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Lee Ranaldo /Jim Jarmusch / Marc Urselli / Balázs Pándi Churning Of The Ocean


Trost/Cargo (VÖ: 11.6.)

von

Als Lee Ranaldo, Jim Jarmusch, Marc Urselli und Balázs Pándi sich 2019 zu einer Improvisation trafen, war das Neuland für alle Beteiligten, sie hatten in dieser Konstellation vorher nie miteinander gespielt. Das Album, das die Jazz- und Rockavantgarde Spezialisten vom Wiener Trost-Label daraus machten, glich ebenfalls einer Entdeckungsreise.

CHURNING OF THE OCEAN steht jetzt als Fortsetzung des Projekts auf vergleichsweise festen Füßen, die fünf Sessiontracks haben auch keine Werbekampagne mit dem berühmten Autorenfilmer und seinen musikalischen Liebschaften und Ausschweifungen (Sqürl, Jozef van Wissem) nötig, sie verweisen lediglich auf die langjährigen Entwicklungen der Musiker.

Klangräume, die von Annäherungen an die Dunkelheit erzählen

Die Klangräume, die sie im Verbund füllen, erzählen von Annäherungen an die Dunkelheit, von langsam sich in die Zeit fräsenden Stimmungen, improvisiert, aber stetig nach einer Richtung spähend. In den Live-Impressionen lösen sich Gitarrenmotive in Hall auf, Drums fallen wie Steine in den Fluss der rauen Töne, manchmal ist ein Sound nicht mehr eindeutig einem Instrument zuzuordnen. Produzent Urselli, Initiator der Zusammenarbeit, agiert am Bass, Jarmusch nicht nur als zweiter Gitarrist, sondern auch als Mini-Synthesizer-Player, die Rollen verlieren an Gewicht in diesem Noiserockfeedback-Kontinuum.

Sicherlich kann man CHURNING OF THE OCEAN als Soundtrack eines ungeborenen Jarmusch-Films hören, genauso gut spielen diese ausgedehnten Gitarren-Bass- und Drums-Aufnahmen uns aber Klangbilder zu, die am langen Ende eines Arbeitstages von Sonic Youth entstanden sein könnten. Sie erinnern stellenweise an einen Progrock-Drumworkshop der 1970er, sie würden auch als „weiterführende Literatur“ zu Ursellis Aufnahmen mit John Zorn Bestand haben. Gebt dem Projekt einen Bandnamen!


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