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Lydmor Capacity


HFN Music/Rough Trade (VÖ: 12.3.)

von

Lydmor fühlt sich wohl zwischen den Stühlen, sitzt allerdings keineswegs auf halber Strecke zwischen ihnen. Etwas Elektronik, deutlich mehr Pop mit eingängigen Radio-Hooks: Das ergibt in Summe ungefähr Jenny Rossanders, so Lydmors bürgerlicher Name, Version von skandinavischem Elektro-Pop.

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Diese eher simple musikalische Formel lädt sie auf mit einem umso schwergewichtigeren konzeptionellen Überbau. Schon CAPACITYS Vorgänger orientierte sich an Roberto Bolaños Roman „2666”, das aktuelle Album ist labyrinthartig geschnitten wie ein David-Lynch-Film. Lydmor verliert sich in Albtraumsequenzen, führt Charaktere ein, die vor Mysterien nur so strotzen, und übt sich in feministischer Kritik, wenn sie in „LSD Heart“ singt: „Guys get away with so much bullshit in art.“

Das ist an sich keineswegs verkehrt, im letzten Fall sogar goldrichtig. Die radioformatige Eingängigkeit, mit der die Dänin und ehemalige Alle-Farben-Kooperateurin arbeitet, bekommt dieses Ideengerüst nur nicht ausreichend gestützt, sondern nivelliert Inhalte auf ein homöopathisches Minimum. Vom The Knife’schen Fatalismus oder Björks früher Renitenz, um nur zwei der relativ offensichtlichen Vorbilder zu nennen, ist nicht viel zu hören.


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