Katy Kirby Cool Dry Place


Keeld Scales/Cargo (VÖ: 19.2.)

von

Katy Kirby ist eine Lyrikerin vor dem Herrn. Und das ist wörtlich zu nehmen: Aufgewachsen im ultrachristlichen Bible Belt der USA, aufgezogen von zwei Ex-Cheerleader-Eltern, wie es heißt, pries sie den lieben Gott im lokalen Kirchenchor. Zwar macht Kirby, Gott behüte, keinen Happy-Day-Christenrock, aber alttestamentarische Referenzen lassen sich noch finden auf ihrem Debütalbum, etwa wenn in „Secret Language“ David den „secret chord“ anstimmt, womit sich Kirby freilich aber auch in die gigantomanischen Songwriter-Fußstapfen von David, Leonard Cohen und Jeff Buckley begibt, Halleluja!

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Klanglich dürfte Kirby bei Aimee Mann gelernt haben, dass manchmal gerade das Unaufgeregte ganz besonders eindringlich sein kann. Yes! Und, wie gesagt, sie ist Lyrikerin. Stumpfe Plattitüden und Song-Floskeln aus dem 08/15-Reim-Zufallsgenerator wird man bei Kirby nicht finden. Stattdessen dringt man mit ihr ein in eine magisch-realistische Welt, in der Augenlider und blauer Wacholder beschworen werden.

Ein Goldfisch zappelt in einer Mülltüte, Orangen werden abgelegt als Einladung zu einer gemeinsamen Zukunft. Jemand sieht nur high aus, wenn er den Atem anhält. Ein imaginärer Pfefferminz-Freund mag Hemden mit kurzem Kragen, und das lyrische Ich liebt Heimwege, wenn sie betrunken sind.  „Ich bin ein Paralleluniversum in Target- Dessous, und du ein Country-Song im Dreivierteltakt“, geht eine typische Kirby-Doppelzeile, natürlich auf Englisch, dann klingt das noch geiler. Diese Katy Kirby, die hat verdichtete Storyminiaturen auf Lager – da muss sich selbst Tom Waits warm anziehen.

„COOL DRY PLACE“ im Stream hören:


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