Crucchi Gang – OMBRELLONI & GRU: Deutscher Pop auf Italienisch

Francesco Wilking schickt diesmal sogar David Bowie in den ­Italo-Pop-Urlaub.

Ist Major Tom womöglich gar nicht verloren gegangen im Weltraum, sondern in der Toskana notgelandet? Das ist jedenfalls leicht zu glauben, wenn die Crucchi Gang ihr neues Album OMBRELLONI & GRU mit ihrer Version von „Space Oddity“ eröffnet. Kaum sind die vier Minuten „Ragazzo Solo Ragazza Sola“ vorbei, kann man sich kaum vorstellen, dass David Bowie sein berühmtes Lied jemals anders gemeint haben könnte als als Italo-Popsong.

Das ist nun mal der Trick des Projektes von Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn, ­Tele): Bekannte Songs aus allen denkbaren Genres, am liebsten aus der deutschen Popgeschichte, nicht nur ins Italienische zu übersetzen, sondern auch in geschmeidige Italo-Pop-Gassenhauer zu verwandeln. So bleibt das Bowie-Cover eine internationale Ausnahme, danach darf Paula Carolina ihr eigenes „Wärs ok?“ als „Ti sta bene“ in einen luftig-leichten Sommerhit verwandeln, der rappelig-rüpelige „Filter“ von Anda Morts wird zum erstaunlich eleganten „Filtro“, und Fettes Brot sind zu Gast, um ihre „Manuela“ endgültig in Speiseeis zu ertränken.

Nicht immer sind die Originale anwesend, um in den Urlaub geschickt zu werden, aber Ideals „Blaue Augen“ ist bei Fil Bo Riva in guten Händen. Sven Regener verneigt sich mit stimmlicher Mühe vor Hildegard Knef („Für mich soll’s rote Rosen regnen“ wird zu „Mille rose“), und zum Dessert dann „Oggi Qui Domani La“, ja genau: „Heute hier, morgen dort“. Auch Hannes Wader war nicht zu gewinnen, dafür singt Clavdio mit ähnlich angerauten Stimmbändern. Einfach toll!

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