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Mit Nick Cave, Patti Smith und Sven Regener: 7 gute Bücher, die von Musiker*innen geschrieben wurden

Songs schreiben ist wie Geschichten erzählen – zumindest für viele Musiker*innen. Manche versuchten sich also auch darin, ihre Geschichten in geschlossene Texte zu verpacken. So entstanden einige wunderbare Bücher, die wir Euch an dieser Stelle vorstellen möchten.

„Just Kids“ ist nicht Patti Smiths erstes Buch – die Künstlerin schreibt vorwiegend Gedichte – aber definitiv ihr persönlichstes. In ihrer Autobiografie erzählt die „Godmother of Punk“ von ihren Anfängen als spindeldürres junges Mädchen, das heimlich in der Toilette des Ladens, in dem es arbeitet, auf dem Fußboden schläft. Bis der junge Künstler Robert Mapplethorpe in Smiths Leben tritt. Und damit auch viele Persönlichkeiten der New Yorker Kunstszene der sechziger Jahre.

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Smith schreibt davon, von Andy Warhol aufs Essen eingeladen worden zu sein, als sie es sich nicht leisten konnte, und davon, mit Jimi Hendrix auf den Treppen eines Hauses geplaudert zu haben, als sie sich nicht auf eine Party traute. Sie erzählt von ihren Anfängen als bildende Künstlerin, als Poetin, und schließlich als Musikerin. Doch das alles macht Smith nicht etwa großkotzig, sondern in sehr nüchternem Ton – sie ist ihren Helden begegnet und hat wie sie ums Überleben gekämpft. In „Just Kids“ darf man sie dabei begleiten.

Der Sänger der britischen Indierock-Band Franz Ferdinand hat ursprünglich eine Ausbildung zum Koch absolviert, und auch jahrelang in dieser Profession gearbeitet, ehe die Musik genug Geld abwarf, um hauptberuflich Musiker zu werden.

Von seinen kulinarischen Abenteuern mit und ohne seine Band erzählt Kapranos in „Sound Bites – Eating on Tour with Franz Ferdinand“. Ursprünglich eine Kolumne für den „Guardian“, ist das Büchlein jetzt ein hübsch illustrierter Guide durch Kapranos‘ verschiedene Lebens- und Essensphasen.

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Zugleich is(s)t man hier tatsächlich teilweise auf Tour mit der Band: Ob sie von asiatischen Fans mit seltsamen, nicht immer wohlschmeckenden Süßigkeiten beschenkt oder von Deutschen beim Essen des „Kölschen Kaviars“ (Blutwurst) an- und ausgelacht werden. Viele seltsam-lustige Erinnerungen werden so mit den Lesern geteilt. Samt einer Liste von Restaurant-Empfehlungen in den verschiedensten Ecken der Welt am Ende des Buches.

Bunny Munro ist ein fahrender Verkäufer von Beauty-Produkten, der regelmäßig mit wildfremden Frauen schläft. Als seine Frau Selbstmord begeht, packt Bunny seinen Sohn ins Auto und fährt mit ihm quer durch Brighton und Umgebung. Die beiden erleben allerlei Schräges, während Bunny über sein Leben reminisziert.

„The Death of Bunny Munro“ ist Nick Caves zweiter Roman, und wurde von Kritikern hochgelobt. Der ursprünglich aus Victoria in Australien stammende Cave lebt heute selbst in Brighton, was die Roadtrip-Komponente des Buches sehr authentisch macht.

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Bunny Munro scheint wie Nick Caves Alter Ego, und ist trotz seiner zahlreichen Charakterschwächen irgendwie doch Held des Buches. Man fühlt sich Cave direkt ein Stück näher, wenn man Bunny Munros Sex-Fantasien zu Kylie Minogue liest (die Cave schon lange kennt und mit der er auch zusammengearbeitet hat).

