Neu im Kino: Spider-Mans kleiner Bruder aus Dänemark und jede Menge deutscher Filmförderproduktionen

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Film der Woche: „Ant Boy“

Komödie – DK 2013, Regie: Ask Hasselbalch, Darsteller Oscar Dietz, Nicolas Bro, Samuel Ting Graf

„Captain America“ mag die besseren Superkräfte, das höhere Budget und die imposanteren Action-Setpieces haben, mehr Charme aber hat sein kleiner Bruder aus Dänemark. Wobei jener eher etwas mit dem ebenfalls in den Starlöchern stehenden „Spider-Man“ zu tun hat, dessen bissiger Herkunft man in diesem dänischen Jugendfilm aber mit den Mitteln von „Kick-Ass“ beikommt. Sprich: Ohne die Gewalttätigkeit und den schwarzen Humor der Vorbilder, dafür mit einer dicken Portion Underdog-Charme und einem unwahrscheinlich nerdigen Helden, der endlich auch mal im richtigen Alter für das (keinesfalls ausschließlich!) jugendliche Zielpublikum ist.

Der 12jährige Pelle ist nämlich das typisch schüchterne präpubertäre Mauerblümchen, das Superhelden eigentlich nur aus Comics kennt. Bis er von einer genmanipulierten Ameise gebissen wird und Superkräfte der etwas anderen Art entwickelt. So kann er plötzlich nicht nur Wände hochlaufen und kräftig austeilen, er verfügt auch über wahnsinnig ätzenden Urin. Fähigkeiten, die ihm nicht nur in der Auseinandersetzung mit nervigen Lehrern behilflich sind. Nachdem ihm sein größter Fan und Sidekick Wilhelm das passende Kostüm geschneidert hat, geht es schließlich auch gegen größere Kaliber: Namentlich den größenwahnsinnigen „Floh“, der zur Gefahr für die gesamte Menschheit zu werden droht.

Wie wir das vom skandinavischen Kinderfilm nicht anders kennen, paart das Ergebnis anarchischen Geist mit pädagogisch wertvoller Botschaft, ist sich aber nie für den ein oder anderen derben Spaß zu schade. Was alleine in der dänischen Heimat mit (für dortige Verhältnisse unglaublichen) 150.000 Zuschauern honoriert wurde und bereits grünes Licht für eine Fortsetzung erhalten hat. Nicht nur die amerikanischen Kritikerkollegen haben es ganz richtig erkannt: Spidey und Co müssen sich im Angesicht dieses Helden warm anziehen …

Außerdem neu in den Kinos und mit einem Ein-Satz-Schnell-Check aufgeführt:

Bank Lady
Bekannte Namen: Christian Alvart, Nadeshda Brennicke, Charly Hübner
Nach dem Schweiger-„Tatort“ Alvarts nächster Versuch, stylisches US-Kino auf Fernsehniveau zu trimmen – mit der wahren Geschichte einer deutschen 60ies-Bonnie.
Gehen wir rein… weil Sixties-Flair und die Brennicke zumindest visuelle Anreize setzen.

Love Steaks
Bekannte Namen: (Noch) nicht.
Eindrucksvolles, authentisches und klischéefreies Spielfilmdebüt über eine gegensätzliche Liebe unter den Angestellten eines Luxushotels
Gehen wir rein… weil hier ausnahmsweise mal nicht gefördert, sondern stattdessen experimentiert wurde.

Westen
Bekannte Namen: Christian Schwochow („Die Unsichtbare“), Alexander Scheer
Anspruchsvolles Drama über den Westen und seine Enttäuschungen für eine DDR-Aussiedlerin.
Gehen wir rein… weil uns der deutsche Feuilleton dazu zwingen wird.

Zwischen Welten
Bekannte Namen: Feo Aladag, Ronald Zehrfeld
Auf der Berlinale eher durchgefallenes Afghanistan-Drama um einen deutschen Soldaten und seine Freundschaft mit seinem dortigen Dolmetscher
Gehen wir rein… damit die deutschen Filmfördergelder wieder reinkommen.


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