Liste

Die 50 besten Jazz-Platten aller Zeiten

Jazz ist anders!

Das behaupteten wir in offensichtlicher Anlehnung an Die Ärzte auf dem Cover des Musikexpress 07/2018. Diese Ausgabe war nämlich unser Jazz-Special: Unsere Titelstory widmeten wir dem großen Kamasi Washington wegen seines neuen Albums HEAVEN AND EARTH, das Interview und die ganze Geschichte könnt Ihr jetzt auch online nachlesen. Begleitend dazu listeten wir die unserer Meinung nach 50 besten Jazz-Platten aller (bisherigen) Zeiten auf, die Ihr hier und jetzt auch online findet. Wen haben wir vergessen, wen hätten wir vergessen sollen? Sagt es uns auf Facebook!


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Platz 50. The Thing – Bag It!

Smalltown Superjazz
2009

Elf Alben lang galten die drei Schweden als Live-Phänomen, dem es wohl nie gelingen würde, die unglaubliche Kraft ihres Energie-Jazz im Studio umzusetzen. BAG IT! ändert alles. Der Mann hinter diesem Mysterium: Steve Albini. Ihn als Produzenten zu engagieren, war eine zwingende Idee, vor allem, weil der Mann aus Chicago wie kein zweiter ein Schlagzeug so abmischen kann, dass es intim rumpelt. Saxofon und Bass dürfen auf die Kraft der Drums vertrauen, treten mit dem Schlagzeug in Dialog. Oder besser: Die Instrumente schreien sich an, und zwar so rasend, dass diese Musiker gar nicht anders können, als ab und an dazwischen zu schreien. Doch es gibt auch Lücken im Krach: Das Titelstück entwickelt sich als Neubauten-ähnliches Industrial-Experiment, bevor es rasend wird und am Ende wieder zur Ruhe kommt. André Boße

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Platz 49. The Pyramids – Lalibela

Pyramid Music
1973

Im Film SPACE IS THE PLACE landet der Afrofuturist Sun Ra mit seinem Raumschiff in Oakland (Kalifornien), seine Mission ist die Befreiung der Afroamerikaner mittels der kosmischen Energie der Musik. Die Pyramids eröffneten in den 1970ern ihr Jazz-Camp ebendort in Oakland und Sänger Idris Ackamoor erinnert heute in einem Track seines brandneuen Albums an diesen Zusammenhang: „a band of children from the land of Ra who travel space from star to star”. LALIBELA ist das 1973er Debüt des Sextetts, ein Wunderwerk des Cosmic Jazz in zwei seitenfüllenden Tracks. Augenblicke lang klingt das wie vormoderner Folk, dann beginnen die Flöten und Saxophone in wilden Bahnen zu mäandern, rituelle Gesänge schieben sich über die Conga-Beats. Am Ende sollen ihre Seelen ihre Körper verlassen haben. Frank Sawatzki

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Platz 48. The Peter Brötzmann Octet – Machine Gun

FMP
1968

Nein, es war nicht die europäische Variante des Free Jazz, die der Saxophonist Peter Brötzmann auf seinem zweiten Album MACHINE GUN erfunden hat. Aber es war das erste wesentliche Free-Jazz-Album aus Europa. Brötzmann und sein Oktett mit unter anderem Evan Parker, Han Bennink, Fred Van Hove und Sven-Åke Johansson dachten die freie Kollektivimprovisation, die Ornette Coleman auf dem Album FREE JAZZ entwickelte und die später von John Coltrane auf ASCENSION fortgesetzt wurde, radikal zu Ende. Ultra-schnelle und aggressive High-Energy-Musik, die nicht selten an die Geräusche der titelgebenden MACHINE GUN erinnerte, angeführt von Brötzmanns röhrendem Spiel auf dem Tenor- und dem Baritonsaxophon. Wenn es die Entsprechung von Heavy Metal im Jazz gibt, dann ist es dieses Album. Albert Koch

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Platz 47. The Bad Plus – Prog

Do The Math
2007

Es ist so eine Sache, wenn sich Jazz-Virtuosen auf bekannte Pop- und Rock-Vorlagen stürzen, nicht selten entsteht Kunsthandwerk, das bei Hochzeiten und Fußgängerzoneneinweihungen zum lauen Sekt funktioniert, auf Platte aber zur bloßen Geste verkommt. The Bad Plus machen es deutlich besser, das US-Trio sucht sich die Tracks nicht wegen der Aha-Erlebnisse aus, sondern untersucht im Vorfeld, was aus den Original herauszuholen ist. PROG bietet nicht nur progressiven Rock (aber auch, nämlich „Tom Sawyer“ von Rush), sondern auch eigene Kompositonen, vor allem aber Variationen auf Popsongs wie „Everybody Wants To Rule The World“ von Tears For Fears oder Bowies „Life On Mars?“ – und immer fügen The Bad Plus den Vorlagen auf Basis der Haupthemen mehrere Ebenen und Spannungsbögen hinzu. André Boße

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Platz 46. Charlie Parker – Jazz At Massey Hall

Debut
1953

Die Live-Aufnahme läuft auch unter dem Bandnamen The Quintet, es spielen neben Parker am Saxofon Charles Mingus am Bass und Dizzy Gillespie an der Trompete, Bud Powell am Piano sowie Max Roach an den Drums – besser geht’s dann auch nicht. Mingus zeichnete sich für die Aufnahme verantwortlich, ein paar Bassspuren soll er nachträglich verbessert haben. Auch wird vom betrunkenen Pianisten erzählt, Gillespie habe sich zudem mehr für den Boxkampf am Fernseher interessier als für das Konzert und beschwerte sich nachher, erst Jahre später seine Gage bekommen zu haben. Schöne Jazzlegenden, wichtiger ist aber, was man hört: Eine eindrucksvolle Jazz-Demonstration der besten Musiker zu dieser Zeit, die den Bebop mit hoher Virtuosität in Richtung Hard Bop und Modern Jazz weiterdrehen. André Boße

