Highlight: Diese 9 Rap-Videos sind in die Geschichte eingegangen

Album der Woche

Chefket Alles Liebe (Nach dem Ende des Kampfes)


Vertigo Berlin/Universal  (VÖ: 17.8.) 

Worum geht’s? Beim Rap eine nicht unwesentliche Frage. Auf ALLES LIEBE (NACH DEM ENDE DES KAMPFES) geht es, Überraschung, um die Liebe. Aber auch ums Über-die-Runden-Kommen. Ums Tanzen und Feiern. Ums Arbeitsamt und ums Kiffen. Darum, eine Familie durchzubringen und es sich trotzdem gut gehen zu lassen. Es geht also auf dem zweiten Album von Chefket um nicht weniger als das Leben. Schlichter Satz, aber im deutschen Rap immer noch nicht nur eine Seltenheit, sondern geradezu eine Provokation.

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Eigentlich ist Chefket ein Liedermacher

Aber eben eine ganz andere Provokation, als man sie sonst kennt aus dem Rap. Doch so mild der Blick ist, den Şevket Dirican, geboren und aufgewachsen in Baden-Württemberg, auf sein Leben und seine Wahlheimat Berlin wirft, so genau und sezierend ist er auch. Niemand im deutschen HipHop setzt sich so differenziert und hintergründig damit auseinander, was wir uns angewöhnt haben „migrantischen Hintergrund“ zu nennen – gerade weil das Leben zwischen zwei Kulturen stets wie eine Hintergrundfolie unter den eleganten, wie selbstverständlich fließenden Reimen liegt. Und nur punktuell explizit verhandelt wird wie in „Fremd“, in dem Chefket in die Rolle eines türkischen Arbeitsimmigranten erster Generation, vielleicht seines Vaters, schlüpft.

Am Ende des Songs stellt der Protagonist resigniert fest: „Ich bleibe hier lieber fremd.“ Manchmal kann einem ein Song mehr über gesellschaftliche Wirklichkeit vermitteln als alle Studien. Es wird ihm selbst nicht gefallen: Aber eigentlich ist Chefket ein Liedermacher, ein Seismograph des Lebens, nur dass er nicht die Klampfe spielt, sondern seine Beobachtungen lieber in Beats verpackt. 

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