ihres einstigen Mentors eine Ehrung entgegenzunehmen. Als sie von dessen plötzlichem Tod erfährt und gleichzeitig das Angebot erhält, in einer Neuauflage des Stückes diesmal die ältere Frauenfigur zu verkörpern, zieht sie sich zu Vorbereitungszwecken in Melchiors Haus bei Sils Maria zurück. Hier beginnt das Ver hältnis zwischen Schauspielerin und Assistentin zum Spiegel dessen zu werden, was die beiden in langen Lesungen immer wieder proben. In surrealer Atmosphäre muss Maria schließlich erfahren, dass mit Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) ein aufstrebendes YouTube- und Celebrity-Phänomen die einst ihr zugedachte Rolle der Jüngeren verkörpern soll. Als Film über die Kino- und Theaterwelt und jene, die sie bevölkern, ist das Werk mit seinen vielschichtigen Bedeutungs-, Zeit- und Metaebenen eine ziemlich verkopfte Angelegenheit, deren Funktionieren vor allem dem Drehbuch des Film-im-Film-erfahrenen Olivier Assayas („Carlos – Der Schakal“) zu verdanken ist. Irgendwo zwischen Ingmar Bergmans „Persona“ und der eigenen „Irma Vep“ lässt er den Filmstoff zum Experiment am lebenden Objekt werden. Indem er seine Hauptdarstellerinnen ganz realiter in jene Situation wirft, die sie filmisch doppelt zu spiegeln haben. Als Frauenpsychogramm zum nebenher Konsumieren taugt das freilich nicht. Als eine Art filmisches Möbiusband geraten „Wolken“ aber zur inspirierenden Reflexion über die Vergänglichkeit (Text: Christopher Büchele)

AUßERDEM NEU IN DEN KINOS UND MIT EINEM EIN-SATZ-SCHNELLCHECK AUFGEFÜHRT:

1001 GRAMM

Bekannte Namen: –

Die Suche nach dem Urkilo führt nach Paris

Gehen wir rein… weil Bent Hamer seiner Leidenschaft für das Skurrile in diesem Film treu bleibt.

NACHTS IM MUSEUM 3: DAS GEHEIMNISVOLLE GRABMAL

Bekannte Namen: Ben Stiller, Robin Williams, Owen Wilson

Ein Nachtwächter in einem Museum sieht sich erneut übernatürlichen Mächten ausgesetzt.

Gehen wir rein… um auch bei der Fortsetzung am Ball zu bleiben.

SERENA

Bekannte Namen: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Rhys Ifans

Die eigene Gier sowie der Neid der anderen lässt eine eigentlich so leidenschaftliche Ehe bröckeln.

Gehen wir rein… um zu schauen wie Susanne Bier das Boston 1929 umsetzt.

THE HOMESMAN

Bekannte Namen: Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Miranda Otto

Ein Western mit starken Frauen und dem raubeinigen Tommy Lee Jones.

Gehen wir rein… weil es in diesem düsteren Film von Tommy Lee Jones tatsächlich auch Humor zu finden gibt.


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