Ikkimel – „POPPSTAR“: Wut als Kunstform
Hyper-Rap mit grandiosen Texten und allerhand Fotzigkeit.
Was Ikkimel mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums Fotze vor einem Jahr geleistet hat, kann frau ihr gar nicht hoch genug anrechnen. Selten habe ich in meinem Freundinnenkreis ein derart kollektives Aufatmen und Durchdrehen im erleichterten wie überbordenden Sinne wahrgenommen wie durch dieses Gegen- und Umkehrschubwerk. Ich sage das übrigens als jemand, der ihre Mutter sein könnte. Ich bin keine Anhängerin künstlerischer Vorsicht. Meine Generation hat sogar in der Riot-Grrrl-Bewegung zu sehr auf Opfertum gesetzt. Meine Meinung. Jetzt kommt Poppstar – und wie.
14 Tracks, alle relevant, wenn auch schnell rausgehauen, wie mir scheint. Macht nix. Warum? Weil es nur am Rande um musikalische Innovation geht. Es geht ums Rausballern von Haltung und Wut. Und um das aggressive „So, das kriegst du zurück“. Mit „Was Jetzt“ gibt sie den Zweifler:innen an ihrer Kunst gleich zu Beginn eins auf die Fresse. Ein echtes Meisterwerk folgt mit „Facesitting“: „Wenn du Nagellack trägst, ist das auch sehr schön für dich, aber für mich heißt das trotzdem, dass ich nicht mit dir fick.“ Ein Satz, ein Abräumen. „Schere“ preist lesbischen Sex, „Whos Dat“ drängelt sich durch die Closed Door der HipHop-Macker: „Gangsta-Rapper haben ihre Eier rasiert, aber fangen an zu zittern, hören sie das Wort queer“.
Und „Wanderhure“ ist ihr musikalisches Tourtagebuch des letzten Jahres. Ikkimel ist eine fantastische Texterin. Und sie ist saukomisch. Money ist Macht – das ist ein Dauerthema hier. Und der einzige Punkt, an dem mir ein kleines „Na ja“ entfährt. Allerdings – wenn dieses Machtinstrument entsexualisiert wird, bleibt so manchem Dödel-Dude kaum mehr Baggerspielraum. Insofern …Wie heißt es in „Kink“: „Friede, Freude, Eierkuchen, geh mal deine Eier suchen!“ Die Albtraum-Alte Alice Schwarzer wertete Ikki vor einigen Wochen öffentlich ab, ruderte nun aber zurück. Das ist natürlich egal, aber bezeichnend. „Jetzt wird Arschloch geleckt.“