Reaktionen zum Weinstein-Skandal: „An alle, die es wussten und zuließen: Fickt Euch!“

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Am Montagmorgen wurde bekannt, dass Harvey Weinstein von seiner eigenen Produktionsfirma (und damit auch von seinem Bruder Bob) gefeuert wurde. Harvey Weinstein, 65, gründete vor Jahrzehnten die Filmproduktion Miramax und Mitte der 2000er The Weinstein Company. Er gehörte zu den einflussreichsten Personen der Filmindustrie, gewann Oscars als Produzent und trieb beispielsweise die Karrieren Matt Damon und Quentin Tarantino voran. Nun fällt Harvey Weinsteins Karriere aufgrund von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs in sich zusammen.

Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte die „New York Times“ einen Artikel, in dem acht Frauen behaupteten, in der Vergangenheit sexuell von Weinstein belästigt worden zu sein. Des Weiteren sollen die Frauen Geldangebote bekommen haben, damit sie über Weinsteins Taten Stillschweigen bewahren, was einige von Weinsteins mutmaßlichen Opfern auch taten. Besonders bizarr: Der Produzent habe 2007 vor einer TV-Reporterin masturbiert, nachdem er mit einem Kussversuch gescheitert ist. Weinsteins prominenteste Ankläger sind die Schauspielerinnen Ashley Judd und Rose McGowan („Charmed“), die laut eigenen Angaben 1997 von Weinstein belästigt wurde – 100.000 US-Dollar bekam McGowan später als Schlichtungssumme.

Rose McGowan.

Weinstein wandte sich mit einem verstörenden Statement an die „New York Times“: Er sei die Umgangsformen aus der Arbeitswelt der 60er und 70er gewohnt, wollte damit sein sexistisches und aufdringliches Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen und Darstellerinnen relativieren. Die konkreten Vorwürfe, bei denen es auffallend oft um Situationen geht, in denen Weinstein Personal in seine Hotelzimmer bestellt und dort im Bademandel nach Massagen fragte, dementierte er allerdings. Wie ein Geständnis wirkt allerdings seine Ankündigung, in eine Therapie gehen zu wollen.

Meryl Streep nannte ihn einen „Gott“

Weinsteins Anwältin legte das Mandat nach Beginn der mutmaßlichen Enthüllungen nieder, etliche Stars und Meinungsmacher der Filmbranche distanzieren sich mittlerweile von dem Mann, den Meryl Streep einst einen „Gott“ nannte. Nun gehört Streep zu den vielen Show-Größen, die sich gegen den einst mächtigsten Mann in Hollywood stellen. Streep veröffentlichte ein Statement via „Huffington Post“, in dem sie von „beschämenden Neuigkeiten“ spricht. Streep weiter: „Die furchtlosen Frauen, die ihre Stimmen erhoben haben, um diesen Missbrauch zu enthüllen, sind unsere Heldinnen“.

Auf Twitter wird Weinstein gerade förmlich auseinandergenommen. Regisseur Kevin Smith schämt sich dafür, dass er 14 Jahre lang von Weinstein finanziert wurde, während andere durch dessen Taten leiden mussten. Auch Marvel-Star Mark Ruffalo und Julianne Moore lobten die Frauen, die in der „New York Times“ die Stimme erheben und verurteilten Harvey Weinstein aufs Schärfste. Regisseur James Gunn („Guardians of the Galaxy“) legte den Finger aber noch in eine andere Wunde.

Gunn kreidet nicht nur das Verhalten Weinsteins an, sondern auch dessen Helfer. Immerhin scheinen diverse Anwälte und Weggefährten in den vergangenen Jahrzehnten dabei geholfen haben, Weinsteins Vergehen zu vertuschen. Frauen wurde mutmaßlich viel Schweigegeld gezahlt, Anwälte setzten entsprechende Vereinbarungen auf. Die Industrie selbst muss sich aktuell hinterfragen, ob sie die vielen Gerüchte über Weinsteins sexuell aggressives Verhalten nicht ernst genommen hat oder sich im Kollektiv zum Schweigen entschied. Viele weibliche Darstellerinnen, darunter auch Meryl Streep und Helen Mirren, erklärten, dass es immer wieder Gerüchte und Anekdoten um Weinstein gab – einen Vorwurf wollen sie viele Branchenkenner daraus aber nicht stricken lassen.

Schauspielerin Jessica Chastain schrieb nun sogar auf Twitter, dass sie „von Anfang an gewarnt gewesen sei“.

Rose McGowan, die in den vergangenen Tagen zur lautesten Stimme gegen Weinstein wurde, ruft die Industrie dazu auf, „das Monster nicht wieder auferstehen zu lassen“. Weinstein hat kurz vor seinem Rauswurf bei seiner eigenen Produktionsfirma verschiedene Unternehmen angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Das Schreiben landete im Internet und zeigt die Verzweiflung des ehemaligen „Gottes“, der vielleicht zeitnah vor Gericht stehen wird.

Noam Galai WireImage

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