Neu im Kino: „Wacken 3D“, ein Berlinale-Gewinner und ein Gangster-Epos im Martial-Arts-Stil

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Film der Woche:

„Wacken 3D“

Deutschland 2014, Regie: Norbert Heitker, mit Henry Rollins, Alice Cooper

Denim and Leather: Ein schöneres Denkmal könnte das 3D-Kino dem Metal-Festival Wacken nicht setzen.

„Ich müsste müde sein, aber ich stehe immer noch unter Strom.“ Weise Worte des Großen Vorsitzenden Lemmy Kilmister, der in seinem anno dunnemals geschriebenem Glaubensbekenntnis „Motörhead“, das wankelmütige Wesen des Heavy Metal formulierte: den Furor und die Fahrlässigkeit, das Gasgeben und die Gelassenheit.

Es beschreibt auch ganz gut die Essenz des Wacken Open Airs, alljährlicher Ringelpiez mit Headbangen im Norden der Republik. 25 Jahre nach seiner Gründung ist es zur Pflichtveranstaltung geworden, für die letzte rockmusikalische Spielart, die noch für verlässliche Verkäufe von physischen Speichermedien sorgt. Aber Heavy Metal ist nur das ganz große Dach, unter dem man sich jeden Sommer trifft, um drei Tage lang in beeindruckender Beliebigkeit dem harten Riff zu frönen. Von Rammsteins teutonischem Mummenschanz bis zum Rentner-Jam von Deep Purple, von Ragnaroks dickdarmigem Dröhnen bis zu Doro Pesch, der Mutter Courage des Genres – irgendwie egal, worum es der einzelnen Band gehen mag – es versendet sich im White Noise der Veranstaltung, die am Ende exakt das bietet, was sie verspricht: Ein Get-Together Gleichgesinnter, die musikalische Überraschungen meiden wollen.

Es ist, freundlicher formuliert, gelebte Demokratie, ohne dass einem gegelte Anzug-Fuzzis den Spaß verderben können. „Wacken 3D“
ist so etwas wie eine autorisierte Biografie, dankenswerter Weise nicht von oben herab erzählt. Der Film ist guter, konventioneller Standard, in 3D – dabei aber elektrisiert vom wuseligen Treiben, das er in blitzsauberen Konzertausschnitten, Interviews und Alltagsszenen aus Wacken dokumentiert. Interessanter als das, was der Film zeigt, ist, wie die Dokumentation enstanden ist: als irrwitziges Unterfangen einiger ehrlich Überzeugter um den Kameramann Tomas Erhart, die anrückten, um sich von Wacken verschlingen zu lassen und trotzdem nicht unterzugehen.

Norbert Heitkers Doku musste selbst Heavy Metal werden, um von Heavy Metal erzählen zu können, vom White Line Fever und vom Nicht-schlafen-bis-der-Hammerschmied-kommt. Oder wie Lemmy es formulieren würde: „Ich krieg nicht genug, aber es ist ordentlicher Stoff, geht ab wie die Preise zur Weihnachtszeit.“

 
AUßERDEM NEU IN DEN KINOS UND MIT EINEM EIN-SATZ-SCHNELLCHECK AUFGEFÜHRT:

FEUERWERK AM HELLICHTEN TAG

Bekannte Namen:

Berlinale-Gewinner, der sich als Krimi-Thriller um eine bizarre Mordserie in China dreht.

Gehen wir rein… , weil dieser Goldene-Bär-Gewinner jeden Preis wert ist.

THE RAID 2

Bekannte Namen:

Ultrabrutales Gangster-Epos im Martial-Arts-Stil.

Gehen wir rein… weil er extrem stilvoll inszeniert ist – trotz der extremen Gewaltszenen.

VIEL LÄRM UM NICHTS

Bekannte Namen:

Shakespeare-Adaption, die Regisseur Joss Whedon im eigenen Haus inszenierte.

Gehen wir rein… um entspanntes Sommerkino zu erleben.

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 2

Bekannte Namen:
Fortsetzung des Animationsabenteuers um den Drachenreiter Hicks.

Gehen wir rein… wegen der großen Effektshow.


Coming Soon: Neue Alben, die 2020 erscheinen oder schon erschienen sind
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