Album der Woche

Louis Matute

DOLCE VITA

Naïve/Believe (VÖ: 9.1.)

Schwerelos segelnder Fusion-Jazz, der den antiimperialistischen Kampf in Töne gießt.

Wenn einer in der Schweiz aufwächst, sein Vater aus Honduras stammt, er in der Jugend auf der Gitarre lernt, Flamenco zu spielen, später den Jazz entdeckt und ein neues Album in Paris aufnimmt, auf dem er versucht, die eigene Familiengeschichte, insbesondere den antiimperialistischen Kampf seines Großvaters gegen die allmächtige United Fruit Company, in Töne zu fassen, dann ist zumindest ein erklecklicher Teil der Einflüsse von DOLCE VITA abgedeckt.

Aber vollständig erklärt sich aus der Biografie von Louis Matute auch nicht das gesamte komplexe Unterfangen, das das neue Album des Genfer Musikers darstellt. Der 1993 geborene Matute und seine Begleitband, das franko-schweizerische Large Ensemble, segeln durch Lateinamerika, docken an im tiefen Süden der USA, sie versumpfen in einem verrauchten Jazz-Keller, bummeln am Strand von Ipanema entlang oder verlieren sich in der endlosen Watteweichheit eines Yacht-Rock-Klischees, bis sie bisweilen auch das eigene Pathos einholt.

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Nicht immer, hat man das Gefühl, weiß Matute selbst so genau, wohin die Reise eigentlich gehen soll oder ob alle schon da angekommen sind, wo sie hinwollen. Es ist kompliziert, die allermeisten Stücke sind Instrumentals, auch „Santa Marta“, das aber auch ganz ohne Text sehr eindringlich vom sogenannten „Bananen-Massaker“ von 1928 erzählt, als ein Streik von Landarbeitern mit bis zu 2000 Opfern blutig niederschlagen wurde. Die Musik, und viel mehr kann man nicht erwarten, trägt die historische Last mit großer Würde.

Diese Review erscheint im Musikexpress 1/2026.