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Primavera Sound Festival 2019: Der perfekte Moment für Gender-Equality

Erykah Badu, Future, Interpol, Cardi B, Janelle Monáe, Tame Impala, Solange, J Balvin, Rosalía – auch so können die Headliner eines großen Festivals 2019 aussehen. Stilistisch breit und vielfältig durchmischt, ja, aber ist jemandem noch was Anderes aufgefallen? Eben, mehr als die Hälfte der genannten Künstler sind Frauen. Das Primavera Sound Festival in Barcelona ist damit das zweite große Multigenre-Festival, nach dem Iceland Airwaves im November 2018, das zeigt, dass es eben doch geht mit der Gender-Equality auf Festivals.

Mehr als 50 Prozent der 226 Künstler, die in diesem Jahr im Parc del Fòrum in Barcelona auftreten werden, sind Frauen und Genderqueer-Künstler – Teil jener Gruppe also, die bisher auf anderen internationalen Bühnen nach wie vor peinlich unterrepräsentiert ist. Wie groß die Ungleichheit immer noch ist, konnte man in den vergangenen Monaten auch an den ersten Künstlerankündigungen der großen deutschen Rockfestivals wie Hurricane und Southside sehen.

Eigentlich liegt es nah, dass nun ausgerechnet die Macher des Primavera Sound diesen Status Quo unter Beschuss nehmen. Das spanische Festival gilt als hipstes Festival Europas. Jedes Jahr glänzt das Booking dort nicht nur mit einer beeindruckenden Breite von Rock und Pop, über HipHop und Reggaeton bis zu Jazz und Electronica, sondern auch mit einem sicheren Gespür für Newcomer und Trends. Trotzdem lag der Frauenanteil bis zum vergangenen Jahr auch hier nur leicht über dem Durchschnitt. Das Online-Magazine „Pitchfork“ hatte 2018 nachgezählt: Bei den 20 größten Festivals standen gerade mal 19 Prozent weibliche Acts auf der Bühne (30 Prozent, wenn man gemischte Bands, mit mindestens einem weiblichen Mitglied, mitrechnet).

Kooperation

Um das zu ändern, schlossen sich 2018 Festivals der Initiative Keychange an. Mittlerweile haben sich fast 45 Festivals und 100 Konferenzen aus dem Popkultur-Bereich freiwillig dazu verpflichtet bis 2022 auf eine Fifty-Fifty-Verteilung hinzuarbeiten. Das Primavera Sound gehört nicht zu den Unterzeichnern, geht nun aber trotzdem schon einmal mit gutem Beispiel voran.

„Wenn wir die beste Musik der vergangenen Monate nach Barcelona holen wollen, dann ergibt sich eine Gender-Equality fast von allein“

„Wir hatten einfach das Gefühl, dass jetzt schon der perfekte Moment dafür ist“, sagt Marta Pallerès, Sprecherin des Primavera Sound Festivals. „Wahrscheinlich hätten wir das schon längst umsetzen sollen. Auf jeden Fall wollen wir aber nicht noch länger abwarten. Weibliche Popkünstler waren so wichtig für das Jahr 2018. Mindestens die Hälfte der besten Alben kam von Frauen, wahrscheinlich sogar mehr. Janelle Monáe, Cardi B, Christine and the Queens, Rosalía und viele mehr waren auf so gut wie allen wichtigen Bestenlisten. Und das bedeutet für uns: Wenn wir die beste Musik der vergangenen Monate nach Barcelona holen wollen, dann ergibt sich eine Gender-Equality fast von allein. Es wäre fast unmöglich gewesen, es anders zu machen.“

Dazu passt das Motto das diesjährigen Festivals: „the new normal“. Drei Worte als die Idealvorstellung, dass man über das Thema Gender-Equality bestenfalls gar nicht mehr diskutieren muss, weil ausgeglichene Line-ups Normalität geworden sind – dass zwischen all der guten Musik niemandem mehr auffällt, wie viele Frauen auf diesem oder jenem Festival spielen, so wie früher ja auch vielen nicht aufzufallen schien, dass es so verdammt wenig sind. Fifty-Fifty als Normalität.

Da stellt sich natürlich auch die Frage: Warum haben die Primavera-Macher das Line-up nicht einfach veröffentlicht, ohne explizit auf die mehr als ordentliche Frauenquote hinzuweisen (wofür sich 2018 zum Beispiel das Berliner Popkultur Festival entschied)? „Wir wollen nicht dafür gelobt werden, dass bei uns so viele Frauen spielen. Wir finden wirklich, dass es normal sein sollte. Aber wir haben auch das Gefühl, dass es immer noch wichtig ist, unser Publikum darauf aufmerksam zu machen und sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Es ist ja das erste Mal, dass wir das hinbekommen haben. Darauf sind wir stolz. Und uns ist bewusst, dass es eben, weil wir es kommunizieren, eben auch keinen Weg zurück gibt. Dass das Line-up im nächsten Jahr wieder so ausgeglichen wie möglich ist – das ist unser erklärtes Ziel.“

„Gender-Equality auf Festivals geht, wenn man es will“

Wenn man sich das Primavera-Line-up anschaut, fragt man sich warum es den Booking-Teams so vieler anderer Festivals immer noch so schwer zu fallen scheint. „Ich würde immer sagen: Es geht, wenn man es will. Vielleicht braucht es ein bisschen mehr Zeit, weil viele Booking-Agenturen weniger Frauen betreuen, und die Suche länger dauert“, sagt Marta. „Natürlich ist es für Festivals, die sich auf bestimmte Genres wie zum Beispiel Heavy Metal und Rock fokussieren oft tatsächlich schwerer. Ich bin mir sicher, dass in diesen Fällen große ökonomische Ängste mitschwingen. Unser Vorteil ist, dass wir ein so eklektisches Line-up haben.“

Und tatsächlich dürfte auch in diesem Jahr wieder für alle Musikfans etwas dabei sein. Zu den sehr unterschiedlichen Sounds der Headliner kommt nämlich noch eine Vielzahl von weiteren Künstlern: James Blake, Deerhunter, Robyn, FKA Twigs, Danny Brown, Pusha T, Mac DeMarco, Modeselektor und Carly Rae Jepsen, zum Beispiel. Außerdem zeigt das Primavera Sound wieder eine geschmackssichere Mischung aus alten Indie-Helden und neuen zeitgemäßen Trends: Es spielen Nas, Primal Scream, Liz Phair, Suede und Jarvis Cocker, Stereolab sogar zum ersten Mal gemeinsam sein 2009, ebenso wie interessante Newcomer: Slowthai, Peggy Gou, Tierra Whack, Snail Mail und 070 Shake, um nur einige zu nennen. Und dann sind da ja noch die vielen Neuentdeckungen, von denen man jetzt vielleicht noch gar nichts weiß und für die das Festival in Barcelona immer gut ist: Weil man ohnehin nicht alle guten Acts sehen kann, fängt jeder kluge Festivalbesucher irgendwann an sich treiben zu lassen.

Das Primavera Sound findet vom 31. Mai bis 1. Juni 2019 in Barcelonas Parc del Fòrum statt. Das gesamte Line-up findet Ihr hier. Tickets könnte Ihr hier kaufen. Ein „Full Festival Ticket“ etwa kostet aktuell 195 Euro.


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