Oder auch bei dem schmunzelnswerten (Anti-)Witz: „Have you heard what happened to the guy who overdosed on curry powder?“ – „Yeah, he’s now in a korma. “

„Threepenny Memoir – The Lives of a Libertine“ wurde 2010 veröffentlicht, zeitgleich mit Carl Barâts erstem Soloalbum. Nach der vorläufigen Trennung von The Libertines hatte Barât gemeinsam mit dem Libertines-Drummer Gary Powell The Dirty Pretty Things gegründet und zu der Zeit auch schon wieder zu Grabe getragen.

In seiner Autobiografie erzählt Barât von drogendurchzogenen Nächten, betrunkenen Eskapaden und schwierigen Morgen danach. Und natürlich immer wieder über seinen Freund Pete Doherty. Dabei fokussiert er sich auf eine Beschreibung ihrer engen, aber von diversen Problemen durchzogenen Beziehung, und weniger auf harte Fakten (wie nicht zuletzt, dass Doherty einst etwa in Barâts Wohnung einbrach).

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In einer ME-Rezension des Buches heißt es: „Nach seinen Jahren bei den Libertines und den Dirty Pretty Things, in denen er in punkto Alkohol-, Sex- und Drogenkonsum wenig hinter Doherty zurückstand, lebt er heute das gesittete Leben eines therapierten angehenden Papas und Solokünstlers. (…) Es entsteht das Bild eines einzelgängerischen Drifters, den die Freundschaft mit Pete Doherty befreit und zugleich gelähmt hatte.“

  • Kim Gordon (Sonic Youth) – Girl In A Band

Kim Gordon war Bassistin der Indie-Rock-Ikonen Sonic Youth, und auch deren Antrieb: Sie sang und schrieb Songs für Sonic Youth. Zugleich waren sie und Thurston Moore ein Paar. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter miteinander.

Nach 27 Ehejahren gaben Moore und Gordon 2011 ihre Scheidung bekannt. Damit war es, wenngleich offiziell nicht so kommuniziert, auch für Sonic Youth aus. Vier Jahre später erschien Gordons Buch.

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Es ist das Buch ihres Lebens: Gordon schreibt über die Anfänge der Band im New York der 80er, über das Leben als Künstlerin und Mutter, und – ja, auch – über ihre Trennung.

  • Sven Regener (Element of Crime) – Herr Lehmann

Sven Regener schrieb ein Buch (das mittlerweile zu einer ganzen Buchreihe angewachsen ist) über einen dreißigjährigen Typen, der in einer Berliner Kneipe arbeitet, kurz vorm Mauerfall. Eigentlich heißt er Frank, aber alle haben es sich zum Spaß gemacht, ihn Herr Lehmann zu nennen. Und dann aber trotzdem zu Duzen.

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Der Sänger, Gitarrist und Trompeter der deutschen Band Element of Crime war schon als Songschreiber für seine wortspielerischen Texte bekannt. In „Herr Lehmann“ erzählt Regener nun mit fast plumper Stimme vom Alltag vor dem Mauerfall, von den Schwierigkeiten von Freundschaft und Liebe, von großen Hunden, die einen nicht nach Hause gehen lassen wollen.

Der Roman, Regeners erster, wurde – mit wunderbarem Soundtrack von Eels bis Ween – von Leander Haußmann verfilmt.

  • Leonard Cohen – The Favourite Game

Leonard Cohens erster Roman stammt aus einer Zeit, als Cohen noch als aufstrebender kanadischer Autor galt. Seine Zeit als kratzstimmiger Song-Poet lagen noch vor ihm.

Das Buch, das eigentlich „Beauty at Close Quarters“ heißen sollte, war ursprünglich 1960 von den kanadischen Herausgebern als zu sexlastig und morbid abgelehnt worden. Cohen fand daraufhin englische und amerikanische Verlage, die seinen Erstling – allerdings nur in radikal gekürzter Version – drucken würden.

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Die Abenteuer und Missgeschicke des jungen, aus jüdischem Hause stammenden Lawrence Breavman sollen angeblich semi-autobiografisch zu Cohens eigener Jugend sein. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Behauptung lernt man hier einen jungen Leonard Cohen kennen, der zum ersten Mal seine (hier literarische) Stimme nutzt, um Geschichten zu erzählen.


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