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Platz 45. Collocutor – The Search

On The Corner Records
2017

Storytelling in Jazz. Das zweite Album der britischen Band um die Saxophonistin und Flötistin Tamar Osborn könnte auch der Soundtrack für einen Road-Movie sein, der vom Verschwinden einer Person erzählt und mit ihrem Auftauchen endet (“Arrival Live Dubplate Mix”). Collocutor fahren ihre Musikbildstrecken in einem traumhaften Flow ab, schalten in den Stop-and-Go-Modus, werfen Blicke in Sun Ras Jazz-Ländereien, verlassen den Parcours und kehren mit Turbo-Percussion zurück. “Killer” lautete das Urteil von DJ und Talkin‘-Loud-Gründer Gilles Peterson. Wohin die Reise der Lieblinge der jungen Londoner Jazz-Szene noch führen kann, demonstriert ihre jüngste Maxi: Miles Davis‘ “Black Satin” haben sie an den Seiten aufgerissen und mit Bass und E-Gitarre in ein tiefes Loch gezogen. Frank Sawatzki

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Platz 44. Thelonious Monk – Straight, No Chaser

Columbia
1967

Nicht der Soundtrack zum Filmporträt, sondern das sechste Album des Pianisten – und eines, das sich im Unterschied zu vielen Monk-Einspielungen auch nebenbei hören lässt. Monk und seine drei Mitmusiker an Saxofon, Bass und Schlagzeug entfernen sich nicht allzu weit von den Vorlagen von Duke Ellington oder Harold Arlen, auch die Interpretationen seiner eigenen Songs klingen gezähmt, was das Hörvergnügen nicht mindert, im Gegenteil: Sind mehr als fünf Leute zu Gast, ist STRAIGHT, NO CHASER eigentlich immer die beste Monk-Wahl: Auf diese Platte kann man sich immer einigen. André Boße

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Platz 43. Badbadnotgood – IV

Innovative Leisure/ Rough Trade
2016

Aufgeknöpfte Vintage-Surfer-Hemden, ausgewaschene Jeans, lustige Caps auf und viel Unsinn in den Köpfen: Die Boys von Badbadnotgood wirken wie echte Hänger. Sie könnten leicht als Best Buddies von Mac DeMarco, Twin Peaks oder Hinds durchgehen, aber Gott, sind die spielfreudig!Das Tolle: Ihren ambitionierten Weirdo-Jazz muss man nicht checken. Genre-Versierte dürften in dieser Musik zwar allerhand Referenzen erkennen, Jazz-Fremde aber nicht weniger Spaß daran haben, wenn Saxofon oder Trompete den Gesang ersetzen und Haken schlagen, niemals aber sperrig klingen, wenn Rhythmen im Sekundentakt wechseln, wenn Soundmotive sphärisch auf- und etablierte Genre- Erwartungen kein Stück eingelöst werden. IV ist Indie-Rock und Jazz, Wettsaufen und Fünfgängemenü zugleich. Erst mit diesem, ihrem vierten Album bekam die Band aus Toronto die richtig große internationale Aufmerksamkeit. Vielleicht weil sie davor so damit beschäftigt war, Tracks für Kendrick Lamar oder Kaytranada zu produzieren, sodass eigene Songs hintangestellt werden mussten. Im Aufnahmestudio der Jungs, das den sexy Namen Studio 69 trägt, haben sie zuletzt übrigens das Instrumental für einen ziemlichen Hit geschrieben: „After The Storm“ von Kali Uchis, Tyler, The Creator und Bootsy Collins. Jördis Hagemeier

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Platz 42. The Lounge Lizards – The Lounge Lizards

Editions EG
1981

Freier Jazz aus New York und aus den frühen 80ern, da schwingt dann auch die Nervosität und Ironie der Postpunk mit. Die Lounge Lizards spielen mit dem Style der großen Jazz-Traditionalisten, das Cover stammt von Peter Saville, dem Mann, der den Joy Division-Platten den Corporate Look gab. Ihre Lust am Lärm haben die Lounge Lizards in diversen Krachbands der No Wave-Ära entwickelt. Auf ihrer ersten LP interpretieren sie zwei Monk-Tracks, dazu den Standard „Harlem Nocturne“, der den Meta-Jazz der Lounge Lizards weiter in die Rockwelt führt – was auch am kompakten Schlagzeugspiel von Drummer Anton Fier liegt, der zuvor bei den Feelies und Pere Ubu spielte. André Boße

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Platz 41. Duke Ellington – Piano In The Background

Columbia
1960

Interessant schon der Titel, denn wenn Duke Ellington Piano spielt, dann natürlich nicht einfach nur im Hintergrund. So klingt sein Klavier auch hier bestimmend, wobei es aber eben immer auch Momente gibt, in dem die Bläser seines Orchesters eine ungeheure Macht entwickeln oder, bei „What Am I Here For?“, die Trompete beinahe die Rolle des Leadgesangs übernimmt. So oder so: PIANO IN THE BACKGROUND ist ein hervorragendes Beispiel für Duke Ellingtons einzigartige Arrangierkunst. André Boße

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Kamasi Washington: Ein Ozean aus Jazz
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